2008-01-21

...die ich mir als Jugendlicher nie vorstellen konnte

Lasst es uns liebeswertes Ransdgruppenspießertum nennen, um mit J.s Worten zu umschreiben, was auch mir zur Situation eingefallen war. Und wenn wir ehrlich sind, darf man nicht nur mit dem Finger auf die Anderen zeigen, sondern muss zur Kenntnis nehmen, dass man selbst ein Teil der Kulisse ist, vor der sich alles abspielt.
Ich hätte mir nie träumen lassen, auf welch absonderliche Arten sich Spießertum ausdrücken kann, aber das ist die wahre Bedeutung des Älterwerdens: Irgendwann holt dich der Alltag ein. Es ist nicht nur möglich, dass du deinen Eltern immer ähnlicher wirst, ohne dass du es willst, sondern gerade dein Verharren in Rebellion gegen eben diese Möglichkeit kann dich aufs Glatteis führen. Während du noch denkst, du seist ja so anders, verrennst du dich in Gewohnheiten, Gebräuche und Klischees. Du bist vielleicht gerade 20 Jahre alt, und du legst bereits das Fundament für ein Häuschen, in dem du dich bis zum Lebensende einrichten möchtest, verplemperst Zeit und Geld für nutzlosen Konsum, während du dir dein allumfassend gültiges Weltbild baust.

Andererseits: Was ist falsch daran? Lässt sich psychosefrei etwas verhindern, das der menschlichen Natur entspricht?
Oder nochmals anders gefragt: Ist Spießertum nicht einfach die Erkenntnis, dass dein Nachbarn nach anderen Regeln lebt, als du selbst? Dann müsste jeder zunächst den Spieß aus seinem eigenen Auge ziehen. Eine jahrtausendealte Spießerwahrheit aus der Bibel.

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