2004-08-18

Schlaflos

Wieder eine schlaflose Nacht, in der ich mich geärgert habe.
Geärgert darüber, dass alle möglichen Seiten Ansprüche an dich stellen, aber keiner bereit ist, einen Gegenwert zu bieten oder wenigstens mal einen meiner Wünsche zu erfüllen. So vieles ist außer Mode gekommen. Freundlichkeit. Zuverlässigkeit. Rücksichtnahme. Dinge, die leicht machbar wären. Ich habe ehrlich gesagt meinerseits langsam keine Lust mehr, jemandem entgegenzukommen.
Fatal, natürlich, weil grade das einen Prozess beschleunigen würde, den ich unschön finde. Aber so fühle ich mich nun mal gerade und es ist gut, es einfach herauskotzen zu können. Es hilft die Wut abzubauen und auf vernünftige Weise weiterzuleben.

2004-08-15

Camp Concentration

"Er fragte, warum ich so töricht gewesen sei, mich als Kriegsdienstverweigerer einsperren zu lassen, anstatt mich aus anderen Gründen vom Wehrdienst zu drücken.
Ich kenne niemanden, der mir nicht bei der ersten Gelegenheit die gleiche Frage gestellt hätte. Es gehört zu den Problemen dessen, der für seine Überzeugung leidet, dass er, durchaus ungewollt, das schlechte Gewissen der Anderen weckt und in ihren Augen zum Ankäger wird."

Ein Zitat aus dem Buch Camp Concentration von Thomas M.Disch. Eigentlich ein Nebenkriegsschauplatz der Gedanken angesichts eines atomar und biologisch geführten Krieges, der die Welt verwüstet und die Menschen verrohen lässt.
Es stellt sich die Frage, warum Menschen immer wieder bereitwillig ihre Freiheit und ihr Leben dem unstillbaren Hunger der Mächtigen opfern. Warum die Opferlämmer sich nicht über die Grundlagen der Macht klar werden, nämlich ihrer eigenen Arbeitskraft und ihrer eigenen Ängste. Weshalb sie sich nicht frühzeitig gegen die schlimmsten Auswüchse des Machthungers solidarisieren. Warum sie nicht sehen, dass die Spitze der Pyramide abstürzt, wenn der Unterbau wegfällt.

Man kann die Rolle der USA als faschistoide, menschenverachtende Kriegstreiber in dem 1967 erschienenen Buch als zufällig ansehen oder Parallelen zu heute ziehen. Das möge jedem selbst überlassen sein.

Eine der wenigen Konstanten, der wenigen brauchbaren Lehren aus der Geschichtswissenschaft ist jedoch die Korruption der Macht. Der unbezwingbare Trieb, sie auszunutzen, wenn man sich erst einmal in ihrem Besitz befindet. Zu tun, was möglich ist, allein weil es möglich ist.

Unzweifelhaft befinden sich die USA seit ca. 100 Jahren in genau dieser Position, tun zu können, was ihnen beliebt. Immer wieder wird dabei bewiesen, dass Demokratie eine Maske, eine leere Hülse ist, die bestenfalls kaschiert, was hinter den Kulissen abläuft. Schlimmstenfalls als Vehikel dafür dient.
Und dass sie, selbst nach Jahrhunderten der Etablierung, keineswegs vor Diktatur schützt, sondern manchmal eher blind macht.

Neben dem grenzenlos begeisterungsfähigen Amerika sind es gerade auch wir Deutsche mit unserer Blockwartmentalität, unserem latenten Streben nach dem Nachtwächterstaat, die sich anfällig für Mitläufertum zeigen. Bereitwillig werden derzeit wieder Grundrechte abgebaut. Privatsphäre, Fernmeldegeheimnis, soziale Netze.

Man möge diese Ausführungen nicht als Ablehnung der Demokratie verstehen. Auch nicht als Anti-Amerikanismus (obwohl sich der Moloch des Westens in letzter Zeit durch erhöhte Kriegsaktivitäten, einen 460 Mrd. $ schweren Rüstungshaushalt und die Forcierung der Entwicklung neuer A-, B- und C-Waffen das vollauf verdient hätte), sondern vielleicht als Ermunterung "Nein" zu sagen. Selbst wenn die Mehrheit anderer Meinung zu sein scheint. Selbst wenn die Konsequenzen existenzvernichtend aussehen.
Denn man steht selten auf wirklich einsamem Posten, wenn man sich traut den Anfang zu machen. Keine Gesellschaft kann es sich leisten, einen nennenswerten Teil ihrer Glieder auszugrenzen oder zu vernichten, ohne unterzugehen.

Das Buch jedenfalls ist sehr lesenswert, aufgezogen als Tagebuch eines internierten Verweigerers, den man für medizinische Versuche missbraucht. Der von Selbstzweifeln berichtet, von Erlebnissen und von Gesprächen. Der um Antwort auf philosophische Fragen ringt. Dem man trotzige Sturheit vorwirft, weil er couragiert Standhaftigkeit beweist.

2004-08-04

Notplan

Gestern hatte ich 'Notplan'
So nennt man das, wenn ein Zustellbezirk wegen Personalausfall kurzfristig unter den Kollegen aufgeteilt wird. Eigentlich hätte mich das nicht betroffen, denn es handelte sich um keinen jener Bezirke, die in meinem Bereich liegen. Aber man hat mich gefragt, denn die zuständigen Kollegen sind durch Betriebsvereinbarungen vor einer Überzahl an Notplänen geschützt und haben bereits jetzt zur Hälfte des Jahres ihr Arbeitszeitkonto voll.
Coole Sache das :)

Ich übernahm also ein Stück des 'Kuchens', denn ich bekomme diese Zeit nicht ausbezahlt, sondern in Form von Freizeit abgegolten. Das ist fair. Ich muss somit keine zusätzlichen Steuern abdrücken und nehme auch keinem seine Arbeit weg.

Geärgert hab ich mich gestern allerdings über einen 'outgesourcten' (neuwirtschaftsdeutsch für Auftragsvergabe an Fremdfirmen) Zubringerdienst. Die sind zwar billiger als wenn das jemand mit inhouse vorhandenen Mitteln erledigt, aber dafür sind sie oft dumm wie Brot oder älter als Steinkohle.
Der Typ gestern war ein Brot. Arschlangsam und außerdem anscheinend nicht lesebegabt, denn er legte mein korrekt beschriftetes Material an einer völlig falschen Stelle ab.

Kostete mich eineinhalb Stunden Wartezeit plus extra Aufwand, das Material an den richtigen Ort zu transportieren.
Um Geld zu sparen hat man mal einen meiner Kollegen gekündigt, damit diese Billigbrote ran können. Aber so'n Scheiß wie gestern passiert denen ständig. Letztlich bleiben die Kosten die selben, nur Kundschaft und Arbeitnehmer regen sich zunehmend auf...

Genau das Gleiche wird geschehen, wenn sie Arbeitslose zu 1-Euro-Jobs verpflichten. Da ist doch jeder doof, der drei oder vier Jahre Ausbildung macht und dann auf der Straße steht. Ging mir übrigens schon zwei Mal so. Sechs Jahre für'n Arsch. Und ich war nicht schlecht!

Bin aber trotzdem guter Laune, denn das Wetter heute ist wieder sehr schön und außerdem freu ich mich schon auf den Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems. Vorher hat vermutlich eh niemand den Mut, wirklich tiefgreifende und vor allem sozial gerechtere Umstrukturierungen vorzunehmen.