2004-10-28

Wieder Landei

Harry hat uns ne schicke Vierzimmerwohnung geangelt, die wir uns teilen werden. Irgendwo auf dem platten Land bei Euskirchen, in einem Nebengebäude eines Bauernhofs. Weit und breit nur Felder und Wiesen. Es ist genial. Es lebt sich zwar angenehm in Langenfeld, aber ich hab diese Landatmosphäre ziemlich vermisst.

2004-10-25

Strike!

Ha, wer sagts denn? Das Poltern beim Personalchef hat was gebracht. Die wollen Leute loswerden - ich will raus, brauch aber Startkapital.
Der Abfindungsbetrag würde deutlich erhöht, wenn ich noch diese Woche die Arbeit einstelle. Ich wäre ein Sonderfall, hieß es *g*
Ich hops grad wie ein Flummy durch die Wohnung *megafreu*
Es wird wahrscheinlich nicht einfach werden, aber der Job bei der Post gerät mit jeder weiteren Woche ohnehin auf wackligen Boden. Der nächste Tarifvertrag kann betriebsbedingte Kündigungen bestimmt nicht mehr wie bisher ausschließen, aber dann gibts möglicherweise keine nennenswerte Abfindung mehr und vermutlich auch keine passende Chance, sich selbständig zu machen. Also lieber jetzt den Absprung wagen!

2004-10-23

Fuck the commerce

Ein einziger lumpiger Monat fehlt mir. Ein Monat, den ich zu spät fest angestellt wurde, nachdem man mich über ein Jahr mit Zeitverträgen abgespeist hatte. Ein Monat, wegen dem ich nicht unter die 30.000 Euro Abfindungsregel falle und mit mickrigen 7.000 Piepen gehen müsste. Für eine Existenzgründung ist das reichlich knapp.
Aber jetzt erst recht. Ich hab so eine Wut auf diese Kapitalistenschweine. Du darfst nur noch plackern und kriegst immer weniger Gegenwerte dafür. Noch nicht mal Planungssicherheit können sie dir geben. Ich hab genug von dieser Tretmühle und ich mag auch nicht noch weitere 20 Jobs annehmen müssen, bevor man mich in die Gruftiverwahranstalt steckt. Ausbeuten kann ich mich selbst!

2004-10-21

I almost knew

Fishmac: "Hmm aus eigener leidvoller Erfahrung kann ich Dir nur sagen das selbsständig sein ein ziemlich hartes Brot ist. Überhaupt in Zeiten wie diesen. Denke mal das da die Unterschiede zwischen germanien und Ösiland nicht so gravierend sein werden."
Du hast Recht. Die Unterschiede sind nicht so groß. Hier wie da ist man sich selbst immer der schlimmste Ausbeuter. Wenigstens weiß man, für wen man arbeitet und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich vor der Selbständigkeit weniger Schiss habe, als in einem multinationalen Konzern untergebuttert zu werden. Dass ich momentan hilflos zuschauen muss, wie ein seit Jahrhunderten funktionierender Betrieb für kurzfristigen Profit kaputtgewirtschaftet wird, macht mich ganz krank. Denn ausgetragen wird das ausschließlich auf dem Rücken der Arbeitnehmer.
Was heute bei Daimler, Opel, Karstadt, BMG und anderen Multis abläuft, erreicht morgen 100 pro auch die Post. Ich kann es täglich auf Briefzustellung mitverfolgen. Den Paketdienst haben sie ja schon fast klein gekriegt (siehe Spiegel 42/2004).

Ok, ich könnt auch noch anderswo einen Job suchen. Die Erfahrungen bisher waren aber eher so, dass die Schere zwischen Anspruch (Ausbildung, Können, Teamfähigkeit, Flexibilität bla) und Wirklichkeit (hire+fire, Peanutslohn, schlechte Arbeitsbedingungen) für meinen Geschmack viel zu weit auseinander klafft.

Ein weiterer Aspekt, den du sicher auch kennengelernt hast, ist dieses Gefühl, es wenigstens versuchen zu müssen. Eine Idee umzusetzen. Sich freizuschwimmen. Sein eigener Herr zu sein. Selbst wenn man versagt hat, sagen zu können, man hat die Chance ergriffen, statt sie vorübergehen zu lassen.

Man muss natürlich realistisch bleiben. Es wird Probleme geben. Oder Phasen, wo man einfach nicht mehr kann. Nicht erst seit heute nehm ich lieber das in Kauf, als die stetig wachsenden Ansprüche von Leuten befriedigen zu müssen, die in ihrem ganzen saturierten Leben keinen Nagel grade in die Wand geschlagen haben. Leider trau ich mir den Absprung erst jetzt zu. Und noch ist nicht sicher, dass ich ihn auch verwirkliche.

2004-10-14

Begraben

Karstadt/Quelle ging wegen Managementfehlern fast pleite. Das Unternehmen wird um mehr als 5000 Mitarbeiter schrumpfen müssen.
General Motors schmeißt 12.000 Leute in Europa raus, davon 10k in Deutschland. Weil sich das Management verplant hat.
VW und Daimler sparen ebenfalls am Personal.
Der Arbeitgeberpräsident fordert die völlige Aufhebung der betrieblichen Mitbestimmung, die CDU will den Kündigungsschutz lockern usw usf.
Und da ist natürlich die gute Deutsche Post, die im vergangenen Jahr ein erstaunliches Ergebnis erzielte. Damit der f***ing Aktienkurs weiter steigt, müssen etliche Zusteller gehen (die 9000 Fahrer, die sie jetzt schon rausgedrückt haben, reichen natürlich nicht). 

Vorgestern war bei uns im Stützpunkt eine Versammlung, bei der die Personalchefs uns "Kröte 1" verkaufen wollten, damit wir nicht die wesentlich unappetitlichere "Kröte 2" schlucken müssten, welche e-ven-tu-ell kommen könnte.
Dass da was nicht stimmen kann, haben zum Glück selbst die unterbelichtetsten Kollegen kapiert und das gesamte Personal stellt sich nun quer.

So siehts grad überall aus. Bei dem Thema krieg ich Krätze. Wenn der Wirtschaft nicht schleunigst Zügel angelegt werden, knallt es bald bei uns.