2004-12-25

Weg und Ziel, pt.III

The Philosopher:
Der Weg ist das Ziel.
Der Sinn ist die Suche nach Sinn.
Das ewige Leben beginnt nach dem Tode.

The Believer:
Es gibt keine Ziele. Nur Wege.
Es gibt keinen Sinn. Nur Sinnsuche.
Es gibt keinen Tod. Nur Leben.

The Sceptic:
Wenn aber nur der Weg zum Ziel führt
Und die Sinnsuche zum Sinn
Ist dann das Leben lediglich eine Vorbereitung auf das ewige Leben?

The Cynic:
In diesem Fall will ich lieber niemals sterben ;-)

2004-11-27

Alb

Stippvisite bei C. auf der Schwäbischen Alb. Ein alter Bekannter aus dem IRC. Freund fast. Aber das darf ich seiner Ansicht nach vermutlich nicht sagen. Jemand wie ich kennt angeblich keine herzlichen Gefühle. Oder habe ich ihn falsch verstanden? Der Abend endete, wie jeder Abend bei C. endet - er besäuft sich hemmungslos und fängt an zu reden. Ein Mensch mit gefestigten Ansichten, großem Selbstbewusstsein sowie selbstgebautem sozialem und beruflichem Erfolg redet auf dich ein. Und er analysiert dich.
Einerseits war ich natürlich neugierig, wie er mich sieht. Wer möchte nicht wissen, wie er auf andere wirkt - zumindest insgeheim? Andererseits musste ich mich mit zunehmender Dauer des Gesprächs über vordergründige Auslegungen meines Verhaltens ärgern und war auch nicht grade begeistert darüber, dass er mir nahelegte, anders, also *wirklich* zu leben.
Vielleicht meint er damit das Neandertalerdasein, das man als gut verdienender, verheirateter Reihenhausbesitzer führt, wenn man Geld, Macht, Selbstbewusstsein und Konstitution besitzt, jeder Herausforderung zu widerstehen.
Irgendwie glaube ich aber, dass da mehr ist im Leben, dass es sich lohnt, sich Gedanken um Dinge zu machen, die er lächerlich findet. Dass es manchmal besser ist, nicht zu kämpfen, weil dadurch nur Zerstörung entsteht.

Klare Sache für ihn - so reden Loser daher. Eine billige Rechtfertigung dafür, dass man mit dem Leben nicht klarkommt und sich nicht durchsetzen kann.
Dann aber will ich wissen, wer mehr Rückgrat zeigt. Der, der sein früheres Sex-n-Drugs-n-Rock'n'Roll-Leben auf die Sicherheit gründete, dass ihm im Grunde nichts passieren konnte? Oder doch vielleicht der, der nüchtern und bei vollem Bewusstsein ohne Rücksicht auf Konsequenzen soziale und berufliche Brücken radikal hinter sich abbricht, um neu anzufangen?

Vielleicht hätte ich es nötig, mehr auf Menschen zuzugehen, mehr Nähe zu zeigen. Da mag er Recht haben. Aber ich nehme mir dafür Freiheiten, die sich nur wenige von uns erlauben. Die Freiheit zu denken was ich möchte. Meine Gedanken in die Tat umzusetzen. Mich nicht für andere zu verbiegen. Mich gegen Erwartungshaltungen zu stemmen. Das hat mich manchen Freund gekostet und praktisch die komplette Verwandtschaft.
Doch siehe da - ich bin noch hier, ich atme, ich lebe weiter. Und ich BIN. Ich bin ich, selbst wenn du mich in deiner grenzenlosen Selbstsicherheit nicht als liebende, lebende Person wahrnimmst. Scheu bin ich, ja. Reserviert aus gutem Grund. Linkisch, sicher. Aber ich sprenge Grenzen. Wieder und wieder. Ich bin ein Stehaufmännchen, ein Durchhalter, ein Dickschädel. Und auf meine ganz eigene Art habe ich Erfolg. Ohne Netz und doppelten Boden. Darauf bin ich mit Recht stolz.

2004-10-28

Wieder Landei

Harry hat uns ne schicke Vierzimmerwohnung geangelt, die wir uns teilen werden. Irgendwo auf dem platten Land bei Euskirchen, in einem Nebengebäude eines Bauernhofs. Weit und breit nur Felder und Wiesen. Es ist genial. Es lebt sich zwar angenehm in Langenfeld, aber ich hab diese Landatmosphäre ziemlich vermisst.

2004-10-25

Strike!

Ha, wer sagts denn? Das Poltern beim Personalchef hat was gebracht. Die wollen Leute loswerden - ich will raus, brauch aber Startkapital.
Der Abfindungsbetrag würde deutlich erhöht, wenn ich noch diese Woche die Arbeit einstelle. Ich wäre ein Sonderfall, hieß es *g*
Ich hops grad wie ein Flummy durch die Wohnung *megafreu*
Es wird wahrscheinlich nicht einfach werden, aber der Job bei der Post gerät mit jeder weiteren Woche ohnehin auf wackligen Boden. Der nächste Tarifvertrag kann betriebsbedingte Kündigungen bestimmt nicht mehr wie bisher ausschließen, aber dann gibts möglicherweise keine nennenswerte Abfindung mehr und vermutlich auch keine passende Chance, sich selbständig zu machen. Also lieber jetzt den Absprung wagen!

2004-10-23

Fuck the commerce

Ein einziger lumpiger Monat fehlt mir. Ein Monat, den ich zu spät fest angestellt wurde, nachdem man mich über ein Jahr mit Zeitverträgen abgespeist hatte. Ein Monat, wegen dem ich nicht unter die 30.000 Euro Abfindungsregel falle und mit mickrigen 7.000 Piepen gehen müsste. Für eine Existenzgründung ist das reichlich knapp.
Aber jetzt erst recht. Ich hab so eine Wut auf diese Kapitalistenschweine. Du darfst nur noch plackern und kriegst immer weniger Gegenwerte dafür. Noch nicht mal Planungssicherheit können sie dir geben. Ich hab genug von dieser Tretmühle und ich mag auch nicht noch weitere 20 Jobs annehmen müssen, bevor man mich in die Gruftiverwahranstalt steckt. Ausbeuten kann ich mich selbst!

2004-10-21

I almost knew

Fishmac: "Hmm aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich Dir nur sagen das selbsständig sein ein ziemlich hartes Brot ist. Überhaupt in Zeiten wie diesen. Denke mal das da die Unterschiede zwischen germanien und Ösiland nicht so gravierend sein werden."
Du hast Recht. Die Unterschiede sind nicht so groß. Hier wie da ist man sich selbst immer der schlimmste Ausbeuter. Wenigstens weiß man, für wen man arbeitet und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich vor der Selbständigkeit weniger Schiss habe, als in einem multinationalen Konzern untergebuttert zu werden. Dass ich momentan hilflos zuschauen muss, wie ein seit Jahrhunderten funktionierender Betrieb für kurzfristigen Profit kaputtgewirtschaftet wird, macht mich ganz krank. Denn ausgetragen wird das ausschließlich auf dem Rücken der Arbeitnehmer.
Was heute bei Daimler, Opel, Karstadt, BMG und anderen Multis abläuft, erreicht morgen 100 pro auch die Post. Ich kann es täglich auf Briefzustellung mitverfolgen. Den Paketdienst haben sie ja schon fast klein gekriegt (siehe Spiegel 42/2004).

Ok, ich könnt auch noch anderswo einen Job suchen. Die Erfahrungen bisher waren aber eher so, dass die Schere zwischen Anspruch (Ausbildung, Können, Teamfähigkeit, Flexibilität bla) und Wirklichkeit (hire+fire, Peanutslohn, schlechte Arbeitsbedingungen) für meinen Geschmack viel zu weit auseinander klafft.

Ein weiterer Aspekt, den du sicher auch kennengelernt hast, ist dieses Gefühl, es wenigstens versuchen zu müssen. Eine Idee umzusetzen. Sich freizuschwimmen. Sein eigener Herr zu sein. Selbst wenn man versagt hat, sagen zu können, man hat die Chance ergriffen, statt sie vorübergehen zu lassen.

Man muss natürlich realistisch bleiben. Es wird Probleme geben. Oder Phasen, wo man einfach nicht mehr kann. Nicht erst seit heute nehm ich lieber das in Kauf, als die stetig wachsenden Ansprüche von Leuten befriedigen zu müssen, die in ihrem ganzen saturierten Leben keinen Nagel grade in die Wand geschlagen haben. Leider trau ich mir den Absprung erst jetzt zu. Und noch ist nicht sicher, dass ich ihn auch verwirkliche.

2004-10-14

Begraben

Karstadt/Quelle ging wegen Managementfehlern fast pleite. Das Unternehmen wird um mehr als 5000 Mitarbeiter schrumpfen müssen.
General Motors schmeißt 12.000 Leute in Europa raus, davon 10k in Deutschland. Weil sich das Management verplant hat.
VW und Daimler sparen ebenfalls am Personal.
Der Arbeitgeberpräsident fordert die völlige Aufhebung der betrieblichen Mitbestimmung, die CDU will den Kündigungsschutz lockern usw usf.
Und da ist natürlich die gute Deutsche Post, die im vergangenen Jahr ein erstaunliches Ergebnis erzielte. Damit der f***ing Aktienkurs weiter steigt, müssen etliche Zusteller gehen (die 9000 Fahrer, die sie jetzt schon rausgedrückt haben, reichen natürlich nicht). 

Vorgestern war bei uns im Stützpunkt eine Versammlung, bei der die Personalchefs uns "Kröte 1" verkaufen wollten, damit wir nicht die wesentlich unappetitlichere "Kröte 2" schlucken müssten, welche e-ven-tu-ell kommen könnte.
Dass da was nicht stimmen kann, haben zum Glück selbst die unterbelichtetsten Kollegen kapiert und das gesamte Personal stellt sich nun quer.

So siehts grad überall aus. Bei dem Thema krieg ich Krätze. Wenn der Wirtschaft nicht schleunigst Zügel angelegt werden, knallt es bald bei uns.

2004-09-27

I hate...

...Mondays.
Tuesdays too.
And also Wednesdays, Thursdays, Fridays, Saturdays.
But most of all: Sundays!

Manchmal komm ich mir vor wie in einem Film. Nichts scheint real zu sein. Alles ist Oberfläche. Glänzende, bunte Oberfläche.
Bis jemand mit der Axt kommt und den schönen Schein zerschlägt. Hervor tritt eine schwarze, hoffnungslose, sinnlose Welt, die außer Egoismen, Rationalisierung und Heuchelei nichts beinhaltet, als die stinkenden Kadaver gemeuchelter Hoffnung.

Ich fühl mich oft so. Genieße Sinneseindrücke. Bin stolz auf das Erreichte. Mich bis hier hin durchgebissen zu haben. Und gleichzeitig lebe ich in einer Hölle, in der jedes Vertrauen in mich oder andere absurd erscheint.

Ich lüge nicht, wenn ich sage, ich fühl mich gut und habe Spaß an der Freude. Im selben Moment aber fehlt der Wille zum Überleben.
Ist das eine Kneipp-Kur des Geistes? Ist das vielleicht sogar gesund?

2004-09-10

Ich lach mich tot

Heute im SPIEGEL:
Teasertext zum Thema Terrorismus:
"Doch was ist, wenn es ihnen nur um die Lust am Töten und den Spaß am Sterben geht?"
Da kann man dann wohl nichts machen, aber kann es das wirklich geben? Spaß am Sterben?
Gehört zum Spaß nicht auch Lebenslust? Oder zumindest eine positive Vorerfahrung mit dem Freude spendenden Objekt? Sind die alle schon mal tot gewesen?

Journalisten sind wie Techniker. Geht nicht gibts nicht. Was die Sprache hergibt wird auch geäußert. *lol*

2004-08-18

Schlaflos

Wieder eine schlaflose Nacht, in der ich mich geärgert habe.
Geärgert darüber, dass alle möglichen Seiten Ansprüche an dich stellen, aber keiner bereit ist, einen Gegenwert zu bieten oder wenigstens mal einen meiner Wünsche zu erfüllen. So vieles ist außer Mode gekommen. Freundlichkeit. Zuverlässigkeit. Rücksichtnahme. Dinge, die leicht machbar wären. Ich habe ehrlich gesagt meinerseits langsam keine Lust mehr, jemandem entgegenzukommen.
Fatal, natürlich, weil grade das einen Prozess beschleunigen würde, den ich unschön finde. Aber so fühle ich mich nun mal gerade und es ist gut, es einfach herauskotzen zu können. Es hilft die Wut abzubauen und auf vernünftige Weise weiterzuleben.

2004-08-15

Camp Concentration

"Er fragte, warum ich so töricht gewesen sei, mich als Kriegsdienstverweigerer einsperren zu lassen, anstatt mich aus anderen Gründen vom Wehrdienst zu drücken.
Ich kenne niemanden, der mir nicht bei der ersten Gelegenheit die gleiche Frage gestellt hätte. Es gehört zu den Problemen dessen, der für seine Überzeugung leidet, dass er, durchaus ungewollt, das schlechte Gewissen der Anderen weckt und in ihren Augen zum Ankäger wird."

Ein Zitat aus dem Buch Camp Concentration von Thomas M.Disch. Eigentlich ein Nebenkriegsschauplatz der Gedanken angesichts eines atomar und biologisch geführten Krieges, der die Welt verwüstet und die Menschen verrohen lässt.
Es stellt sich die Frage, warum Menschen immer wieder bereitwillig ihre Freiheit und ihr Leben dem unstillbaren Hunger der Mächtigen opfern. Warum die Opferlämmer sich nicht über die Grundlagen der Macht klar werden, nämlich ihrer eigenen Arbeitskraft und ihrer eigenen Ängste. Weshalb sie sich nicht frühzeitig gegen die schlimmsten Auswüchse des Machthungers solidarisieren. Warum sie nicht sehen, dass die Spitze der Pyramide abstürzt, wenn der Unterbau wegfällt.

Man kann die Rolle der USA als faschistoide, menschenverachtende Kriegstreiber in dem 1967 erschienenen Buch als zufällig ansehen oder Parallelen zu heute ziehen. Das möge jedem selbst überlassen sein.

Eine der wenigen Konstanten, der wenigen brauchbaren Lehren aus der Geschichtswissenschaft ist jedoch die Korruption der Macht. Der unbezwingbare Trieb, sie auszunutzen, wenn man sich erst einmal in ihrem Besitz befindet. Zu tun, was möglich ist, allein weil es möglich ist.

Unzweifelhaft befinden sich die USA seit ca. 100 Jahren in genau dieser Position, tun zu können, was ihnen beliebt. Immer wieder wird dabei bewiesen, dass Demokratie eine Maske, eine leere Hülse ist, die bestenfalls kaschiert, was hinter den Kulissen abläuft. Schlimmstenfalls als Vehikel dafür dient.
Und dass sie, selbst nach Jahrhunderten der Etablierung, keineswegs vor Diktatur schützt, sondern manchmal eher blind macht.

Neben dem grenzenlos begeisterungsfähigen Amerika sind es gerade auch wir Deutsche mit unserer Blockwartmentalität, unserem latenten Streben nach dem Nachtwächterstaat, die sich anfällig für Mitläufertum zeigen. Bereitwillig werden derzeit wieder Grundrechte abgebaut. Privatsphäre, Fernmeldegeheimnis, soziale Netze.

Man möge diese Ausführungen nicht als Ablehnung der Demokratie verstehen. Auch nicht als Anti-Amerikanismus (obwohl sich der Moloch des Westens in letzter Zeit durch erhöhte Kriegsaktivitäten, einen 460 Mrd. $ schweren Rüstungshaushalt und die Forcierung der Entwicklung neuer A-, B- und C-Waffen das vollauf verdient hätte), sondern vielleicht als Ermunterung "Nein" zu sagen. Selbst wenn die Mehrheit anderer Meinung zu sein scheint. Selbst wenn die Konsequenzen existenzvernichtend aussehen.
Denn man steht selten auf wirklich einsamem Posten, wenn man sich traut den Anfang zu machen. Keine Gesellschaft kann es sich leisten, einen nennenswerten Teil ihrer Glieder auszugrenzen oder zu vernichten, ohne unterzugehen.

Das Buch jedenfalls ist sehr lesenswert, aufgezogen als Tagebuch eines internierten Verweigerers, den man für medizinische Versuche missbraucht. Der von Selbstzweifeln berichtet, von Erlebnissen und von Gesprächen. Der um Antwort auf philosophische Fragen ringt. Dem man trotzige Sturheit vorwirft, weil er couragiert Standhaftigkeit beweist.

2004-08-04

Notplan

Gestern hatte ich 'Notplan'
So nennt man das, wenn ein Zustellbezirk wegen Personalausfall kurzfristig unter den Kollegen aufgeteilt wird. Eigentlich hätte mich das nicht betroffen, denn es handelte sich um keinen jener Bezirke, die in meinem Bereich liegen. Aber man hat mich gefragt, denn die zuständigen Kollegen sind durch Betriebsvereinbarungen vor einer Überzahl an Notplänen geschützt und haben bereits jetzt zur Hälfte des Jahres ihr Arbeitszeitkonto voll.
Coole Sache das :)

Ich übernahm also ein Stück des 'Kuchens', denn ich bekomme diese Zeit nicht ausbezahlt, sondern in Form von Freizeit abgegolten. Das ist fair. Ich muss somit keine zusätzlichen Steuern abdrücken und nehme auch keinem seine Arbeit weg.

Geärgert hab ich mich gestern allerdings über einen 'outgesourcten' (neuwirtschaftsdeutsch für Auftragsvergabe an Fremdfirmen) Zubringerdienst. Die sind zwar billiger als wenn das jemand mit inhouse vorhandenen Mitteln erledigt, aber dafür sind sie oft dumm wie Brot oder älter als Steinkohle.
Der Typ gestern war ein Brot. Arschlangsam und außerdem anscheinend nicht lesebegabt, denn er legte mein korrekt beschriftetes Material an einer völlig falschen Stelle ab.

Kostete mich eineinhalb Stunden Wartezeit plus extra Aufwand, das Material an den richtigen Ort zu transportieren.
Um Geld zu sparen hat man mal einen meiner Kollegen gekündigt, damit diese Billigbrote ran können. Aber so'n Scheiß wie gestern passiert denen ständig. Letztlich bleiben die Kosten die selben, nur Kundschaft und Arbeitnehmer regen sich zunehmend auf...

Genau das Gleiche wird geschehen, wenn sie Arbeitslose zu 1-Euro-Jobs verpflichten. Da ist doch jeder doof, der drei oder vier Jahre Ausbildung macht und dann auf der Straße steht. Ging mir übrigens schon zwei Mal so. Sechs Jahre für'n Arsch. Und ich war nicht schlecht!

Bin aber trotzdem guter Laune, denn das Wetter heute ist wieder sehr schön und außerdem freu ich mich schon auf den Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems. Vorher hat vermutlich eh niemand den Mut, wirklich tiefgreifende und vor allem sozial gerechtere Umstrukturierungen vorzunehmen.

2004-07-31

Tick Tick

Ein böses Grinsen zaubert mir die Hartz-Debatte ins Gesicht. Wacht dieses verpennte, obrigkeitshörige Volk jetzt endlich auf und wehrt sich gegen eine Regierung und eine Wirtschaft, die sich zwar Freiheit auf die Fahnen geschrieben haben, letztlich jedoch den Menschen als Sklaven äußerer "Notwendigkeiten" (lol. ein anderes Wort für die ungezügelte Gier der Besitzenden) behandeln?
Kommt vielleicht endlich jemand auf die Idee, dass nicht der Staat für Arbeitslosigkeit sorgt, sondern die Wirtschaft, und dass genau diese eigentlich für die Folgen gradestehen müsste?
Nein, die will immer mehr Stücke aus der Torte haben, aber keine kleineren versteht sich.

Oh, da sieht jemand den Mob gewalttätig auf die Straße gehen. Oder fordert unterschwellig zum Steinewerfen auf, indem er den Teufel an die Wand malt. Sich selbst erfüllende Prophezeihung, ganz bewusst nicht nur in Kauf genommen, sondern sogar gewollt?

2004-07-16

Money talks...

...Bullshit walks!
Heiliges Kanonenrohr. Wenn ich dieses fette, dekadente Managerpack sehe, geht mir das Messer in der Tasche auf! Verzicht, Verzicht und nochmal Verzicht im Namen des wirtschaftlichen Fortschritts.
Ich finde ja auch, wir müssen langsam anfangen uns einzuschränken. Es kann kein unbegrenztes Wachstum und keinen ungebremsten Genuss geben, ohne dass die Lebensgrundlagen Aller irgendwann einknicken.
Aber den Großkopferten gehts ja um was Anderes.
Die, die am lautesten den Verzicht fordern, sind seltsamerweise niemals diejenigen, welche signifikant davon betroffen wären. Im Gegenteil. Da wird nach dem Prinzip 'Bigger, better, faster, more' gehandelt.
Sorry, aber ich bin zufällig nicht ganz blind.
Und ja - ich bin bereit zu verzichten.
Auf Coca Cola und McDonalds.
Auf den Daimler und die Reise nach Mallorca.
Auf den Einkauf von Markenklamotten und Süßigkeiten.
Auf CDs der Sony und EMI.
Auf die im Bundestag vertretenen Parteien.
Auf Teilnahme an Kranken- und Rentenversicherung, sobald sie mich lassen.
Und ganz besonders auf Gewerkschaften, wenn sie nicht tun, wofür ich sie bezahle.

'tschulligung, ich politisiere wieder... ach denkt euch doch euren Teil selbst.

2004-07-10

Evolution

Lese grade Stephen Baxters Buch Evolution.
Er beschreibt dort die Geschichte der Menschheit von den Anfängen der ersten Primaten im Kreidezeitalter bis in eine ferne Zukunft 500 Millionen Jahre von heute entfernt. Es ist beeindruckend, die bisherige Entwicklung anhand von Einzelschicksalen und auch aus der Vogelperspektive vor Augen geführt zu bekommen.
Viel beeindruckender aber finde ich den Ausblick, den der Autor für den Fall aufzeigt, dass wir globale Zerstörungstendenzen nicht zu stoppen in der Lage sind: In der von ihm beschriebenen Zukunft degeneriert der Mensch. Seine Intelligenz verschwindet innerhalb weniger Jahrhunderte. Er muss sich dem unbarmherzigen Zwang der Evolution unterwerfen und ist nur noch ein Tier unter vielen. Zurück bleibt eine unüberschaubare Zahl von Primatenarten, die sich an unterschiedlichste Umweltbedingungen anpassen, sich aber ihrer Vergangenheit als Gestalter niemals wieder bewusst werden.
Ziemlich gruselige Vorstellung, wenn man davon ausgeht, dass unser Weg auch zu den Sternen führen könnte...

In kosmischen Maßstäben mag unsere Gegenwart bedeutungslos sein. Dennoch widerstrebt mir der Gedanke schon seit 20 Jahren, dass wir unsere gesamte Existenz, die sogenannte 'westliche' Lebensweise, nur noch an der Aufhäufung von Reichtümern ausrichten, dass Umwelt, menschliche Arbeitskraft, soziale Aspekte, Kunst - ja sogar das Leben selbst lediglich als Waren betrachtet werden, deren Ausbeutung zu optimieren ist.

Das war nicht immer so. Und wenn es immer so gewesen wäre, sind doch andere Daseinsformen, andere Arten des Wirtschaftens und andere Gesellschaften denkbar.

Aber das Artenschlachten geht weiter. Die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts. Die Erhöhung des Vernichtungspotentials. Die Anhäufung von Kapital in den Händen weniger. So als hätte es nie einen Buddha, einen Häuptling Seattle, einen Marx, einen Gandhi, einen Club of Rome gegeben.

Vielleicht könnten wir uns solche Dekadenz leisten, wenn wir uns ins All ausgebreitet hätten. Aber dieser Steinklumpen hier ist alles was wir haben. Wenn etwas schiefgehen sollte, werden sich unsere Nachfahren nicht mehr davon erholen. Denn alle leicht erreichbaren natürlichen Ressourcen sind schon längst aufgebraucht.
Unter Intelligenz verstehe ich irgendwie etwas anderes, als 'westliche' Lebensweise.

2004-07-08

Wirtschaftswunder

Wisst ihr, was das wahre Wirtschaftswunder ist?
Dass die ganze Arbeit, die wir leisten, heute weniger wert ist als früher. Und dass das ganze viele Geld, das mal im Umlauf war, jetzt auf einmal an allen Ecken und Enden fehlt. Unbelievable, oder? Ich glaube gar, hier mitten unter uns sitzt irgendwo ein gefräßiges schwarzes Wirtschaftsloch, das immer schneller immer mehr Kapital in sich aufsaugt.
Oder nein - es sitzt nicht unter, sondern über uns. Jedenfalls im übertragenen Sinne.
Mal im Ernst. Wir sollten viel mehr Opferbereitschaft zeigen! 42-Stunden-Woche? Oder besser 50-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich? Rente mit 70? Eine Woche Urlaub streichen?
Alles Quatsch! Der Urlaub gehört komplett gestrichen. Denn erstens gibts ab jetzt eh kein Urlaubsgeld mehr und zweitens würde man das Geld nur sinnlos ins Ausland tragen, so dass es der deutschen Wirtschaft fehlt.
Genauso sollte es Rente erst ab 75 geben. Dann spart man sich die Kohle für all die Leute, die früher abkratzen.
Über längere Arbeitszeiten muss man auf jeden Fall nachdenken. Überlegt doch mal. Wer soll die hohen (und weiter steigenden) Gehälter der Konzernvorstände, der Aufsichtsräte und des Managements noch zahlen? Die MÜSSEN doch Leute entlassen, sonst wirft die Firma nicht genug für eine sechste Villa auf den Bahamas ab! Die Arbeit darf aber dennoch nicht liegen bleiben und die Arbeitslosen (stehendes Heer von fast 5 Mio Mann) wollen ja auch von was leben, ne?
Und schließlich - so'n bisschen Sklaverei im Namen des Wohlstands kann doch nichts schaden. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn unsere Elite klapperdürr zu Konferenzen erscheint, um im sprichwörtlichen Hunger zu reden?

Sagt mal, Leute.... GEHTS NOCH ?!?!

2004-07-07

Der Anfang vom Ende

Ok, jetzt hats mich auch erwischt. Eigentlich dacht ich mir ja: "Jeden blöden Modetrend brauchste nicht mitmachen", aber irgendwie ausprobieren wollt ich die Bloggerei schon mal. Als Kind hatte ich über kurze Zeit ein Tagebuch geführt, das ich - clever wie ich war - unterm Schrank versteckte, wo Mutter nieeeeeeee niemals nicht nachschauen würde ;-)

Natürlich gab das irgendwann Stress, denn schließlich ist ein Tagebuch dazu da, sich auszuheulen, ohne jemand damit vor den Kopf zu stoßen. Die folgenden Jahre zog ich konsequent den Schluss, dass meine Gedanken in meinem Hirn ganz gut aufgehoben wären und sonst eigentlich auch niemanden was angingen.
Memoiren? Biografien? Blogs? Das ist was für geistige Exhibitionisten. Für Leute, die ihr Herz sowieso schon auf der Zunge tragen.

Naja. Ich bilde mir nicht ein, dass dieses Weblog zu den originelleren seiner Art zählen wird. Meine Motivation, einen Schritt in die Öffentlichkeit zu tun, der mir eigentlich zuwider ist, ist mir selbst noch nicht ganz klar.

Auf jeden Fall ist es eine prima Möglichkeit, meine schändlich vernachlässigte Seite nach langer Zeit ein wenig auf aktuelles Niveau zu heben. Und vielleicht ist der eine oder andere Leser dann besser im Bilde, warum ich heute schon wieder so grantlig reagiere ;-)