2004-07-31

Tick Tick

Ein böses Grinsen zaubert mir die Hartz-Debatte ins Gesicht. Wacht dieses verpennte, obrigkeitshörige Volk jetzt endlich auf und wehrt sich gegen eine Regierung und eine Wirtschaft, die sich zwar Freiheit auf die Fahnen geschrieben haben, letztlich jedoch den Menschen als Sklaven äußerer "Notwendigkeiten" (lol. ein anderes Wort für die ungezügelte Gier der Besitzenden) behandeln?
Kommt vielleicht endlich jemand auf die Idee, dass nicht der Staat für Arbeitslosigkeit sorgt, sondern die Wirtschaft, und dass genau diese eigentlich für die Folgen gradestehen müsste?
Nein, die will immer mehr Stücke aus der Torte haben, aber keine kleineren versteht sich.

Oh, da sieht jemand den Mob gewalttätig auf die Straße gehen. Oder fordert unterschwellig zum Steinewerfen auf, indem er den Teufel an die Wand malt. Sich selbst erfüllende Prophezeihung, ganz bewusst nicht nur in Kauf genommen, sondern sogar gewollt?

2004-07-16

Money talks...

...Bullshit walks!
Heiliges Kanonenrohr. Wenn ich dieses fette, dekadente Managerpack sehe, geht mir das Messer in der Tasche auf! Verzicht, Verzicht und nochmal Verzicht im Namen des wirtschaftlichen Fortschritts.
Ich finde ja auch, wir müssen langsam anfangen uns einzuschränken. Es kann kein unbegrenztes Wachstum und keinen ungebremsten Genuss geben, ohne dass die Lebensgrundlagen Aller irgendwann einknicken.
Aber den Großkopferten gehts ja um was Anderes.
Die, die am lautesten den Verzicht fordern, sind seltsamerweise niemals diejenigen, welche signifikant davon betroffen wären. Im Gegenteil. Da wird nach dem Prinzip 'Bigger, better, faster, more' gehandelt.
Sorry, aber ich bin zufällig nicht ganz blind.
Und ja - ich bin bereit zu verzichten.
Auf Coca Cola und McDonalds.
Auf den Daimler und die Reise nach Mallorca.
Auf den Einkauf von Markenklamotten und Süßigkeiten.
Auf CDs der Sony und EMI.
Auf die im Bundestag vertretenen Parteien.
Auf Teilnahme an Kranken- und Rentenversicherung, sobald sie mich lassen.
Und ganz besonders auf Gewerkschaften, wenn sie nicht tun, wofür ich sie bezahle.

'tschulligung, ich politisiere wieder... ach denkt euch doch euren Teil selbst.

2004-07-10

Evolution

Lese grade Stephen Baxters Buch Evolution.
Er beschreibt dort die Geschichte der Menschheit von den Anfängen der ersten Primaten im Kreidezeitalter bis in eine ferne Zukunft 500 Millionen Jahre von heute entfernt. Es ist beeindruckend, die bisherige Entwicklung anhand von Einzelschicksalen und auch aus der Vogelperspektive vor Augen geführt zu bekommen.
Viel beeindruckender aber finde ich den Ausblick, den der Autor für den Fall aufzeigt, dass wir globale Zerstörungstendenzen nicht zu stoppen in der Lage sind: In der von ihm beschriebenen Zukunft degeneriert der Mensch. Seine Intelligenz verschwindet innerhalb weniger Jahrhunderte. Er muss sich dem unbarmherzigen Zwang der Evolution unterwerfen und ist nur noch ein Tier unter vielen. Zurück bleibt eine unüberschaubare Zahl von Primatenarten, die sich an unterschiedlichste Umweltbedingungen anpassen, sich aber ihrer Vergangenheit als Gestalter niemals wieder bewusst werden.
Ziemlich gruselige Vorstellung, wenn man davon ausgeht, dass unser Weg auch zu den Sternen führen könnte...

In kosmischen Maßstäben mag unsere Gegenwart bedeutungslos sein. Dennoch widerstrebt mir der Gedanke schon seit 20 Jahren, dass wir unsere gesamte Existenz, die sogenannte 'westliche' Lebensweise, nur noch an der Aufhäufung von Reichtümern ausrichten, dass Umwelt, menschliche Arbeitskraft, soziale Aspekte, Kunst - ja sogar das Leben selbst lediglich als Waren betrachtet werden, deren Ausbeutung zu optimieren ist.

Das war nicht immer so. Und wenn es immer so gewesen wäre, sind doch andere Daseinsformen, andere Arten des Wirtschaftens und andere Gesellschaften denkbar.

Aber das Artenschlachten geht weiter. Die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts. Die Erhöhung des Vernichtungspotentials. Die Anhäufung von Kapital in den Händen weniger. So als hätte es nie einen Buddha, einen Häuptling Seattle, einen Marx, einen Gandhi, einen Club of Rome gegeben.

Vielleicht könnten wir uns solche Dekadenz leisten, wenn wir uns ins All ausgebreitet hätten. Aber dieser Steinklumpen hier ist alles was wir haben. Wenn etwas schiefgehen sollte, werden sich unsere Nachfahren nicht mehr davon erholen. Denn alle leicht erreichbaren natürlichen Ressourcen sind schon längst aufgebraucht.
Unter Intelligenz verstehe ich irgendwie etwas anderes, als 'westliche' Lebensweise.

2004-07-08

Wirtschaftswunder

Wisst ihr, was das wahre Wirtschaftswunder ist?
Dass die ganze Arbeit, die wir leisten, heute weniger wert ist als früher. Und dass das ganze viele Geld, das mal im Umlauf war, jetzt auf einmal an allen Ecken und Enden fehlt. Unbelievable, oder? Ich glaube gar, hier mitten unter uns sitzt irgendwo ein gefräßiges schwarzes Wirtschaftsloch, das immer schneller immer mehr Kapital in sich aufsaugt.
Oder nein - es sitzt nicht unter, sondern über uns. Jedenfalls im übertragenen Sinne.
Mal im Ernst. Wir sollten viel mehr Opferbereitschaft zeigen! 42-Stunden-Woche? Oder besser 50-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich? Rente mit 70? Eine Woche Urlaub streichen?
Alles Quatsch! Der Urlaub gehört komplett gestrichen. Denn erstens gibts ab jetzt eh kein Urlaubsgeld mehr und zweitens würde man das Geld nur sinnlos ins Ausland tragen, so dass es der deutschen Wirtschaft fehlt.
Genauso sollte es Rente erst ab 75 geben. Dann spart man sich die Kohle für all die Leute, die früher abkratzen.
Über längere Arbeitszeiten muss man auf jeden Fall nachdenken. Überlegt doch mal. Wer soll die hohen (und weiter steigenden) Gehälter der Konzernvorstände, der Aufsichtsräte und des Managements noch zahlen? Die MÜSSEN doch Leute entlassen, sonst wirft die Firma nicht genug für eine sechste Villa auf den Bahamas ab! Die Arbeit darf aber dennoch nicht liegen bleiben und die Arbeitslosen (stehendes Heer von fast 5 Mio Mann) wollen ja auch von was leben, ne?
Und schließlich - so'n bisschen Sklaverei im Namen des Wohlstands kann doch nichts schaden. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn unsere Elite klapperdürr zu Konferenzen erscheint, um im sprichwörtlichen Hunger zu reden?

Sagt mal, Leute.... GEHTS NOCH ?!?!

2004-07-07

Der Anfang vom Ende

Ok, jetzt hats mich auch erwischt. Eigentlich dacht ich mir ja: "Jeden blöden Modetrend brauchste nicht mitmachen", aber irgendwie ausprobieren wollt ich die Bloggerei schon mal. Als Kind hatte ich über kurze Zeit ein Tagebuch geführt, das ich - clever wie ich war - unterm Schrank versteckte, wo Mutter nieeeeeeee niemals nicht nachschauen würde ;-)

Natürlich gab das irgendwann Stress, denn schließlich ist ein Tagebuch dazu da, sich auszuheulen, ohne jemand damit vor den Kopf zu stoßen. Die folgenden Jahre zog ich konsequent den Schluss, dass meine Gedanken in meinem Hirn ganz gut aufgehoben wären und sonst eigentlich auch niemanden was angingen.
Memoiren? Biografien? Blogs? Das ist was für geistige Exhibitionisten. Für Leute, die ihr Herz sowieso schon auf der Zunge tragen.

Naja. Ich bilde mir nicht ein, dass dieses Weblog zu den originelleren seiner Art zählen wird. Meine Motivation, einen Schritt in die Öffentlichkeit zu tun, der mir eigentlich zuwider ist, ist mir selbst noch nicht ganz klar.

Auf jeden Fall ist es eine prima Möglichkeit, meine schändlich vernachlässigte Seite nach langer Zeit ein wenig auf aktuelles Niveau zu heben. Und vielleicht ist der eine oder andere Leser dann besser im Bilde, warum ich heute schon wieder so grantlig reagiere ;-)