2009-06-18

Welches Schweinderl hättens gern?

Erstaunlich, welch großartige Ideen zutage treten, wenn man zulässt, dass sie an einen herangetragen werden. Oder wenn man sie überhaupt sieht, wo man über sie stolpert.
Vielleicht ist es nur eine zufällige Häufung, dass sich gerade heute so viele Veränderungen und so viele (für mich) neue Ideen abzeichnen. Gerade jetzt, wo mir selbst die Befreiung aus dem Zustand kraftloser, nur beobachtender Starre gelingen will.
Aber was wie Zufall aussieht, verbirgt meist nur eine unentdeckte Beziehung.

Da ich mich entschlossen habe, an der Zeitgeist-Bewegung teilzunehmen, ist es kein Zufall, dass als zusätzliche Quelle Jiddu Krishnamurti ins Spiel kommt.
Krishnamurtis Rede über die wirkliche Revolution, nämlich die des Verstandes und des Bewusstseins, wurde ja im Film Zeitgeist: Addendum zitiert.

Der indische Philosoph erklärt, dass wir unser Dasein in die materielle Welt verlagert haben. Die Probleme dieser Welt werden somit auch die unseren. Die Krise ist aber seiner Auffassung nach eigentlich eine Krise des Bewusstseins, denn all die trennenden, Konflikt auslösenden Gedanken kommen aus uns selbst.
Während politische Handlungen, etwa Revolutionen, auf die materiellen Auswirkungen zielen, ist die eigentliche Revolution im Sinne des Wortes eine radikale, an die Wurzel des Problems gehende. Eine Revolution des Geistes, seiner Befreiung von Werten und äußeren Einflüssen und damit im weitesten Sinne der Selbstfindung.

Wer aber bin ich?
Als Krishnamurti gefragt wurde "Who are you?", legte dieser einen seiner zentralsten Gedanken dar:



Wenn wir etwas hören oder über uns selbst nachdenken, sollen wir uns frei machen von Vorurteilen. Wir sollen auch nicht versuchen, das Gehörte bzw. den betrachteten Gegenstand, sofort in unser Wertesystem einzuordnen, in Kategorien wie Zustimmung und Ablehnung, und auch nicht den Vergleich mit Erfahrungen suchen. Vielmehr sollen wir in uns hineinhören, um die ersten Reaktionen unseres Geistes wahrzunehmen und seine Natur zu erkennen.

Was sich etwas abgehoben anhört, lässt sich durchaus auch in der materiellen Welt anwenden. Wissenschaftliche Methodik kommt dem wohl am nächsten. Hier ist auch die Verknüpfung zu The Zeitgeist Movement.
Zeitgeist besagt, dass zunächst eine Befreiung des Geistes von sozialisierten Werten geschehen soll, um eine wertfreie Gesellschaft aufbauen zu können. Eine die sich auf Logik gründet statt auf Eigennutz und Meinungen.
Wenn ich beispielsweise Hunger empfinde, dann mag heute mein erster Gedanke dem Geld gelten, mit dem ich mir einen BigMac kaufen gehen könnte. Gehe ich dem Gefühl auf den Grund, dann brauche ich kein Geld, sondern ich brauche etwas zu essen. Das Geld ist nur eine Krücke, mit der eine knappe, streng kontrollierte Ressource beschafft wird.
Eine auf Logik aufgebaute Gesellschaft beseitigt die Knappheit an sich, so dass die Krücke überflüssig wird.

Eine weitere Parallele zu Krishnamurti stellt die These von der Einheit dar.
Wenn man erkennt, dass die vielfältigen, trennenden und aggressionserzeugenden Aufteilungen nach Rasse, Herkunft, Religion, Geschlecht, Anschauung usw. reine Gedankenkonstrukte darstellen, so wird offenbar, dass wir alle gleich sind, und daher eins. Wir alle haben die selben Bedürfnisse. Zeitgeist ebenso wie Krishnamurti postulieren die Überwindung von Gier, Konkurrenzdenken und Aggression, die aus der Trennung erwachsen.
Der schädliche Gedanke der Trennung wird hauptsächlich erzeugt durch Ressourcenknappheit. In einer Situation der Knappheit hilft er, sich und seine Gruppe gegen "die Anderen" zu verteidigen. Die Beseitigung von Knappheit fördert das Gefühl der Einheit.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Existenz von Institutionen. Menschen, die lernen, freien Geistes zu sein, bedürfen keiner Zugehörigkeit zu einer Religion, einer Nation oder Interessengruppe, die den Weg festlegt. Ihr Weg ist ein selbstgefundener.

Und damit - last not least - stimmt Zeitgeist mit Krishnamurti überein, dass es keine organisierten, vordefinierten Pfade aus krisenhaften Situationen geben kann, und dass keine letzten Wahrheiten existieren, die zu erreichen unser Ziel sein könnte. Alles ist im Wandel, alles kann hinterfragt werden, für jeden Weg gibt es Parallelwege.

Wenn Krishnamurti jedoch sagt, dass Veränderungen der Gesellschaft irrelevant sind, weil sie an den Wurzeln nichts ändern, scheint er überhaupt nicht mehr zu Zeitgeist zu passen. Denn die Bewegung zielt ja auf Änderungen in der materiellen Welt ab.
Das Denken als Konfliktlöser werde versagen, denn es sei nicht identisch mit der Wirklichkeit, nur deren Abstraktion aufgrund lückenhaften Wissens.

Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer.
Der Überwindung der heutigen geldbasierten Gesellschaft geht ein radikales Umdenken voraus. Alle alten Werte werden in Frage gestellt, um zu ergründen, was die eigentlichen Bedürfnisse des Menschen seien und wie ihnen zu Geltung verholfen werden könnte. Auf dem Weg zu einer ressourcenbasierten Gesellschaft gibt es keine Führer, keine Doktrinen. Nur viele Individuen, die mit einer Änderung ihres Bewusstseins einen Wandel in der materiellen Welt erwirken.
Sie bilden eine unregierte, uninstitutionalisierte Nicht-Gesellschaft, welche es anderen Menschen, die heute vom starken Hintergrundrauschen behindert werden, erleichtert, ihren Geist zu erforschen. Um zu fragen: Wer bin ich?

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