2011-02-22

Weniger müssen müssen

Yay, was für ein Buch!
Ich habe Gespräche mit Gott vol.1 von Neale Donald Walsch gelesen und bin hochgradig begeistert. Bibel auf Speed, aufs Notwendigste eingekocht und jetzt endlich auch kompatibel mit anderen "Betriebssystemen". In den Hauptrollen: der Autor und ein Gott, der den Humor quasi erfunden hat. Selten so viel über einem offenen Philosophiebuch gelacht.
Walsch äußert in seinem Erstwerk eine Menge, dem ich problemlos zustimmen kann. Lediglich an einer Stelle möchte ich widersprechen. Walsch bringt zum Ausdruck, dass nicht das Geld als solches 'schlecht' sei (soweit mochte ich ihm noch folgen), sondern unser Problem damit lediglich auf einem Konflikt beruhe: Einerseits kann man mit Geld viel Gutes bewirken und es auch als eine Art Belohnung für die eigenen Taten betrachten; andererseits wird Geld tatsächlich als Wurzel allen Übels gesehen. Walsch schlägt nun vor, Geld nicht weiter zu verurteilen, damit es in vollem Umfang Gutes bewirken kann. Warum auch nicht? Es ist praktisch gedacht.

Es existiert jedoch auch die Ansicht, dass es so etwas wie wertneutrale Erfindungen nicht gibt und ich bin geneigt, diesen Leuten zu einem gewissen Grad zuzustimmen: Jede Technologie entwickelt eine für sie typische Dynamik; sie tendiert aufgrund ihrer Eigenschaften dazu, in ganz bestimmten Feldern, auf ganz bestimmte Weise und mit ganz bestimmten Folgen zur Anwendung zu kommen. Kernspaltung als Energiequelle beispielsweise eignet sich nur für große Anlagen; niemand baut sich das in den Keller ein.
Und Geld... Geld hat gleich mehrere unangenehme Eigenschaften: Es sammelt sich dort, wo bereits Geld vorhanden ist; es entfremdet uns von Gütern, die wir im Austausch dafür kaufen und verkaufen; und es macht jene Personen ersetzbar, die Güter herstellen. Geld lässt Bequemlichkeit dort zu, wo sie zerstörerisch wirkt: in Produktion jeglicher Art und bei Beziehungen zu anderen Menschen.

Außerdem sagt mir mein Gefühl irgendwie: Der Autor träumt hier einen Traum zweiter Klasse. Er bleibt hinter dem zurück, was ich in meinem Herzen an Möglichkeiten spüre und was wir an Lebensqualität bereits einmal hatten. Dort, wo unser Denken Konflikte erschuf, die auf die Außenwelt durchgeschlagen haben, müssen auch die damit zusammenhängenden sozialen und wirtschaftlichen Systeme bereinigt werden. Manifestationen solcher mental erzeugten Interessenskonflikte sind zum Beispiel Geld und Handel.

Mein Ansatz lautet daher: Lassen wir das Geld (eigentlich die Vorstellung vom Recht auf Entlohnung) fallen und tun Gutes einfach deshalb, weil es Gutes bewirkt. Hören wir auf zu kaufen, was wir konsumieren, sondern stellen selbst her, was wir tatsächlich brauchen. Hören wir auf, unsere Arbeitskraft zu prostituieren; beginnen wir, sie unserer direkten Umgebung kostenfrei anzubieten. Hören wir auf, uns von Lohn- und Energiesklaven unsere Kleider nähen, unser Essen anbauen und auch die ganzen anderen Sachen hinterhertragen zu lassen, sondern kümmern wir uns endlich selbst drum. Lasst uns geben und annehmen, weil dies nötig ist, nicht weil wir Geld brauchen bzw. es uns leisten können.

Geld spielt in Gespräche mit Gott vol.1 jedoch nur eine nebengeordnete Rolle. Walsch' generelle Auffassung davon, wie ein erfülltes Leben zu erreichen ist, gleicht einer Weltformel spiritueller Lehren. Sie vereinigt makroskopische und mikroskopische Effekte menschlichen Handelns und weiß selbst in schwierigen Situationen guten Rat; etwa was zu tun ist, wenn man als Weltverbesserer Familie hat oder im Beruf kein Bein auf den Boden bekommt. Vorstellen darf man sich dabei allerdings kein Kochbuch, sondern eine einfache und offensichtliche Faustregel, die sich auf vielfache Weise ausdrücken lässt und mannigfaltige Implikationen enthält (weshalb das dreibändige Gesamtwerk auch über 1000 Seiten umfasst).

Fazit: Erfrischend anders als jede religiöse Quelle bisher - und herrlich befreiend!

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