2011-04-24

Amor gräbt den Klappstuhl aus

In manchen Teilen der Welt bezahlen Dissidenten mit ihrer Freiheit, ihrer Gesundheit oder ihrem Leben für die Rede-, Handlungs- und Versammlungsfreiheit, die sie sich nehmen. Es erfordert mehr Mut, gegen eine offene Gewaltherrschaft aufzustehen, als dieselbe Freiheit in den Scheindemokratien des Westens auszuleben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bewegung für eine postkapitalistische Zukunft weniger berechtigt wäre als die antidiktatorische. Totgeschwiegen, niedergeschrien, lächerlich gemacht, sozial isoliert und durch falsche Berichterstattung diffamiert zu werden bietet Stoff genug, über die Substanz vorgeblicher Freiheit und nominellen Friedens nachzudenken, die offiziellerseits gewährt werden. Und es erfordert nicht weniger innere Stärke, für seine Überzeugung einzustehen, als sonst in der Welt. Ja, ich darf sagen was ich will. Ja, ich darf reisen. Ja, ich darf mir die Haare bunt färben. Aber abgesehen davon, wie wenig das zu bedeuten hat: Wie kommen Regierungen, Verwaltungen und selbsternannte Hüter des Status quo dazu, mir Frieden und Freiheit gewähren zu wollen? Ich bin frei, ich bin friedlich. So wurde ich geboren. Jene, die mit physischer oder psychischer Gewalt darauf reagieren, die mich einschränken, regulieren, zurechtbiegen und unter Druck zu setzen versuchen, verstärken lediglich den Drang, sich dieser Tatsache nicht nur innerlich bewusst zu werden, sondern sie auch äußerlich manifestieren zu wollen.

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