2021-04-02

Brandmeldestudienbescheinigung: Wider den Expertenwahn (2)

(Teil 1 lesen: Jesus Christus von der Theologischen Fakultät)

Die 30er sind lange vorbei

Die westlichen Demokratien, die von Anfang an als leere Hüllen zur Maskierung der Plutokratiekonzipiert waren, stehen nun am Rande der erklärten Diktatur. Das sind natürlich keine Neuigkeiten. Die Moderne befand sich schon mehrmals an diesem Punkt, denn dies ist das Ergebnis der zivilisierten Lebensweise mit ihren Hierarchien und der arbeitsteiligen Wirtschaft, ihrem überabstrahierten Denken und empathiefeindlichen an starren Regeln ausgerichteten Handeln. Schuld an derartigen Entwicklungen sind also weder Kapitalismus noch machtgierige Politiker, weder die tumben Massen noch gierige Eliten, obwohl all das für den konkreten Verlauf unserer Zeitgeschichte eine Rolle spielte. In meinem Buch Mach was!? (siehe Artikel „Dritte Auflage“) schrieb ich, dass der Kapitalismus „nur der jüngste Spross einer zehntausend Jahre alten Dynastie dummer, hässlicher, buckliger, kurzsichtiger Gesellschaftsformen ist.“ Falls du nicht mit meiner Argumentationslinie vertraut bist, empfehle ich die Lektüre irgendeines Derrick-Jensen-Buchs, bevorzugt, Endgame, oder Charles Eisensteins hier im Blog häufig erwähntes Werk Die Renaissance der Menschheit. Oder versuche es mit einem meiner älteren Aufsätze über Zivilisation. Wenn man die Mechanismen versteht, die sie antreiben – und sie ist tatsächlich eine Maschine – oder wenn man wenigstens historische Präzedenzfälle vergleicht, kann man Tendenzen in der Abfolge von Augenblicken erkennen, die zu unserer Gegenwart führen. Und der Eindruck, den viele bekommen, ist, dass es eine Ähnlichkeit zwischen unserer Zeit und einem der jüngeren düsteren Kapitel der Weltgeschichte gibt. Wenn man jedoch versucht, diese bedenkliche Entwicklung zu thematisieren, stößt man schnell auf Schwierigkeiten.

Zunächst einmal ist der Vergleich mit den 1930ern und 40ern schon so oft gezogen worden, dass er von den Meisten nicht mehr ernst genommen wird. Erinnere dich an hitzige Diskussionen, und daran, nach wie kurzer Zeit bereits Nazivergleiche eingeworfen wurden. Wie viele „neue Hitler“ haben wir auf dem Titelblatt von Time, Spiegel und ähnlichen Publikationen gesehen? Spontan fallen mir da Saddam Hussein oder Milosevic ein. Wenn man bei jedem lauen Lüftchen Sturmwarnung ausgibt, hört niemand mehr hin, wenn tatsächlich mal ein Sturm anrauscht.

Zweitens haben die meisten heute lebenden Menschen des „freien Westens“ noch nie einen Krieg erlebt und kennen die Diktatur nicht. Das Dritte Reich und sein totaler Krieg liegen sechsundsiebzig Jahre in der Vergangenheit. Ostdeutsche dagegen erkennen wesentlich häufiger die Zeichen autoritärer bzw. totalitärer Strukturen, weil der Fall der Mauer erst einunddreißig Jahre zuürckliegt. Mangel an Erfahrung sorgt dafür, dass die Menschen arglos gegenüber den Mechanismen der Macht und dem Technikmissbrauch durch psychisch gestörte Charaktere in der Regierung bleiben, häufig bis es zu spät ist. Sie nehmen das Gerede von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie für bare Münze, ohne damit zu rechnen, dass „es“ jederzeit und überall wieder geschehen kann.

Drittens war die antifaschistische Indoktrination nach dem Zweiten Weltkrieg besonders in Deutschland und Österreich ein so durchschlagender Erfolg, dass auf jeder Frühstücksflockenpackung vor nationalsozialistischem Faschismus, Hakenkreuzen und Antisemitismus gewarnt wird. Nun gut, ich überspitze das Geschehen – aber nur leicht. Ganz und gar nicht überspitzt ist die Beobachtung, dass seriöse Warnungen vor einem Wiedererstarken des Totalitarismus in der Regel die Erwiderung bekommen: „Das ist doch lächerlich. Wir leben nicht mehr in den Dreißigern, sondern in einer gefestigten Demokratie. Man kann das nicht mit damals vergleichen.“

Alexandre-Gabriel Decamps -- Experts (Entwurf)

Zulässige Vergleiche

Natürlich sind sie Dreißiger Geschichte. Und natürlich müssen wir vergleichen: Äpfel mit Äpfeln, aber auch Äpfel mit Birnen, um herauszufinden, inwiefern diese sich unterscheiden bzw. gleichen. Was zunächst wie eine Birne aussehen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung womöglich als neue Apfelvariante. Wie sollten wir dies ohne Vergleich feststellen können? Darf man also die Berliner Republik der 2020er – manche nennen sie Demokratur – mit dem Faschismus der 30er und 40er Jahre vergleichen? Siehe die Apfel-Metapher: Wir müssen wissen, wie demokratische unsere Gesellschaften tatsächlich sind bzw. inwieweit wir einem Etikettenschwindel aufsitzen. Wenn wir nach Tendenzen zu einer neuen Diktatur Ausschau halten, werden deren Anzeichen wohl kaum Bürstenbärtchen, SS-Runen oder Hakenkreuzfahnen sein. Vergleiche mit der Vergangenheit müssen über konkrete Formen hinausgehen. Und um der Klarheit willen würde ich auf das Wort Faschismus verzichten, denn dieser kam auch damals schon in sehr diversem Gewand daher, je nachdem, ob man über Spanien, die USA, Italien oder Deutschland spricht. Es gibt jedoch Ähnlichkeiten bei der Beseitigung der Vorgänger-Regime, wenn totalitäre Strukturen ihre Macht etablierten. Ein Blick darauf – gerne auch zwei –, wie das üblicherweise vor sich geht, lohnt die Mühe.

Mein Misstrauen gegen das Corona-Regime entzündete sich gleich zu Beginn an Ausgangssperren („Lockdowns“), Maulkorbzwang („Alltagsmasken“) und Versammlungsverboten („Social Distancing“). Als staatlich examinierter Altenpfleger bin ich mit der Nutzlosigkeit solcher „Maßnahmen“ vertraut und kenne ihre gesundheitsschädlichen Wirkungen. Dass mein Wissen, das nun wirklich zum Standardrepertoire heilender bzw. pflegender Berufe gehört, überhaupt keinen Niederschlag in den Leitmedien gefunden hat, sondern im Gegenteil zu Unsinn umdeklariert wurde, während gleichzeitig sämtliche alternative Heilungsmethoden aus der Presselandschaft verschwanden, sowie die Diffamierung von Kritikern als „Aluhutträger“, „Reichsbürger“, „Covidioten“ usw. machten in kürzester Zeit unmissverständlich klar, dass es bei der sogenannten Pandemie am allerwenigsten um Gesundheit ging. Die Verkehrtheit der „Maßnahmen“ führte mich zu einem weiteren Grund, weshalb ich dem offiziellen Narrativ misstraue: die strukturelle, physische und psychische Gewalt, die mit ihnen ausgeübt wird. Wo Gewalt herrscht, da sind Lügen zu ihrer Rechtfertigung nicht weit. Und wo Lügen in Umlauf gesetzt werden, folgt Gewalt zu ihrer Durchsetzung als neue Realität auf den Fuß. Wenn man einmal den Zusammenhang zwischen Lügen und Gewalt begriffen hat, braucht es bloß geringster Aufmerksmkeit, die Anwesenheit der einen aus der Präsenz der anderen zu erschließen. Im März 2020 waren beide offensichtlich zugegen.

Während ich dies schreibe, macht Vera Sharav, eine Gesundheitsaktivistin und Holocaust-Überlebende ihre Aussage vor dem Corona-Untersuchungsausschuss. Ihr Vergleich zwischen dem Corona-Regime und der Schreckensherrschaft des Dritten Reiches enthüllt eine ebenso lange wie erschreckende Liste an Parallelen:

  • vorgeschriebenes Tragen von Zeichen zur Unterscheidung von Menschengruppen (Armbinde / Gesichtsmaske);

  • Trennung der Menschengruppen entsprechend ihrer Zeichen und Einschränkung ihrer Lebensweise;

  • Sondergesetze regeln das Leben der „Infizierten“;

  • Versammlungsverbote;

  • Reiseverbote für „Gefährder“, Ausweichen und Flucht wird unmöglich gemacht;

  • Gesundheitsdiktatur unter dem Vorwand von „Rassenhygiene“ / „Viruseindämmung“;

  • moralische Normen aufgehoben;

  • enge Vernetzung von Medizin, Wissenschaft, Industrie, Politik und Militär;

  • Zerstörung des sozialen Gewissens im Namen der Volksgesundheit;

  • Angriffe auf Individuen und ganze gesellschaftliche Klassen werden zur Regel;

  • totale Pervertierung der Medizinberufe einschließlich aller ihrer Institutionen;

  • Politik der Eugenik beendet das Selbstverständnis des Mediziners als Diener des Patienten;

  • Zwänge des Gesundheitswesens verletzen Bürger- und Menschenrechte;

  • kriminelle Methoden zur Durchsetzung von Politik;

  • Schüren von Angst vor Infektionskrankheiten, um deren angebliche Verbreiter / Spreader als Gefahr für die allgemeine Gesundheit zu dämonisieren;

  • Furcht und Propaganda zur Errichtung eines Völkermordregimes;

  • Regierungsverordnungen und medizinische Eingriffe untergraben die Menschenwürde und die Freiheit;

  • Behandlung“ und „Ausmerzung“ folgen methodisch genau strengsten Protokollen;

  • Experimente mit giftigen und tödlichen Substanzen an unwissenden oder nicht einverstandenen Personen;

  • Totalüberwachung für die „Gesundheit“;

  • ein neuer Jargon verschleiert die begangenen Verbrechen.

Dies sind lediglich einige wenige Parallelen – diejenigen, die Sharav erwähnte; andere wie das Außerkraftsetzen der Verfassung, Verordnungsregime, Auflösung der Gewaltenteilung, das Fehlen einer nennenswerten Opposition, die Zersplitterung der Gesellschaft und der Verlust des sozialen Zusammenhalts, Massenhysterie, Rufmord an Kritikern, Militarisierung der Polizei, unprovozierte Polizeibrutalität, die vollständige Gleichschaltung aller gesellschaftlicher Institutionen, Pressezensur usw. usf. könnte man anfügen.

Kennzeichen für Schutzhäftlinge in KZs


Die deutsche Krankheit

Einen weiteren schönen Vergleich liefert uns der in Deutschland lebende Amerikaner CJ Hopkins in Form einer Satire, die im November 2020 vielfach abgedruckt und beachtet worden ist. Er schreibt über Erlebnisse in seiner Wahlheimat, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ähnliches weltweit in jeweils anderen nationalen Schattierungen beobachtet werden konnte bzw. kann: der koordinierte Angriff auf Menschenrechte, Bürgerrechte und – nicht zuletzt – Menschenwürde in globalem Ausmaß:

Drehen Sie den Wagner voll auf, meine Lieben … die Deutschen, sie sind wieder da! Nee, nicht die lieben, fluffigen, sanften, friedlichen Nachkriegsdeutschen … die Deutschen! Sie wissen schon, welche ich meine. Die „ich hatte ja keine Ahnung, wohin die Züge fuhren“-Deutschen. Die „ich hab nur gemacht, was man mir befohlen hat“-Deutschen. Die anderen Deutschen. Ja … diese Deutschen. [...]
Nur ist es Anbetracht ihrer nicht allzu weit zurückliegenden Geschichte ziemlich deprimierend und mehr als nur ein bisschen beängstigend, zuzusehen, wie sich Deutschland wieder in einen totalitären Staat verwandelt, in dem die Polizei die Maskenlosen auf den Straßen jagt und Restaurants, Bars und Wohnungen durchsucht; einen Staat, in dem kleine deutsche Gutbürger im Stechschritt an den Schaufenstern der Yogastudios vorbeimarschieren und prüfen, ob dort womöglich gegen „Regeln des Social Distancing“ verstoßen wird; einen Staat, in dem ich nicht spazieren gehen oder Lebensmittel einkaufen kann, ohne von feindselig starrenden Deutschen umringt zu werden, die mich wutentbrannt beschimpfen, weil ich keine Maske trage und auch im Übrigen nicht hirnlos Befehlen gehorche, und die mich wie Roboter mahnen: „Es ist Pflicht! Es ist Pflicht!“

Hopkins folgert:

Leider hört so etwas, wenn es einmal angefangen hat und das Stadium erreicht hat, in dem wir uns gerade befinden, in den meisten Fällen nicht mehr auf. Nicht, bevor Städte in Ruinen liegen oder Felder mit menschlichen Schädeln übersät sind. Es kann zehn oder zwölf Jahre dauern, bis wir dort sind, aber täuschen Sie sich nicht, darauf steuern wir zu, darauf steuert Totalitarismus immer zu … Und wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie einfach die Deutschen.

-- CJ Hopkins: Die Deutsche Krankheit, in: Rubikon, 5.12.2020

In Anbetracht der bemerkenswerten Parallelen muss man sich wundern, weshalb all das erneut geschieht. In wessen Interesse ist das milliardenfache Leid? Was will man damit erreichen? Im Moment kann man lediglich spekulieren. Wenn du Sharavs Aussage länger als zwanzig Minuten angeschaut hast, wirst du gehört haben, dass sie die Ähnlichkeit mit den Dreißigern und Vierzigern des zwanzigsten Jahrhunderts keineswegs als Zufall erachtet. Ihre Recherchen führten sie zu der Ansicht, dass dieselbe Gruppe von Leuten, die auch damals bereits aktiv war, nun nach der globalen Macht greift und mit Mitteln der Eugenik eine Bevölkerungsreduzierung erreichen will – anders ausgedrückt: Sie beendet den Job, den Hitler versiebt hat, nämlich die Schaffung einer übermenschlichen Rasse. Das kommt mir nicht sonderlich weit hergeholt vor. Wenn es nach Ratte aussieht, sich wie eine Ratte bewegt und wie eine Ratte riecht, was wird es dann sein? Nun, ich habe da natürlich so meine Theorien, aber muss auch offen gestehen, dass ich zu wenig weiß, um sichere Aussagen zu treffen. Antworten scheinen manchmal offensichtlich, manchmal sind sie es wiederum nicht. Die Frage des Warum müssen wir uns für später aufheben, wenn „Ein neues Nürnberg” die Pandemie aufarbeitet.

Ich bleibe bei den Fakten und stimme einem ehemaligen Richter zu, der sagte, dass die Polizei, wenn er sie anruft, weil er eine Straftat beobachtet, nicht nach den Motivationen und Gründen der Täter fragt; sie eilt einfach erwartungsgemäß herbei. Bei einem medizinischen Notfall wird der Sanitätswagen schnellstmöglich vorfahren, ohne dass man zuvor detaillierte Diagnosen oder physiologische Ursachen durchgeben muss. Und wenn dein Haus brennt, wird die Feuerwehr herbeirasen, ohne zuvor notariell beglaubigte Nachweise für die Existenz des Feuers oder forensische Untersuchungsergebnisse über dessen Ursache zu verlangen.

Es sind tatsächlich Verbrecher am Ruder. Unsere Gesellschaften befinden sich tatsächlich im Endstadium zur Diktatur. Unser gemeinsames Haus brennt tatsächlich. Das festzustellen braucht es kein zwölfsemestriges Studium in Kollapsologie. Und ich erwarte von jenen, die noch immer den Schneid und die Stärke besitzen (könnten), sich dem entschieden entgegenzustemmen, endlich in die Stiefel zu kommen und den Kampf gegen Was-immer-uns-da-befallen-hat – oder besser: für eine schönere Welt – aufzunehmen. Ich werde nicht warten, bis eine größere Zahl von Menschen in Lagern verschwindet, was es offiziell zulässig erscheinen lassen mag, ein Viertes Reich mit dem Dritten zu vergleichen. Es ist definitiv zu spät für Vergleiche, wenn man die selbsternannten Eliten ihren seit langem herbeigeredeten Krieg gegen Russland, Iran und China führen lässt. Eine Warnung ist eine Warnung, weil sie vor dem Ereignis abgegeben wird. Ich kann mich ja mit meiner Einschätzung täuschen, wünsche mir aber, dass alle, die wie ich ein komisches Gefühl in der Magengrube bemerken, dieses ernst zu nehmen.


2021-03-23

Jesus Christus von der Theologischen Fakultät: Wider den Expertenwahn (1)

In meinem Blog Ein neues Nürnberg habe ich angemerkt, dass ich mit den Menschen durch bin – naja, in dem Maße, in dem sich ein soziales Wesen tatsächlich von seinen Mitmenschen distanzieren kann. Es hat ganz klar seine Grenzen und ist traurig und dumm genug, aber das ist mein Gefühl in diesen Zeiten. Wenn sich die Zeiten ändern, ändert sich wohl auch die Stimmung.

Ähnliches gilt für die Wissenschaft. Ich bin fertig mit ihr, in dem Maße, in dem ein lebendes, intelligentes, neugieriges Wesen sich tatsächlich von seiner eigenen Wahrnehmung trennen kann. Denn wenn ich sage: "Ich bin fertig mit der Wissenschaft", dann will ich damit nicht sagen, dass ich nicht mehr neugierig das Verhalten der Wildtiere um mich herum verfolge, oder dass mich der Nachthimmel nicht mehr fasziniert, oder dass merkwürdige Ansichten, die ich von anderen Menschen und den Medien aufgeschnappt habe, nicht mehr mein Interesse wecken. Wenn ich sage, dass ich mit der Wissenschaft fertig bin, dann meine ich damit, dass ich genug habe von der Institution der Wissenschaft – dem Akademikertum – und seinen sinnlosen Entdeckungen, von denen schon meine Großmutter wusste, ohne dass sie Millionen für Gutachten ausgegeben hat, oder die oft keinerlei Bezug zu meinem Leben haben. Ich bin definitiv fertig mit dem Szientismus – der Volksreligion mit ihren Sprüchen wie: "die Wissenschaft hat festgestellt", "Die Experten haben gesprochen", "Es steht in einem Buch", und "Ich habe einen Doktortitel, was hast du?"

Ich bin fertig mit den Menschen, weil sie bis zum Wahnsinn zivilisiert sind, und ich bin fertig mit der Wissenschaft als dem arroganten Ausdruck dieses Wahnsinns. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo Menschen die Fakten, die sie von irgendeinem Medium aufgeschnappt haben, dazu benutzen, andere in die Unterwerfung zu zwingen, also ganz eindeutig nicht mehr neugierig und offen sind. Und das sehe ich als ein Problem. Denn Seifenpolizei, Skeptiker-Bewegung, Antifa, Woke-Szene und Cancel Culture, in denen der Wahn u.a. kondensiert, gefährden massiv das Miteinander in der ohnehin schwer fragmentierten Gesellschaft.

Wissenschaft ist...

Wissenschaft ist nicht das Wissen als solches. Wissenschaft ist der Prozess, durch den man verstehen lernt, wie die Welt funktioniert, Wissenschaft ist das Resultat von Neugier, und Neugier ist eine Form von Offenheit. Solange das gesammelte Wissen im Rahmen des Gesamtverständnisses einer Kultur einen Sinn ergibt, webt die Wissenschaft deren kosmologisch-weltanschaulichen Teppich. Auf diese Weise schafft auch unsere Kultur ihre Mythen. Das Wort "Mythen" bedeutet nicht "Fiktion" oder "Märchen", sondern ist ein anderes Wort für die Geschichten, die uns helfen, dem Universum und unserem Platz darin einen Sinn zu geben. Verschiedene Völker haben verschiedene Geschichten; keine von ihnen ist wahrer als die einer anderen Kultur, aber jede von ihnen ergibt für das jeweilige Volk innerhalb seines Rahmens aus Lebensraum, Kultur, Denkmustern, Sprache und Wahrnehmung perfekt Sinn.

In einer wirklich freien und partizipatorischen Gruppe von Menschen hilft jeder Einzelne mit, die Mythen des Volkes zu erschaffen, und interessanterweise scheinen die daraus resultierenden Geschichten umso länger zu halten, je weniger physische Technologie die Menschen in ihrem täglichen Leben anwenden - oft viele Hunderte, manchmal Tausende von Jahren. Hingegen lösen "wissenschaftliche Revolutionen" einander innerhalb von Jahrzehnten ab und lassen frühere wissenschaftliche "Erkenntnisse" veraltet oder sogar falsch erscheinen. Es ist nicht so schwer zu erkennen, dass auch unsere gegenwärtigen wissenschaftlichen Ansichten im Grunde nur vorübergehender Natur sind. Die Vorstellung, dass "Krankheiten" durch "Keime" "verursacht" werden und dass "Heilung" durch das Abtöten dieser Keime zustande kommt, wird beispielsweise zu den nächsten Gewissheiten gehören, die den Abfluss der Zeit hinuntergehen. Ivan Illich (Die Nemesis der Medizin; siehe meinen Blog-Beitrag "Medical Nemesis: compulsory survival in a planned and engineered Hell") hat einige der historischen Etappen nachgezeichnet, die zu unserem heutigen Verständnis von "Gesundheit" geführt haben, und vor den Folgen gewarnt, wenn wir diesen Weg weiterverfolgen. Charles Eisenstein hat in seinem Buch Die Renaissance der Menschheit (siehe meinen Blogbeitrag "Charles Eisenstein - The Ascent of Humanity") eine Reihe von Bereichen beschrieben, die auf den richtigen Augenblick warten, um den Übergang zu einer neuen Art von Wissenschaft zu vollziehen.

Was mich an der Sache am meisten interessiert, ist nicht so sehr, worauf die zukünftige Wissenschaft basieren wird, welche Art von Wissen sie offenbaren wird, oder welche neuen Technologien aus einer neuen Wissenschaft resultieren werden. Das sind eher müßige Fragen, denke ich, nett für eine Diskussion mit Freunden in einer langen Nacht des Gedankenspiels. Die dringendere Frage ist für mich, wie ich heute in einer Gesellschaft von Experten-Groupies ein einfaches Leben führen kann, ein Leben, das frei ist von Tech-Gurus, unnötigen Komplikationen und auf den Kopf gestellter oder kryptischer Sprache; ein Leben, in dem ich aus eigener Kraft Dinge wahrnehme, Wahrgenommenes erkenne, Erkanntes verarbeite, Verarbeitetes definiere und Definitionen in Handlungen umsetze, so dass die Welt für mich ebenso Sinn ergibt wie meine Existenz in ihr.

Sapere Aude!

Der Ausgangspunkt für diese Herausforderung ist natürlich der Mut - die Kühnheit, selbst zu forschen, der Mut, selbst nachzuschauen, die Tapferkeit, selbst Schlussfolgerungen zu ziehen.

Immanuel Kant, ca. 1790

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude [wage es verständig zu sein]! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?: Berlinische Monatsschrift, 1784,2, S. 481–494


Die Sprache mag ein wenig veraltet klingen – offenkundig auch identitätspolitisch inkorrekt –, aber die Botschaft ist dennoch klar. Wer sind also die Leute, die dich niedermachen, wenn du deine eigenen Erkenntnisse präsentierst, die nach deiner Legitimation fragen, wenn du zu deinen eigenen Schlussfolgerungen kommst, und die versuchen, dich daran zu hindern, nach deinen eigenen Erkenntnissen zu leben? Logischerweise und erfahrungsgemäß sind das die devoten Diener des Etablierten, die Jünger der Religion des Szientismus, die unaufgeklärten Anbeter des fettarschigen Experten-Gurus. Damit wir uns hier nicht missverstehen: Ich wettere keineswegs gegen Leute, die nach sorgfältiger Recherche zu gleichen oder ähnlichen Ergebnissen kommen, wie die sogenannten Experten, und ich verunglimpfe auch nicht diejenigen, die sich besonders tief in eine Materie eingearbeitet haben, indem sie offizielle akademische Mittel zu ihrer Untersuchung benutzt haben. Es geht mir um die Selbstermächtigung zu freiem Denken, den Mut, sich aus der geistigen Bevormundung zu erheben, wenn man es will oder muss – und die Tatsache, dass man grundsätzlich in der Lage ist, dies zu erreichen. Es ist für einen gewöhnlichen Menschen absolut möglich, sich wieder mit seinen angeborenen Fähigkeiten zur Orientierung in der natürlichen Welt zu verbinden und im Zusammenspiel mit der eigenen Gemeinschaft sinnstiftende Mythen oder Geschichten zu erzählen. Es liegt auch durchaus im Rahmen unserer Fähigkeiten, die Funktionsweise der menschlichen Welt zu durchschauen, die Schleier des Expertenjargons zu zerreißen und die Zahnräder und Hebel, die unsere Gesellschaft und ihre Teilbereiche treiben, auseinanderzunehmen und neu zu ordnen.

Ist das tatsächlich möglich? Nun, ich könnte auch fragen: Haben die Fugger BWL studiert? Hat Schiller an Lehrgängen zu kreativem Schreiben teilgenommen? Waren die Brüder Wright Professoren für Luftfahrtingenieurwesen? War Goethe Professor für alles? War George Washington Politologe? Hat Jesus Theologie studiert? Buddha Religionswissenschaften? Howard Carter Archäologie? Wann waren je Experten am Werk, wenn große Sprünge vollbracht wurden?

Juristische Implikationen

Seit letztem Jahr hat sich eine Redensart eingebürgert, derzufolge jeder ein Experte für Recht und Medizin geworden ist. Einige der Redner wollen damit die Fähigkeit von Nichtfachleuten, den Wust an dazugehörigem Wissen durchschauen zu können, lächerlich machen; andere benutzen den Spruch in seiner wörtlichen Bedeutung: Wir haben gelernt, manche Dinge gründlich zu verstehen, weil wir es mussten. Und nur so kann eine aufgeklärte, demokratische, weise, anarchische oder akephale Gesellschaft funktionieren: indem wir uns in die Materie vertiefen und den gesunden Menschenverstand einsetzen.

Als Staatsbürger beispielsweise ist man Souverän und trägt daher Verantwortung für die Vorgänge im Land. Wie will man das tun, wenn man sie grundsätzlich nicht verstehen kann oder zumindest zu verstehen versucht? Man könnte noch nicht einmal die richtigen Personen in entsprechende Positionen wählen, denn woher wollte man wissen, ob sie ausreichende Kompetenzen besitzen?

Und was das Recht betrifft: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Man kommt also kaum umhin, Verfassung, Gesetze, Verordnungen und Gerichtsentscheidungen zu verstehen. Wenn das für den Normalbürger grundsätzlich unmöglich wäre, lebten wir in einem Willkürstaat, der uns statt Begründungen für sein Handeln mit Fachchinesisch bewirft und von uns fordert, Verantwortung für Taten zu übernehmen, über deren Legalität wir keinen blassen Dunst haben.

Aus all dem ergibt sich die Ablehnung des Expertenkults. Wer sich seines Verstandes nicht bedient, ist weder ein mündiger Mensch noch ein mündiger Staatsbürger und damit kein Souverän. Er lässt sich von anderen vorschreiben, was er wie zu sehen hat – im besten Fall. Im schlechteren Fall kümmert er sich gar nicht um die Dinge, die ihn betreffen, sondern überlässt sie völlig den Experten. Dumme Menschen sind die besten Mitläufer. Da stellt sich das Problem, dass Expertentum und Szientismus mit Universalismus einhergehen, dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit des eigenen Standpunktes, und dass Universalismus unausweichlich in der Forderung resultiert, dass alle im Gleichschritt marschieren müssen. Die Bestrafung Andersdenkender, die Folterung von Ketzern und der Krieg gegen das Andere lauern da natürlich gleich um die Ecke. Wie mir scheint, haben wir jene Ecke soeben erreicht...

(Teil 2 des Essays lesen: Brandmeldestudienbescheinigung)

2021-03-16

Die juristische Demontage des Corona-Hypes II

Nach der Weimarer Entscheidung verpasst ein Urteil des Amtsgerichts Ludwigsburg dem Corona-Regime – diesmal der Regierung Baden-Württembergs – eine weitere schallende Ohrfeige für seine verfassungswidrigen Aktivitäten. Diverse Entscheidungen der Verwaltungsgerichte bisher ließen befürchten, dass auch die judikative Gewalt korrumpiert ist, aber es gibt anscheinend doch noch Richter, die sich der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet fühlen. Je mehr solcher Urteile sich ansammeln, desto deutlicher sollte auch dem Laien werden, dass spätestens seit Beginn des ersten Lockdowns etwas überhaupt nicht stimmt. Ich möchte anhand von Kernpunkten des Ludwigsburger Urteils aufzeigen, wie weit das geht. (Der besseren Lesbarkeit für den Laien wegen habe ich leichte Veränderungen vorgenommen, die durch eckige Klammern gekennzeichnet sind.) Der Volltext des Urteils für die eigene Analyse findet man hier (AG Ludwigsburg, Urteil vom 29.01.2021 - 7 OWi 170 Js 112950/20).

Amtsgericht Ludwigsburg, Foto: Wikipedia, Stefan Frerichs, CC-BY-SA-2.0-DE
 

Ludwigsburg sagt, dass das Infektionsschutzgesetz mit seinen generellen Regelungen keine Ermächtigungsgrundlage sei, daher sei die Corona-Verordnung (die sich auf dieses Gesetz beruft) verfassungswidrig:

„bei Eingriffen in besonders sensible Grundrechtssphären wie dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht sind besondere Vorkehrungen zu dessen Schutz zu treffen; dazu kommen Kontroll- und Evaluationsmöglichkeiten, Berichtspflichten oder Kontrollen durch unabhängige Stellen [...] Vor diesem Hintergrund können die deutlich weitergehenden Eingriffe der CoronaVO [=Corona-Verordnung] Baden-Württemberg auf die infektionsschutzrechtliche Generalklausel, die sämtliche oben genannten Anforderungen nicht erfüllt, nicht gestützt werden, sodass § 3 CoronaVO schon aus diesem Grund verfassungswidrig ist. ”

Wegen des Umfangs und der Dauer der Maßnahmen verstoßen diese gegen den Parlamentsvorbehalt:

„wird [...] das gesellschaftliche Leben in grundrechtssensibelsten Bereichen im Ganzen wie hier durch die CoronaVO auf nicht vorhersehbare Dauer beschränkt, bedarf es des förmlichen Verfahrens parlamentarischer Gesetzgebung. Dieser aus Rechtsstaatsprinzip und Demokratiegebot abgeleitete Parlamentsvorbehalt verpflichtet den Gesetzgeber [=Parlament], die [entsprechenden] Regelungen im Wesentlichen selbst zu treffen und diese nicht dem Handeln und der Entscheidungsmacht der Exekutive [=Regierung] zu überlassen”
„[Es] besteht [...] Einigkeit, dass es [...] um Grundrechtseingriffe geht, die ‘nach Intensität, Reichweite und zeitlicher Dauer mittlerweile ohne Beispiel sein dürften.’
Vor diesem Hintergrund [...] kann das Aufenthaltsverbot [...], das zumindest indirekt auch Auswirkungen auf andere Grundrechte [...] hat, nicht durch Rechtsverordnung geregelt werden sondern ist eine so wesentliche (Abwägungs-) entscheidung, dass sie vom parlamentarischen Gesetzgeber zu treffen ist.”

Die Regierung hat durch ihre Corona-Verordnung ihren Gestaltungsspielraum überschritten. Ob das Recht auf Gesundheit oder Freiheit höheren Rang genießt, darf sie nicht entscheiden.

„Aufgabe der Exekutive [=Regierung] ist die verhältnismäßige Einzelfallentscheidung, [...] nicht die originäre Entscheidung darüber, welche Grundrechte zurückstehen und welche Vorrang haben.”
„Auch die Frage, welche Teilbereiche des öffentlichen Lebens nach einem sog. "Lockdown" zuerst wieder stattfinden und wie dies ausgestaltet ist und welche einstweilen noch zurückstehen müssen, ist nicht (allein) infektionsschutzrechtlich zu beantworten und geht über die Ermächtigung des Verordnungsgebers [=Regierung] damit klar hinaus”
„[Es wird klar] evident, dass der Verordnungsgeber umfassende Erwägungen aller möglichen Art angestellt hat, die nicht infektionsschutzrechtlich begründet sind.“
Auch damit überschreitet die Regierung ihre Kompetenzen und Gestaltungsspielräume sehr weit und die Verordnung ist aufgrund dessen verfassungswidrig.

Die Regierung verstößt des weiteren gegen den Bestimmtheitsgrundsatz, d.h. die betroffenen Personengruppen und Orte sind in der Verordnung nicht näher bestimmt, sondern diese soll (rechtswidrig) flächendeckend gelten:

„Mit den Grundsätzen der Gefahrenabwehr (s.o.) hat dies jedoch nichts mehr gemein. Gefahrenprognose und Adressatenauswahl werden derart pauschaliert, dass die Inanspruchnahme eines konkreten Störers zur Bekämpfung einer konkreten Infektionsgefahr an einem abgrenzbaren Ort gänzlich zu Gunsten einer allgemeingültigen und vollkommen abstrakten Einschätzung aufgegeben werden”

Hier wird also der Willkür Tür und Tor geöffnet. Hinzu kommt: Kaum jemand kann durch die in schneller Folge sich ändernden Verordnungen noch erkennen, was überhaupt geltendes Recht sein soll.

„Die CoronaVO wurde seit dem Ersterlass der Verordnung vom 16.3.2020 bis zum Erlass der Nachfolgeverordnung vom 9.5.2020 allein acht Mal und das überwiegend im nicht einmal wöchentlichen Rhythmus […] teils gravierend verändert. Besagte Nachfolgeverordnung […] wurde ihrerseits vier Mal geändert […], bevor die CoronaVO vom 23.6.20 erlassen wurde. Diese wurde bis zum Erlass der CoronaVO vom 30.11.20 ebenfalls sechs Mal geändert ... Auch die CoronaVO vom 30.11.20 befindet sich Stand heute [29.1.2021] schon in ihrer vierten Fassung“

Also 22 Änderungen in zehn Monaten!

„Ausführungen zur Verlässlichkeit des Rechts erübrigen sich vor diesem Hintergrund, zumal die Änderungen teils gravierender Natur waren (Öffnung und Schließung verschiedenster Geschäfte, der Schulen, Aufenthaltsverbote, Ausgangssperren, Maskenpflichten, um nur einige Gebiete zu nennen). Wohl aus diesem Grund war nicht nur seitens der Polizeigewerkschaft, sondern auch seitens der geladenen Zeugen […] zu hören, dass teilweise nicht genau bekannt war, was zum jeweiligen Verstoßzeitpunkt erlaubt war und was verboten“

Hinzu komme, dass die Verordnung in einigen wesentlichen Punkten so unbestimmt formuliert sei, dass ihre Anwendung quasi beliebig wird. Der „Aufenthalt“ im „öffentlichen Raum“ für nur eine begrenzte Personenzahl beispielsweise lässt sich nicht verwirklichen, da dieser in seiner Gesamtheit zu jeder Zeit unzählige Personen enthält. Die Verordnung versäumt es, zeitliche und räumliche Einschränkungen ihrer Gültigkeit zu definieren.

Die schiere Anzahl der regierungsseitigen Verstöße gegen Mitmenschlichkeit, Recht und gute Sitte sowie das schiere Ausmaß der Folgen für die Bevölkerung sollten zu denken geben. Ich kann nur davor warnen dieser oder irgendeiner anderen Instanz zu vertrauen, die sich in ihren „Maßnahmen“ und Empfehlungen auf das offizielle Narrativ stützt. Diese Leute vergehen sich massivst gegen Grund- und Menschenrechte, gegen den Gemeinsinn und die Menschenwürde und schaden nicht zuletzt eben jener „Gesundheit“, auf die sie sich für ihr Handeln berufen.

Aus Sicht meiner Zivilisationskritik ist die Entwicklung nicht überraschend. Inflationärer Machtmissbrauch wie auch andere dekadente Erscheinungsformen sind beim Zusammenbruch von Zivilisationen eine historische Konstante und daher auch in unserer gegenwärtigen Kollapsphase zu erwarten gewesen. Ich bin kein Freund der repräsentativen Demokratie, sondern der Akephalie – die sich seit Entstehen der Menschheit bewährt hat, weil sie dem Einzelnen maximale Freiheit und Mitbestimmung gewährt, ohne die Gemeinschaft zu gefährden – aber ich halte es dennoch nicht für eine gute Idee, die schwer erkämpften Errungenschaften der Moderne einfach so Willkür und Tyrannei preiszugeben. Wenn wir uns von diesen Errungenschaften trennen, dann bitteschön in die Gegenrichtung: hin zu mehr Selbstverantwortung und größerer Partizipation am Gemeinwesen.

2021-02-10

Ein neues Nürnberg

Traumatische Erfahrungen

Ich war seit dem 15. März 2020 nicht mehr einkaufen, dem ersten Tag der Ausgangssperre in Indien. Lockdown heißt das im Neusprech – ausnahmsweise einmal ein treffender Ausdruck, denn es handelt sich um einen Fachterminus der Gefängnisverwaltung. Unser Planet, der größte Knast der Welt. Ich war ein Jahr lang nicht mehr beim Arzt, auch nicht beim Zahnarzt, obwohl dafür durchaus Anlass bestand. Ich gehe nicht mehr ins Kino, betrete kein Büro der Verwaltung mehr, keinen Kassenraum einer Bank. Ich reise nicht mehr, weder kurz noch lang, weder mit dem Taxi noch mit dem Zug oder gar dem völlig indiskutabel gewordenen Flugzeug. Ein Buchmanuskript liegt ungedruckt auf meiner Festplatte und setzt digitalen Staub an, weil mir die Stadt inzwischen Atemnot schon beim Gedanken an sie auslöst. Ich war – auf Einladung von Freunden – zum Mittagessen in einer winzigen Garküche, die keinen Wert auf spezifische Bekleidung legte; es wollte nicht recht schmecken. Ich habe zwar die Arbeit in der Bücherei wieder aufgenommen, hauptsächlich auf Drängen der Chefin, die versichert hat, ich müsse mich an keine Vorschriften halten, selbst wenn alle anderen es tun. Im Büro, für mich allein, habe ich Zeit, wieder etwas Luft zu schöpfen. Der Weg dorthin aber, ein paar Kilometer mit dem Rad, hauptsächlich auf Waldpfaden, ist eine Tortur. Nicht dass mich jemand wegen der fehlenden Maske anspräche, o nein. Das wäre mir auch gar nicht recht; ich ertrage den Anblick von Menschen nicht mehr und meide es, meinerseits gesehen zu werden. Ich und die Menschen, wir sind ein geschiedenes Paar.

Das hat eine vieljährige Vorgeschichte früher Traumatisierung, dem Kontakt mit korrupten Ortsbehörden, zerrüttetem Sozialwesen und boshaften persönlichen Versuchen der Existenzauslöschung; keine Begegnung hier im Dorf ist frei von Schwierigkeiten. Stetig schwebt das Damoklesschwert der Ausweisung über unseren Köpfen, der Wettstreit zweier Mafiaverbände, der indischen und der westlichen Seilschaften in ihrem Kampf um finanzielle Vorteile und Macht. Ich könnte natürlich versuchen, die positiven Seiten der Welt zu sehen. Warum ich es nicht positiver zu sehen versuche? Warum ich nicht anderswo neu anfange? Warum ich nicht... ? – Es fehlt mir inzwischen wohl der nötige Glaube, dass das Gras anderswo grüner ist. Wie gesagt, da gibt es eine lange Vorgeschichte, aber sie spielt für das, was ich zu sagen habe, auch keine Rolle. All wir Einzelfälle mit unseren menschlichen Problemen, unseren Vorlieben und Abneigungen, unseren Meinungen, Einsichten und Erkenntnissen: Über unsere Funktion als Konsumenten, Arbeitnehmer, Steuerzahler, Kanonenfutter hinaus spielen wir doch schon lange keine Rolle mehr in der Art, wie unsere Welt gesehen bzw. behandelt wird. Wir sind lediglich die Objekte von Erfassung und Kontrolle, generische Zugehörige statistisch erfassbarer Normgruppen. Ge-gender-t, risikoevaluiert, etikettiert, einsortiert, dirigiert, manipuliert, abserviert.

(Plakat veröffentlicht von der Stadt Berlin, bezahlt von Steuergeldern.)

Neue Barbarei

Corona setzt dem Ganzen lediglich – der Name sagt es schon – die Krone auf. Der Corona-Staat, kaum ein Intellektueller versäumt es zu erwähnen, spült endlich nach oben, was so lange unter die gesellschaftliche Oberfläche gedrückt war: allerhand toxischen Müll, Raubgut, nach Luft schnappende Terroropfer, angefressene Wasserleichen, Ängste und Traumata, verkorkste Biographien, gestohlene Träume, verlorene Daseinsmächtigkeit, abgedankte Freiheit. Hinzu kommen kodifiziertes Unrecht, strukturelle Gewalt und ein Berg an epistemischem Ballast, die unsere Gemeinwesen in unreformierbarer Starre festhalten. Ob ich über Deutschland, Indien oder von mir aus Mexiko schreibe, kann man in solchen Zusammenhängen kaum unterscheiden.

Viele Worte, die, kurz gesagt, erklären sollen, weshalb mir inzwischen das Vertrauen in die menschlichen Bindungsfähigkeit, das manifeste Sozialwesen und – ja, auch – in die spezifischen Individuen, die mich umgeben, entglitten ist. Mir ist die Lust vergangen, noch irgendjemand zu sehen, die Freude verloren, zu hören, was mit Diesem oder Jenem gerade los ist. Denke ich an die großen Namen unserer Zeit – Leute aus Musik, Philosophie, Politik, Wissenschaft etc. – dann ist mir lieber, sie halten den Schnabel, denn was da bei fast allen herauskommt, beleidigt den Verstand. Es bleibt ja nicht beim Aufruf zur Ächtung Andersdenkender und der Forderung nach härteren Maßnahmen gegen die „Leugner“, sondern jede noch-so-blöde sozialbarbarische Phantasie wird ohne große Skrupel baldigst umgesetzt… und die gesamte etablierte Medienlandschaft mit ihrer Lügen- und Lückenpresse, bietet der Hysterie auch noch eine Plattform. Betrachtet man die Berner Protestaktion “Schwarze Wahrheiten” vom 31.10.2020, so hat der Maßnahmenstaat in wenigen Wochen manch satirische Übertreibung per Dekret überholt. Und dann sind da noch die nicht-staatlichen ‚Maßnahmen’. Eine Freundin aus Berlin schreibt: 

“Vorgestern bin ich tatsächlich das erste mal in meinem Erwachsenenleben im Park von einem aggressiven aber dabei irgendwie auch berechnenden Mann körperlich angegriffen worden. Danach hab ich etwas herumgehorcht und tatsächlich ist es meiner Mitbewohnerin ganz ähnlich auch passiert. Die Freundin einer anderen Bekannten wurde in der U-Bahn geohrfeigt; eine andere wurde im Supermarkt wegen der Abstandsregeln angeschrien. Die Leute hier fangen langsam an durchzudrehen.“

Doppeldenk

Da ist ein archaisches, mit meiner Weltsicht inkompatibles Menschenbild am Werk: nicht autonome, daseinsmächtige, mit Würde ausgestattete, in liebende Gemeinschaften eingebettete Individuen gestalten selbstverantwortlich ihr Leben, sondern angstgetriebene, zu vernünftigen Entscheidungen unfähige Untertanen einer Regierung, die sie zu ihrem eigenen Besten am Gängelband halten muss, üben sich als selbsternannte Wächter des status quo in vorauseilendem Gehorsam. Reale Gefahren sind obskuren statistischen Risiken gewichen, die willkürlich festgelegten Gruppen anhaften, dein Nächster ist immer auch ein Dein-Leben-Gefährdender, Denunziation ist Bürgerpflicht, Kindergeburtstage werden als kriminelle Versammlungen aufgelöst. Wie schnell der Umschwung vor sich ging, ist allein schon erschreckend, denn für die aus dem Dritten Reich bekannten Phänomene galt ja bisher kategorisch: NIE WIEDER! Bereits Anfang Mai aber, sechs Wochen nach Beginn der Ausgangssperre, schrieb meine Mutter aus dem Schwarzwald: 

„Mein Physiotherapeut, der mit einem Polizisten befreundet ist, hat mir berichtet,  dass in [der Kreisstadt] jeden Tag 1000 Personen anrufen, um Freunde, Verwandte, Nachbarn und Bekannte zur Anzeige zu bringen – wegen Corona-Fehlverhalten!“

Freiheit und Menschenwürde sind in den Augen eines nicht geringen Teils der Bevölkerung keine unveräußerlichen Rechte mehr, sondern Privilegien, die man sich durch Anpassung verdienen muss – und sich so gleichzeitig ad absurdum führen. Damit befinden sich diese Werte in bester Gesellschaft mit weiteren Begriffen, die der Neusprech auf den Kopf gestellt hat und für den altmodischen Humanisten nur noch in Gänsefüßchen verwendbar sind: Haltungsjournalismus firmiert als „Berichterstattung“, Nazis kommen als "Antifa" daher, Misanthropen posieren als "Philanthropen", der „Verfassungsschutz“ spioniert Bürgerrechtler aus, unter "Solidarität" versteht man Zwangskonformität, „Entwicklungshilfe“ treibt ganze Kontinente in die Armut, "humanitäre Intervention" steht für Völkermord, Genmanipulation nennt sich nun "Impfung", gebärende Mütter mit Masken zu foltern gehört zur "Gesundheitsvorsorge", das Verordnungsregime gibt sich als "Demokratie" aus, Pöbelherrschaft geriert sich zur "Zivilcourage", der Mittelfinger wird zum "Zeigefinger"… So könnte ich noch stundenlang weitermachen und damit buchstäblich ein ganzes Wörterbuch füllen – das neoliberale Falschwörterbuch, von dem schon in früheren Artikeln die Rede war.

Wer sich an George Orwell erinnert fühlt, braucht längst nicht mehr befürchten, den Vergleich zu überdehnen. Klarer und offensichtlicher kann man die Dystopie kaum noch manifestieren. Im Roman „1984“ schreibt er:

„[Das Wort ‚Schwarzweiß‘] besitzt, wie so viele Neusprechwörter, zwei einander widersprechende Bedeutungen. Einem Gegner gegenüber gebraucht, meint es die Angewohnheit, im Widerspruch zu den offenkundigen Tatsachen impertinent zu behaupten, Schwarz sei Weiß. Einem Parteimitglied gegenüber gebraucht, bedeutet es die loyale Bereitschaft zu sagen, Schwarz sei Weiß, wenn die Parteidisziplin dies verlangt. Aber es bedeutet ebenfalls die Fähigkeit zu glauben, daß Schwarz Weiß ist, und darüber hinaus zu wissen, daß Schwarz Weiß ist, und zu vergessen, daß man jemals das Gegenteil geglaubt hat. Dies erfordert eine ständige Veränderung der Vergangenheit, die durch jenes Denksystem ermöglicht wird, das eigentlich alles übrige in sich schließt und das in Neusprech den Namen Doppeldenk trägt.“ – George Orwell: 1984, Ullstein-Verl., i.d.Übers.v. Michael Walter.

Der später eingeführte Fachbegriff für „Doppeldenk“ lautet kognitive Dissonanz.

De-Coronifikation

Hier stellt sich die Frage, wie ein neues Miteinander nach Corona – vorausgesetzt der Alptraum nimmt ein gutes Ende – überhaupt zustande kommen kann, nachdem ein solch massives Abrutschen in die Barbarei durch praktisch alle staatlichen, sozialen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Institutionen, insbesondere aber durch so viele Mitmenschen mitgetragen wurde. Wie kann man dem beliebigen Nächsten wieder jenen Vertrauensvorschuss geben, den es zum Aufbau einer Beziehung braucht, wie den Tätern wieder in die Augen blicken, von denen man weiß, dass man in ihrer Welt lediglich als Objekt existiert?

Ich habe meine Zweifel, dass es mit einem ‚Schwamm drüber‘ getan ist, denn Schopenhauers Bemerkung, dass „vergeben und vergessen heißt, kostbare Erfahrung zum Fenster hinauszuwerfen“, kann ich nicht von der Hand weisen. Der Vergebung muss Erkenntnis der eigenen Verfehlungen und darauf folgende Reue vorausgehen. Es gehört die Bereitschaft dazu, für das eigene Tun Verantwortung zu übernehmen, Strafe zu akzeptieren, Buße zu tun, Wiedergutmachung oder zumindest Schadensbegrenzung zu leisten. Dann, und nur dann, darf vergeben werden, aber besser nie vergessen. Wir dürfen uns nicht gestatten, wie nach dem Desaster des Dritten Reiches den Mantel des Schweigens um Volkes Rolle im Massenmorden zu hüllen, denn damals sind die historischen Traumata hunderter von Millionen Menschen in dutzenden Völkern tief in der individuellen und kollektiven Psyche begraben blieben. Weil sie nie wirklich aufgearbeitet worden sind, schwelten sie unter der Oberfläche scheinbar geläuterter Seelen weiter, beeinträchtigten das Weltbild von drei, vier Folgegenerationen und verschafften sich während der sogenannten Pandemie Ausdruck in einer Massenhysterie, wie es keine zweite in der Geschichte gegeben hat. Die Entnazifizierung, die 1945 ff. im Strafrechtlichen versandet ist, sie muss in unserer Gegenwart nachgeholt werden.

Entnazifizierung heute bedeutet De-Coronifikation. Ohne einen weiteren Prozess nach Nürnberger Vorbild – und wegen der Symbolik (Tribunal und Kodex) sollte er tatsächlich in Nürnberg stattfinden – ist eine glaub- und vertrauenswürdige Wiederherstellung des gesellschaftlichen Zusammenhalts schlicht unmöglich. Die Ungeheuerlichkeit des Geschehens verlangt nach lückenloser Aufarbeitung, während die Verantwortlichen für das schlimmste Massenelend der Menschheitsgeschichte zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Der Durst nach Rache, der Schrei nach Kreuzigung exponierter Vertreter des Corona-Regimes darf den Prozess jedoch auf gar keinen Fall leiten; es soll keine Siegerjustiz werden. Wie nun eindrücklich vor Augen geführt, war mit dem Tod der Nazi-Granden, selbstgewählt oder am Galgen, das Gespenst des Faschismus keineswegs gebannt, sondern konnte als erklärter Anti-Faschismus, als Demokratur in voller Glorie zurückkehren. Ziel eines Tribunals sollte die Aufklärung der Bevölkerung über ihre eigene Rolle beim Entstehen der Tyrannei sein. Natürlich muss dringend auch dafür gesorgt werden, dass die Hauptcharaktere im Corona-Betrug an weiterer Agitation dauerhaft gehindert werden. Unmittelbar danach jedoch beginnt die eigentliche Aufräumarbeit: Unsere Sprache, unsere Institutionen, unsere Gesetze und Spielregeln, unsere Wirtschaft und die Währung, unsere internationalen wie auch unsere persönlichen Beziehungen, unser Verhältnis zu Technik und Ernährung und unser Gebrauch von Kunst, Medizin, Wissenschaft – im Grunde einfach alle Elemente des Daseins – gehören auf den Prüfstand. Es geht um eine vollständige Revolutionierung unserer Lebensweise, deren Kern die Aufarbeitung unserer Traumata sein muss: das persönliche Nürnberg eines jeden Einzelnen von uns.

2021-01-23

Die juristische Demontage des Corona-Hypes

Nach mehreren US-Bundesstaaten, Südafrika, Malawi, Österreich, Portugal und Ecuador, wo die Maßnahmen als verfassungswidrig eingestuft wurden, hat nun auch Deutschland ein aussagekräftiges Urteil zu den Corona-Verordnungen. Erstmalig hat sich ein deutscher Richter intensiv mit den medizinischen Fakten, den wirtschaftlichen Folgen und den Auswirkungen der konkreten Politik auseinandergesetzt. Sein Urteil vom 11.01.2021 zum von der Thüringer Landesregierung verhängten Versammlungsverbot, mit Hinblick auch auf die Pandemie-Maßnahmen der Bundesregierung, ist eine schallende Ohrfeige, die außerdem die Aussagen der Dokumentation von Sebastian Götz ("DieZerstörung des Corona-Hypes") in weiten Teilen bestätigt. Ich erinnere mich gut an den Sturm, den ich im Juni für das Posting über mich ergehen lassen musste. Dabei lag die Nicht-Pandemie bereits spätestens im April auf der Hand, wie auch das Gericht feststellte.

Man sollte es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen [Inhalt für Lesbarkeit editiert. Original siehe verlinktes Dokument].

Foto von Sinyo Irwan von Pexels

Amtsgericht Weimar, Urteil vom 11.01.2021

Az. 6 OWi - 523 Js 202518/20

Highlights des Urteils


Ein allgemeines Kontaktverbot stellt zumindest...einen schweren Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit [Grundgesetz], darüber hinaus aber auch in die Versammlungs-, Vereinigungs-, Religions-, Berufs- und Kunstfreiheit dar, nicht nur, weil es alle Bürger adressiert und zwar unabhängig von der Frage, ob sie Krankheits- oder Ansteckungsverdächtige [im Sinne des Infektionsschutzgesetzes] sind oder nicht.


Es gab keine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“, wenngleich dies der Bundestag mit Wirkung ab 28.03.2020 festgestellt hat.


Da die Zahl der Neuinfektionen bereits seit Mitte März rückläufig war, ist es nicht überraschend, dass in Deutschland zu keinem Zeitpunkt im Frühjahr 2020 eine konkrete Gefahr der Überlastung des Gesundheitssystems durch eine „Welle“ von COVID-19-Patienten bestand.


[Laut Intensivregister] waren im März und April in Deutschland durchgehend mindestens 40% der Intensivbetten frei.


...die Zahl der COVID-19-Patienten lag damit zu keinem Zeitpunkt in einem Bereich, bei dem eine Überlastung des Gesundheitssystems zu befürchten gewesen wäre.


[Daten aus 421 Kliniken bestätigen,] dass die Zahl der in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 stationär behandelten SARI-Fälle (= schwere Atemwegserkrankungen) mit insgesamt 187.174 Fällen sogar niedriger lag als im ersten Halbjahr 2019 (221.841 Fälle), obwohl darin auch die COVID bedingten SARI-Fälle mit eingeschlossen waren. Auch die Zahl der Intensivfälle und der Beatmungsfälle lag nach dieser Analyse im ersten Halbjahr 2020 niedriger als in 2019.


Sowohl 2017 als auch 2018 gab es danach im ersten Halbjahr mehr Todesfälle als in 2020.


Die Letalität beträgt nach einer Metastudie des Medizinwissenschaftlers und Statistikers John Ioannidis, eines der meistzitierten Wissenschaftler weltweit, die im Oktober in einem Bulletin der WHO veröffentlicht wurde, im Median 0,27%, korrigiert 0,23 % und liegt damit nicht höher als bei mittelschweren Influenzaepidemien.


Da nach allem keine Situation bestand, die ohne einschneidende Maßnahmen zu „unvertretbaren Schutzlücken“ geführt hätte, sind [Teile der Thüringer Eindämmungsverordnung] wegen Verstoßes gegen die Anforderungen der Wesentlichkeitslehre verfassungswidrig.


Das allgemeine Kontaktverbot bzw. das Ansammlungsverbot gem. [Thüringer Eindämmungsverordnung] ist aus materiellen Gründen verfassungswidrig, weil es die in Art. 1 [Grundgesetz] als unantastbar garantierte Menschenwürde verletzt. Unantastbarkeit der Menschenwürde heißt, dass eine Verletzung der Menschenwürde nicht mit anderen Grundwerten der Verfassung gerechtfertigt werden kann; der Achtungsanspruch der Menschenwürde ist kategorisch.


Auf den vorliegenden Fall bezogen ergibt sich daraus folgendes: Bei einem allgemeinen Kontaktverbot handelt es sich um einen schweren Eingriff in die Bürgerrechte. Es gehört zu den grundlegenden Freiheiten des Menschen in einer freien Gesellschaft, dass er selbst bestimmen kann, mit welchen Menschen (deren Bereitschaft vorausgesetzt) und unter welchen Umständen er in Kontakt tritt. Die freie Begegnung der Menschen untereinander zu den unterschiedlichsten Zwecken ist zugleich die elementare Basis der Gesellschaft. Der Staat hat sich hier grundsätzlich jedes zielgerichteten regulierenden und beschränkenden Eingreifens zu enthalten. Die Frage, wie viele Menschen ein Bürger zu sich nach Hause einlädt oder mit wie vielen Menschen eine Bürgerin sich im öffentlichen Raum trifft, um spazieren zu gehen, Sport zu treiben, einzukaufen oder auf einer Parkbank zu sitzen, hat den Staat grundsätzlich nicht zu interessieren.

Amtsgericht Weimar. Foto: Wikipedia Lucas Friese, cc-by-sa-3.0 unptd


Hinzu kommt und als gesondert zu würdigender Aspekt ist zu beachten, dass der Staat mit dem allgemeinen Kontaktverbot zum Zwecke des Infektionsschutzes jeden Bürger als potentiellen Gefährder der Gesundheit Dritter behandelt. Wird jeder Bürger als Gefährder betrachtet, vor dem andere geschützt werden müssen, wird ihm zugleich die Möglichkeit genommen, zu entscheiden, welchen Risiken er sich selbst aussetzt, was eine grundlegende Freiheit darstellt. Ob die Bürgerin abends ein Café oder eine Bar besucht und um der Geselligkeit und Lebensfreude willen das Risiko einer Infektion mit einem Atemwegsvirus in Kauf nimmt oder ob sie vorsichtiger ist, weil sie ein geschwächtes Immunsystem hat und deshalb lieber zu Hause bleibt, ist ihr unter der Geltung eines allgemeinen Kontaktverbotes nicht mehr zur Entscheidung überlassen. Das freie Subjekt, das selbst Verantwortung für seine und die Gesundheit seiner Mitmenschen übernimmt, ist insoweit suspendiert.


Soweit der Auffassung, dass die hier zur Rede stehenden Normen die Menschenwürde verletzen, nicht gefolgt wird, genügen die [Verordnungs-] Normen jedenfalls nicht dem Verhältnismäßigkeitsgebot.


Der Verordnungsgeber trägt die volle Verantwortung für die Verfassungsmäßigkeit der von ihm erlassenen Verordnung und kann diese auch nicht teilweise an das Robert Koch-Institut delegieren [... Er muss sich mit Daten auch] aus anderen, ihm zugänglichen Quellen selbst auseinandersetzen [...] Unter Beachtung dieser Anforderungen ist die Frage, ob der Verordnungsgeber die Verlängerung des Lockdowns als erforderlich zur Abwendung einer Überlastung des Gesundheitssystems erachten durfte, eindeutig mit „Nein“ zu beantworten.


Der Verordnungsgeber konnte danach wissen, dass die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland bereits seit Mitte März sank. Es gab danach für ihn keinen Grund für die Annahme, es könnte doch noch eine Welle von COVID-19-Patienten auf die Thüringer Kliniken zukommen. Dafür hätte es eine Trendumkehr geben müssen, für die es keinerlei Anhaltspunkte gab.

Der Verordnungsgeber konnte aus den Daten des Robert Koch-Instituts auch erkennen, dass es keine Hinweise auf die Wirksamkeit des am 22. März beschlossenen Lockdowns gab, so dass für den Fall der Aufhebung des Lockdowns auch nicht mit einem erneuten Anstieg der Infektionen zu rechnen war.


Es gab also auch bei einem ungeachtet der klaren Datenlage verbliebenen Misstrauen hinsichtlich der Stabilität der Entwicklung keinen Grund für eine vorsorgliche Verlängerung des Lockdowns.


Hinsichtlich der Kosten des Lockdowns ist zunächst erneut festzuhalten, dass es sich bei den mit dem Lockdown verbundenen Freiheitseinschränkungen um die umfassendsten und weitreichendsten Grundrechtseinschränkungen in der Geschichte der Bundesrepublik handelte. Schon daraus ergibt sich, dass die Freiheitseinschränkungen ein so großes Gewicht haben, dass sie allenfalls dann gerechtfertigt sein können, wenn die Gefahr, deren Bekämpfung sie dienten, ganz außergewöhnlich groß war


Noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands sind wirtschaftliche Schäden in dieser Größenordnung durch eine staatliche Entscheidung verursacht worden.


Während des Lockdowns im Frühjahr wurden in Deutschland mehr als 908.000 Operationen abgesagt.


Nach dem Gesagten kann kein Zweifel daran bestehen, dass allein die Zahl der Todesfälle, die auf die Maßnahmen der Lockdown-Politik zurückzuführen sind, die Zahl der durch den Lockdown verhinderten Todesfälle um ein Vielfaches übersteigt. Schon aus diesem Grund genügen die hier zu beurteilenden Normen nicht dem Verhältnismäßigkeitsgebot. Hinzu kommen die unmittelbaren und mittelbaren Freiheitseinschränkungen, die gigantischen finanziellen Schäden, die immensen gesundheitlichen und die ideellen Schäden. Das Wort „unverhältnismäßig“ ist dabei zu farblos, um die Dimensionen des Geschehens auch nur anzudeuten. Bei der von der Landesregierung im Frühjahr (und jetzt erneut) verfolgten Politik des Lockdowns, deren wesentlicher Bestandteil das allgemeine Kontaktverbot war (und ist), handelt es sich um eine katastrophale politische Fehlentscheidung mit dramatischen Konsequenzen für nahezu alle Lebensbereiche der Menschen, für die Gesellschaft, für den Staat und für die Länder des Globalen Südens.

2021-01-02

Eins-zwei-drei im Sauseschritt

Ein frohes neues Jahr, meine lieben Leserinnen und Leser!

Man fragt sich vielleicht, wann und wie es denn hier auf diesem Blog weitergehen soll, nachdem ja nun ein neues unter den wachsamen Augen des gelben Piepmatz' entstanden ist. Dort, wie gesagt, sollen künftig die englischsprachigen Beiträge erscheinen. Hier jedoch geht es auf Deutsch weiter. Die Mischung der beiden Zungen hat nicht so recht funktioniert und ich wollte außerdem ein zweites Standbein auf den Boden bekommen. Zu sehr ärgert mich der Zensurwahn der großen Plattformen, zu widerwärtig ist mir außerdem der Hunger der Datenkraken.

Unabhängige Blogs (wordpress), Facebook-Pendants (diaspora*) und Suchmaschinen (DuckDuckGo) sind das digitale Spiegelbild der Bestrebungen, seine eigene Unterkunft zu errichten, seine eigene Nahrung anzubauen und seine Wäsche von Hand statt mit der Maschine zu waschen. Dem sei allerdings nicht zu viel Gewicht beizumessen, denn langfristig sehe ich mich eher vollständig Abschied vom Internet nehmen. Diese Maßnahmen tragen vorwiegend eher dazu bei, Geist und Körper von äußeren Zwängen freizuhalten, als dass sie eine großartige Wirkung nach Außen entfalten könnten. Im Zentrum muss die geistige Befreiung stehen.

Wer im vergangenen Jahr die Augen offen gehalten und die unsägliche Hysterie sowohl in den Medien als auch auf der Straße mit Sorge beobachtet hat, wird wissen, was ich meine, wenn ich frage, ob man sich überhaupt noch leisten kann, seinen Mund aufzumachen. Jene, die eigentlich reden müssten -- Ärzte, Richter, Oppositionspoitiker, Christen, Kinderpfleger -- schweigen ja in erster Linie, weil sie Folgen für ihren Lebensunterhalt und ihre Lebensqualität befürchten.

Um so mehr wird die Verteidigung der freien Rede zum zentralen Thema für jene, die sie sich nicht nehmen lassen wollen. Mit "ich will frei sein!" zu schreien ist es aber nicht getan. Man muss das Frei-Sein praktizieren.

Daher habe ich nie eine Maske getragen und werde mir auch weiterhin den Mund nicht verbieten lassen, weder im Internet noch im Leben da draußen.

Übrigens gibt es Wortbeiträge von mir nun auch auf Video-Servern: sowohl bei Youtube, um dem Zeitgeist die Stirn zu bieten, als auch auf der alternativen Plattform BitChute.

Als grantliger Proll Xelzbrod nehme ich den Alltagswahnsinn modernen Daseins mit schwäbischer Derbheit, aber stets frisch frisiert aufs Korn, wobei hie und da auch subtiler Witz aufblitzen kann. Besuch mich auf Bitchute bzw. Youtube, hinterlass einen Kommentar oder Daumen und vergiss nicht, den Kanal zu abonnieren, wenn er dir gefällt. Im Moment halte ich einen 14-Tages-Rhythmus, aber das kann sich auch wieder ändern. Das vierte Video ist inzwischen erschienen. Fangen wir vielleicht trotzdem mit dem ersten an.


 

2020-12-04

It's moving time again

Dear readers,

from now on, Mach was!? will offer my new German-language articles from time to time. Old and new English-language posts will appear on the Wordpress blog

Canary's Dead

For the time being, all older articles, regardless of language, will stay published here on this blog. Thanks to all my readers for your interest and support.

photo: piqsels com, cc0

2020-10-31

Medical Nemesis: Compulsory survival in a planned and engineered Hell

Ivan Illich‘s central theme of his 1970‘s writing revolved around the counter-intuitive development of modern societies based on the Western industrial model: The fact that the more effort and energy get invested in making things more efficient, the more they tend to become ineffective. Beyond a certain threshold, applying more of the same has destructive effects even, to which there is no remedy. In his book Deschooling Society”, for instance, he showed that schooling prohibits learning; in “Energy and Equity” he did the same for the traffic sector: faster transportation results in more time spent on transiting. Further publications of his, such as “H2O and the Waters of Forgetfulness”, “Gender”, or “Tools for Conviviality” – give many more examples of that malignant rebound effect which pervades all areas of civilized life; in fact every institution of Modernity, from church to academia, from military to administration, from agriculture to architecture.

Nemesis, pic:Yair Haklai CC by-sa 2.5 Generic

With
“Medical Nemesis” he produced another landmark publication in 1976 that continues to be reprinted by the title “Limits to Medicine: The Expropriation of Health”. Though Illich felt that, ten years after his book, the situation had taken another step to the worse, the quality of his socio-historical analysis still provides us with valuable insights into the behaviours currently enacted. Let’s jump right in to look at some of his theses. [all quotes from Illich: Medical Nemesis, unless otherwise sated; emphases mine.]

The medical establishment has become a major threat to health. The disabling impact of professional control over medicine has reached the proportions of an epidemic. Iatrogenesis, the name for this new epidemic, comes from iatros, the Greek word for “physician,” and genesis, meaning “origin.”

Illich identified three types of Iatrogenesis – clinical, social, and cultural – which he summed up as follows:

Increasing and irreparable damage accompanies present industrial expansion in all sectors. In medicine this damage appears as iatrogenesis. Iatrogenesis is clinical when pain, sickness, and death result from medical care; it is social when health policies reinforce an industrial organization that generates ill-health; it is cultural and symbolic when medically sponsored behavior and delusions restrict the vital autonomy of people by undermining their competence in growing up, caring for each other, and aging, or when medical intervention cripples personal responses to pain, disability, impairment, anguish, and death.

In other words, when people’s reliance on external sources of healing becomes the rule rather than the exception, healing turns into the institution of medicine – with negative effects on health. The individual’s abilities to, within its social context, heal itself atrophies like an underused muscle. With the expansion of the medical sector, ordinary healthy expressions of life such as birth, immunization, metabolizing, sorrow, grief, rage, confusion, aging and death become defined as requiring medical improvement, prevention, or treatment.

Beyond a critical level of intensity, institutional health care—no matter if it takes the form of cure, prevention, or environmental engineering—is equivalent to systematic health denial.

The mechanistic approach of the modern health trade reduces living humans to biological machines whose ailments fall into distinct pre-defined categories of illness and repair. These are quite different categories from the state of health every living being normally enjoys. People become “cases,” examples of broken hypothetic perfection, and cases enter statistics of generic classes of items: so many born, so many infected, so many dead, figures of potential danger to public health.

By equating statistical man with biologically unique men, an insatiable demand for finite resources is created. The individual is subordinated to the greater “needs” of the whole, preventive procedures become compulsory.

With dwindling autonomy, dependence on professionals rises even further. Soon enough the liberty to seek professional help becomes the right to treatment, which in turn becomes a duty to surrender to therapy, including legal sanctions for failure or refusal to undergo prevention, improvement and repair.

Welcome to the year 2020 in which desisting from wearing face masks or keeping distance to your own family members not only become criminalized but socially battled.

Unsick people have come to depend on professional care for the sake of their future health. The result is a morbid society that demands universal medicalization and a medical establishment that certifies universal morbidity.

And that is considered “the new normal.” Ivan Illich foresaw it back then, though he was by far not the first to notice where the professionalization of medicine was heading. More often in history than not the healer was a figure on the margins of society. Despite the progressive expropriation of everywoman’s medical skills our grandparents still held remnants of the ability to heal themselves and each other. During the 70’s and 80’s most of the world’s more traditional cultures then underwent the destruction of their knowledge. It came upon them by way of “developmental aid”.

Suffering, healing, and dying, which are essentially intransitive activities that culture taught each man, are now claimed by technocracy as new areas of policy-making and are treated as malfunctions from which populations ought to be institutionally relieved. The goals of metropolitan medical civilization are thus in opposition to every single cultural health program they encounter in the process of progressive colonization.

Cognitive injustice is what the failure to acknowledge other ways of knowing – and healing – is called. Another word for the destruction of those knowledge systems is epistemicide eventually genocide by imperialistic scientism. Cognitive injustice denies livelihood and lives to whole classes or peoples. One cannot overstate the difference between traditional-cultural and industrial views on health and healing:

Cultures are systems of meanings, cosmopolitan civilization a system of techniques. Culture makes pain tolerable by integrating it into a meaningful setting; cosmopolitan civilization detaches pain from any subjective or intersubjective context in order to annihilate it. Culture makes pain tolerable by interpreting its necessity; only pain perceived as curable is intolerable.

Bantam 1976 ed.

Insufferable pain that cannot be relieved must inevitably lead to the end of any society, Illich proclaimed. Does that apply as well to an epidemic which can never be stopped? Can democracy survive the wholesale suspension of the division of power, of civil liberties and of human rights? Are the hostilities between the followers of different health paradigms harbingers of civil wars to come?

Among the many ways our civilization could have undergone collapse the one we are following right now surprises me. That an unpolitical caste like the medical doctors would play such a central role could not have been forseen… or could it?

The chief function of the physician becomes that of an umpire. He is the agent or representative of the social body, with the duty to make sure that everyone plays the game according to the rules. The rules, of course, forbid leaving the game and dying in any fashion that has not been specified by the umpire.

Dying of (or with, it seems in most cases) CoVid-19, especially doing so at home, does not constitute a permissible exit. Dying, Illich remarks, might be a consumer’s last act of resistance. But what is this CoVid-19, really, when its symptoms can be almost anything? What are those invisible entities called viruses? What is an infection and how do you know you are sick? The answers to these questions are not as obvious as streamlined media outlets would have us believe:

All disease is a socially created reality. Its meaning and the response it has evoked have a history. The study of this history will make us understand the degree to which we are prisoners of the medical ideology in which we were brought up.

In other cultures, what is sick and what is healthy can be quite different from what Western-industrial medicine assumes to be so. One must also admit that numerous elements of what constitutes the totality of the human experience – humour, relationship, belief, meaning, intuition, spirit… the list goes on and on and on – has no place in the scientific worldview at all, which means it gets overlooked deliberately. And even within the materialistic-mechanistic paradigm science can only show us the things it is looking for. Therefore its understanding of health fundamentally changed various times. Illich found, for instance, that,

As the doctor’s interest shifted from the sick to sickness, the hospital became a museum of disease.

It is important to see that nowaday’s medicine’s preoccupation with germs (and their killing) constitutes a gross exception among the healing traditions worldwide, including the tradition of our own culture until only recently. It limits the ability to approach health in a more holistic form, or from different angles, and it effectively dehumanizes us in many ways. Can you imagine a better symbol for the rendering of humans into controllable objects than the mandatory masking of the face? Considering that we are social animals, can you imagine a worse violation of human nature than the avoidance of closeness?

On the one hand, one may argue that this is the necessary price for staying alive and healthy. On the other, Illich points at research which seems to show that modern medicine neither helped to increase public health significantly – it had nothing to do with the extension of lifespans either – nor has it been more effective than other ways of healing. With relish he quotes from Oliver Wendell Holmet’s Medical Essays (Boston, 1883):

“I firmly believe that if the whole materia medica, as now used, could be sunk to the bottom of the sea, it would be all the better for mankind—and all the worse for the fishes,”

and he proposes his vision that,

no services are to be forcibly imposed on an individual against his will: no man, without his consent, shall be seized, imprisoned, hospitalized, treated, or otherwise molested in the name of health.

Illich’s conclusion as published in the last paragraph of Medical Nemesis reads like a prophet’s message from half a century ago, transmitted to an age gone insane over the war on micro-organisms waged by obsessive science, unleashed corporations and amoral politics, in which ordinary people, the sick and the healthy alike, get consumed as cannon fodder. The enemy, though, is invisible, invincible and indestructible; which is good, for without it we could not be who we are. It could be that we could not be at all.

Man’s consciously lived fragility, individuality, and relatedness make the experience of pain, of sickness, and of death an integral part of his life. The ability to cope with this trio autonomously is fundamental to his health. As he becomes dependent on the management of his intimacy, he renounces his autonomy and his health must decline. The true miracle of modern medicine is diabolical. It consists in making not only individuals but whole populations survive on inhumanly low levels of personal health. Medical nemesis is the negative feedback of a social organization that set out to improve and equalize the opportunity for each man to cope in autonomy and ended by destroying it.

His idea is, of course, neither the abolishment of the institutional, professional medicine, nor the total surrender to curable sickness that some Christian sects practice, but a change of the mindset which lies at its foundation: from dependency on, and obedience to, faceless institutions towards interdependent freedom in the spirit of the Samaritan. According to Illich, professional health care would complement autonomous forms of staying in balanced condition, and the various ways of healing the human body and mind would be available in parallel.

In a 1974 Lancet essay anticipating his upcoming book Illich clarified the choices left to us:

The sickening technical and non-technical consequences of the institutionalisation of medicine coalesce to generate a new kind of suffering—anaesthetised and solitary survival in a world-wide hospital ward. [...] Either the natural boundaries of human endeavour are estimated, recognised, and translated into politically determined limits, or the alternative to extinction is compulsory survival in a planned and engineered Hell. [Lancet 1974;i:918–21]



Post scriptum

Ivan Illich used to observe that, from the mid-1980’s on, the health sector has deteriorated even further than described in Medical Nemesis”. He said:

By reducing each person to ‘a life’, bioethics is helpless to prevent total management of the person, now transformed into a system. [Pathogenesis, Immunity and the Quality of Public Health. A lecture given in Hershey, PA, June 13th, 1994]

Exhibition poster

He meant to say that the processes of institutionalization and professionalization have reached a new stage in which the tool and its user can no longer be separated. People have become integral parts of systems. The next step, though, the machine-man-merger commonly know as transhumanism, already begins to establish itself as the successor. As progressive dehumanization visibly picks up speed, clearly, the time has arrived when resistance to oppression, medical or otherwise, can no longer remain limited to soap-box oratory. The cognitive dissonance that many of the intellectuals fell prey to – visiting a Hannah Arendt exposition in Berlin that has been advertised with her famous words, “Nobody has a right to obedience,” while following orders to wear masks in that Museum’s halls, not questioning the demand that “the Corona measures must never be questioned” (veterinarian Lothar Wieler, head of the German centre for disease control, the Robert Koch Institut) is a clear sign of historical lessons not learnt. Totalitarian rule will not return with a mustache and Caesar’s salute, but return it must to a society that succumbs to fear. Those who are aware of the folly need to stand up to end the umpires’ game right now. The alternative to the war on germs – healthy food, fresh air, clean water, loving community, positive attitude, autonomous posture, virtuous meaningful worldview – can be had for no price at all.

Instead, while – and because – a majority of people in industrialized areas surrender to the Corona regime, those critical of the anti-pandemic measures consciously live through that planned hell of a globalized hospital ward Illich was talking about. An increasing number seek refuge in voluntary death as permanent exposure to ordinary-folks-turned-soap-police makes life miserable to the point where the naked-faced cannot visit doctors, shops, temples, therapy, friends, family, work places, and administrative bodies any longer and life becomes a never-ending meaningless waiting game for relief. Most critics simply ask that their alternative, more autonomous ways of healing be respected – which is the one thing that the medical juggernaut can never allow.