2005-09-28

Waking Life

Just watched Waking Life, a film of 1 1/2 hours of philosophy upon life, death, communication, dream and reality.
The most amazing animated cartoon I ever saw.
No, that is the wrong term. Not animated cartoon. It is a painting alive! A Monet combined with a Warhol, running over the screen like water and oil. Nothing keeps shape for longer than a second, but the persons' gestures and facial expressions all look so real.
Despite the irritating visual impressions and the partly mind-fucking explanations on what life is about I was able to keep concentration and understand language (English) and sense of what was said - which amazes me once again :D

The story itself is short: A young man wakes up from a dream, only to find that he is in another dream. Time and time again. Trying to get a hint how to get out he meets people (bon-vivants, psychos, scientists, artists etc) who talk about their view upon things.

Good film for silent moments.

2005-09-06

B.Traven - Das Totenschiff

Woher ich dieses Buch habe - ich weiß es nicht mehr, so lange ist es schon in meinem Besitz. Muss wohl zu den ersten meiner Sammlung gehört haben und stammt vermutlich aus dem kleinen Zimmer im Haus meiner Großeltern, wo mein Onkel beim Auszug einige Dinge zurückgelassen hatte.

Mehrere Male habe ich versucht es zu lesen. Wie ich mich kenne, war ich scharf auf Gespenstergeschichten, Horrorbücher oder Nachtmahrphantasien, wurde aber vom Totenschiff enttäuscht, denn schon allein die Sprache tendiert in eine andere Richtung.
Seitdem steht das Buch schon bald 10 Jahre unberührt zwischen etlichen anderen. Vor drei Tagen zog ich es heraus und verschlang es.

Der Held, ein Seemann aus New Orleans, der so unvorsichtig war, im Antwerpen der 1920er Jahre die Ausfahrt seines Schiffes zu versäumen, gerät in die Mühlen staatlicher Bürokratie. Von da an beginnt eine Odyssee durch die Amtsstuben halb Europas, wo man überall auf den Erhalt von Recht und Ordnung bedacht ist. Ein Fremder ohne Papiere passt da schwerlich hinein. Treuer Dienst für den Paragraphendschungel erlaubt auch nicht die Ausstellung neuer Papiere und so kann der unerwünschte Seemann regulär weder ausreisen noch bleiben, sondern wird wiederholt abgeschoben.
Schließlich landet er auf einem "Totenschiff" (wie er es nennt), dem alten Seelenverkäufer Yorikke, den er, weil er zum Staatenlosen, zum Ausgestoßenen geworden ist, nicht mehr verlassen kann. Er ist dort gezwungen, unter unmenschlichen Bedingungen zu leben und zu arbeiten. Auf einem "Eimer", der ganz offensichtlich für den Untergang bestimmt ist und dessen Mannschaft den Traum vom Leben ausgeträumt hat, bewahrt er seinen speziellen Humor als todgeweihter Lebender unter den lebenden Toten.

Zu lachen hat er genug, denn die Absurditäten des Alltags ebenso wie die Scheinheiligkeit seiner Zeitgenossen begegnen ihm nicht nur auf Schritt und Tritt, er wird zu ihrem Spielball.
Sprache und Handlung erinnern an Grimmelshausen. So ist oberflächlich besehen Das Totenschiff sehr amüsant zu lesen. Aber ähnlich wie beim Simplicissimus steckt Zunder hinter der Sponti-Logik des Seemanns, seiner oft naiven Sicht der Dinge, mit der er preussischen Kleingeist der Lächerlichkeit preisgibt:
[auf einem französischen Polizeirevier]
"Wollen wir erst mal die Personalien festhalten."
Gut, wenn sie nur die Personalien festhalten, das ist mir lieber, als wenn sie mich festhalten.
"Nationalität?"
Eine heikle Frage jetzt. Ich habe so ein Ding nicht mehr, seitdem ich nicht beweisen kann, dass ich geboren bin...
"Ich bin ein Deutscher" platzte ich nun 'raus; denn mir kam ganz plötzlich die Idee, dass ich doch mal sehen möchte, was sie mit einem Boche machen, wenn sie ihn ohne Pass und ohne Fahrkarte in ihrem Lande finden...
"Warum haben Sie denn keinen Pass?"
"Den habe ich verloren."
Nun ging es die ganze Reihe wieder herunter. In jedem Lande haben sie genau dieselben Fragen. Hat einer vom andern abgeschrieben. Erfunden wurden sie wahrscheinlich in Preußen oder in Russland, denn alles, was sich um Einmischung in Privatverhältnisse eines Menschen handelt, kommt aus einem der beiden Länder.. Da sind die Leute am geduldigsten und lassen sich alles gefallen, und vor einem blanken Knopf nehmen sie die Mütze ab. Denn in jenen Ländern ist der blanke Knopf der böse Gott, den man verehren und anbeten muss, damit er sich nicht rächt.
Immer wieder lässt Traven seinen Seemann über Freiheit nachdenken bzw. lässt sie ihn leben, abseits kapitalistischer, nationalistischer oder kommunistischer Utopien, die er als Zerrbilder, Perversionen, geistige Käfige für die Massen entlarvt. Bisweilen wird er ätzend-sarkastisch, ganz selten kommt dabei auch Klartext heraus:
...Es ist so unerhört lächerlich, dass alle die Länder, die von sich behaupten, sie seien die freiesten Länder, in Wahrheit ihren Bewohnern die geringste Freiheit gewähren und sie das ganze Leben hindurch unter Vormundschaft halten. Verdächtig ist jedes Land, wo soviel von Freiheit geredet wird, die angeblich innerhalb seiner Grenzen zu finden sei. Und wenn ich bei einer Einfahrt in den Hafen eines großen Landes eine Riesenstatue der Freiheit sehe, so braucht mir niemand zu erzählen, was hinter der Statue los ist. Wo man so laut schreien muss: Wir sind ein Volk von freien Menschen! da will man nur die Tatsache verdecken, dass die Freiheit vor die Hunde gegangen ist oder dass sie von Hunderttausenden von Gesetzen, Verordnungen, Verfügungen, Anweisungen, Regelungen und Polizeiknüppeln so abgenagt worden ist, dass nur noch das Gesschrei, das Fanfarengeschmetter und die Freiheitsgöttinnen übriggeblieben sind...
Über Travens Identität besteht bis heute Unklarheit, woran er, der wohl in anarchistischen Kreisen verkehrte, selbst Interesse gehabt haben muss. Das Totenschiff (The Death Ship) erschien 1926 (wurde 1959 mit Horst Buchholz und Mario Adorf verfilmt). Die Story klingt jedoch nicht die Bohne antiquiert und die Einsichten des Seemanns, dessen Geschichte bis zu einem überraschenden Schluss erzählt wird, bleiben sicher noch für Jahrhunderte aktuell.

2005-08-10

Points of view

The way to be, the way to see
it's up to you if something hurts
It's up to you if something makes you stronger
(Stonefield)

Fotos... zehntausend Kilometer zwischen zwei Nasen. Irgendwie geht mir das nicht ins Hirn rein.
Ich glaube ich habe einen großen Glücksgriff getan und dadurch gleichzeitig einen Problem eingehandelt. Aber vielleicht gehört das untrennbar zusammen und es wird Zeit, dass ich es langsam einsehe. Bin nicht der Realist, der seine eigene kleine Welt so negativ erlebt, wie sie tatsächlich ist, sondern ein Pessimist in einem Wald von Möglichkeiten, aus denen er nur was machen müsste.
Ich hasse die Macht der Düsternis. Ich hasse sie. Jedesmal wenn sie die Finger nach dir ausstreckt, schmeichelt sie dir. Du willst dich darin suhlen. Aber sie zieht dich erbarmungslos in die Tiefe, wenn du dich nicht in Acht nimmst, raubt dir die Sicht und nimmt dir jede Kraft. Und wärs nicht genau so sinnlos, dem ganzen Spuk ein Ende zu setzen wie ihn zu ertragen... (whether 'tis nobler in the mind to suffer the slings and arrows of outrageous fortune, or to take arms against a sea of troubles and, by opposing, end them. haha!) ...vielleicht hätte sie mich dann schon klein gekriegt.

Nein, kein Grund zur Besorgnis. Ich hab nicht vor, Dummheiten zu begehen. Die letzte Woche war nur so furchtbar anstrengend. Das hatte ich mir selbst zuzuschreiben. Daher fühle ich mich ziemlich angepisst. Zu sehen, dass der Grund dafür wie so oft in mir selbst lag. Dennoch unfähig zu sein, etwas dagegen zu unternehmen.

Vielleicht müssen wir erfahren, dass das ewige Leid nichts anderes ist, als unsere ewige Gier und unsere ewige Unersättlichkeit (Lafcadio Hearn)

2005-05-25

Murphy's Law

Arbeitet das Schicksal stets
dem Willen entgegen
oder ist es nicht eher so
dass der Mensch der natürlichen Ordnung
teilweise erfolglos begegnet
indem er versucht
Strukturen und Regeln zu schaffen
wo Chaos ist?
Ist der Einbruch der Unordnung
in eine nicht haltbare Domäne
des planenden Menschen in Wirklichkeit
ein hoffnungsloses Marodieren
humanen Geistes in feindlichen Gefilden?

2005-05-19

Habs ja so gewollt

...meme...
3) Which event in your life was most important in making you the person you are today?
Life is a constant stream for me in which every action results in another one. And none is more or less important than the one before. So I really can't tell.
...

2005-05-11

Guten Morgen

Die Welt ist keine Kugel. Sie ist auch keine Scheibe. Eher gleicht sie einem Teller, einem rotierenden Ring, welcher nicht vom Weltenmeer umfangen wird, sondern es selbst umschließt.

Wer auf schlüpfrigen Pfaden dem Abgrund entlang wandert, der kann schon mal unverhofft über den Tellerrand rutschen. Tut er es auf der falschen Seite, so führt sein Weg direkt ins Herz des Universums, wo noch immer heißer Dampf die Ursuppe umwabert.
In dieser schwimme ich nun.
Das tote Auge eines Fisches glotzt mich starren Blickes an. Er hat mehr Schuppen als ich, fällt mir auf. Ich bin dankbar, denn das Schicksal hätte mich härter strafen können, wie man sieht.
Auch andere Augen beobachten mich. Nicht weniger tot, aber heiß und fettig. Sie sind mir unheimlich und ich weiche ihnen gewissenhaft aus, remple dabei jedoch eine dicke Nudel an (He! Können Sie nicht aufpassen?), in deren weicher Haut ich zunächst versinke, bevor sie mich zurückfedert.
Den Schwung nutzend entferne ich mich schnell von ihr, denn sie macht Anstalten, mir nachzusetzen, während ich mir noch überlege, woher ich sie kenne. Wie hieß sie doch gleich? Makkaroni? Tortellini? Irgendsowas... Jedenfalls schimpft sie laut in einer südländischen Sprache, die gut und gern Italienisch sein könnte.
Schließlich hänge ich die temperamentvolle Nudel ab. Keuchend gibt sie auf, geschlagen von einem beinahe-Nichtschwimmer.
Aber auch mich verlassen langsam alle Kräfte. Ich habe mich zu weit vom Rand entfernt. Über mir kreisen Vögel.
Ich mag Vögel. Und sie wiederum lieben mich.
Besonders die Geier, die da über mir ihre Runden ziehen.
Sie sind groß und ihre sechs Beine sind behaart. Man erkennt sie an den rötlich schillernden Augen und dem Saugrüssel, und ein solcher greift nach mir, als eins der kleineren Tiere im Tiefflug über mich hinwegfegt, dabei heftige Wellen auf der Oberfläche schlagend. Mit einem Ruck werde ich kurz aus der Suppe gehoben. Das Vieh hat wohl einen Fetzen Kleidung zu fassen bekommen, taumelt aber nun angesichts des unverhofften Zusatzgewichts und verliert sofort an Höhe. Zur Hälfte bin ich schon wieder eingetaucht, als der Geier sich überschlägt. Plötzlich seinem Griff entwunden versinkt ein geschundener Körper in der Brühe und taucht gerade noch rechtzeitig wieder auf, um das Tier kopfüber auf der Oberfläche aufklatschen zu sehen.
Neue, noch höhere Wellen schlagen über meinem Kopf zusammen. Sie treiben mich weiter und weiter auf die offene Bouillon hinaus, fort vom rettenden Ufer. Tränen der Verzweiflung drücken ins Auge. Aber ich schlucke sie hinunter, bevor sie zu fließen beginnen, denn die Suppe ist auch ohne mein Zutun schon tief genug! Was bleibt mir andres übrig, als mich auf den Rücken zu drehen und toter Mann zu spielen?
Oder bin ich's schon?

2005-05-01

Gnade der Ungeburt

Erneut genügte ein Wort. Ein Augenblick, eine Sekunde, die einen normalen Tag in schwarzen Nebel tauchte, die Welt schrumpfen ließ, ihr jeden Aspekt der Freude nahm. Dies ist nicht das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Viel schlimmer. Nichts hat sich wirklich geändert. Alles steht unverrückbar am alten Platz, einzementiert, vernagelt, angekettet, festgerostet.
Und lasst uns keinesfalls den tragischen Helden vergessen, in dessen Macht es allein stünde, den Befreiungsschlag zu führen. Ha! Er selbst band seine Hand in gordischen Knoten, nun unfähig, sich seiner zu entledigen.

2005-03-13

One of these days

Sie kehrten wieder. Im tristen Grau eines trüben Morgens kamen sie aus der gleichen Richtung angeschlichen, wie all die Male zuvor. Aber er hatte nicht damit gerechnet, denn es war lange her, seit sie sich das letzte Mal an seine Fersen geheftet hatten.
Zunächst war es nur eine Ahnung von Gefahr, die ihn beim Blick auf den Birkenhain befiel, ein Tanz von Schatten mehr, als eine wahrnehmbare Bewegung. Doch dann lösten sich die Wölfe vom Hintergrund ab, einem Nebel so dicht - so tot und doch auf unheimliche Weise lebendig, wie ein Dunst verloren geglaubter Seelen, der Aufmarsch einer Armee unkörperlicher Kadaver.
Wie gelähmt blickte der Träumer den Wölfen entgegen, die sich ohne Hast zwischen den alten Bäumen des Friedhofs bewegten, für das Auge noch immer verschwommene Schemen, doch das rubinrote Glitzern, das höllische Funkeln vermeinte er schon wahrgenommen zu haben. Vielleicht sah er nur Erinnerungen. Aber das spielte keine Rolle. Er wusste was kommen würde. Er wusste, dass SIE kommen würden. Und er wusste auch, dass er besser den Blick abgewendet hätte, als er noch Zeit dazu gehabt hatte. Nun war es zu spät. Sie würden angreifen. Einer nach dem anderen. Oder auch alle gemeinsam. Sie machten sich ein grausames Spiel daraus, ihn gemächlich einzukreisen. Lautlos. Unabwendbar.
Er hätte sich nicht auf den Friedhof begeben sollen. Nicht so früh. Nicht in seinem Zustand. Alte Gewohnheiten waren schuld. Wer es nie erfahren hat, wird es wohl nicht glauben. Dass auch Schmerz, dass auch Furcht sich einen angestammten Platz im Alltag erschleichen können. Dass sie dich besuchen wie ein alter Freund, an immer die selbe Tür klopfen, nachdem sie stets den gleichen Weg durchs Dickicht genommen haben, bis sie ihre Spuren in deinem Leben hinterlassen, ausgetretene Wildwechsel, Trampelpfade durch den Nebel über einem uralten Totenacker.
Als der Träumer sich schließlich umdrehte, sein gehetzter Blick auf der Suche nach einem Ausweg auf die in unendlicher Ferne stehende Friedhofspforte fiel, da hatte ihn bereits alle Hoffnung verlassen. Der Pfad hinaus war verstellt. Und wäre er frei gewesen, so hätten die Wölfe ihn doch eingeholt.
Sie waren viele. Er nur Einer. Er hatte Freunde, ja. Sie befanden sich sogar ganz in der Nähe, direkt jenseits der Mauer. Sie riefen nach ihm. Doch der Nebel schluckte ihre Worte, so dass der Träumer sie nicht verstand, auch wenn er sich noch so sehr bemühte. So gerne wäre er bei ihnen gewesen, hätte sich in der Sicherheit ihrer Gegenwart gewiegt, hätte mit ihnen gesungen und lachend die bösen Geister vertrieben. Aber er konnte nicht. Der Nebel. Die Wölfe. Die Mauer mit der verschlossenen Pforte darin. Niemand sah seine Not.
Der Augenblick war gekommen, sich einem übermächtigen Feind zu stellen, Kraft aus dem letzten Funken Hoffnung zu schöpfen und zu kämpfen - oder sich niederringen und zerfleischen zu lassen.
Viele Stunden verstrichen, in denen Ausbruchsversuche des Träumers und Angriffe der Wölfe einander abwechselten. Es mochte Äonen dauern. Für den Träumer hätte es keinen Unterschied gemacht. Schwer blutend, ausgelaugt und beinahe gefühllos lag er am Boden, als die Sonne endlich den Dunst untoter Seelen durchdrungen und die Wölfe zurück in die Tiefen des Waldes getrieben hatte. Sie würden wiederkehren. Sie würden ihn eines Tages vielleicht sogar auf offenem Feld überraschen, um ihm weitere Wunden zuzufügen. Wunden die nie heilten. Die aufbrachen und schwärten, und die so lange bluteten, bis auch das letzte bisschen Leben versickert sein würde.
Aber bis dahin war ja noch etwas Zeit. Er würde versuchen sie zu nutzen.

2005-03-07

Kurz zusammengefasst

Was will ich tun? - Es liegt bei mir.
Mein Vater sagt: Ein richt'ger Mann trinkt Bier

Wo ist mein Platz? - Ich müsst doch seh'n:
Ein richt'ger Mann pinkelt im Steh'n

Wie soll ich sein? - Er weiß genau:
Ein richt'ger Mann schlägt seine Frau

Wo ist sie hin? Die Flasch' ist leer.
Und auch sein Schwengel steht nicht mehr.

2005-02-25

Aussetzer

Eine Bewegung fließender Art
das gleitende Drehen einer Lafette
die blind und unbewusst in Anschlag geht
furchtlos ihr Ziel suchend
Licht spielt über Oberflächen
wirft kühnen Schwungs seine sanften Schatten
die mit jeder Bogensekunde neue
erstaunliche Formen annehmen
bis die Bewegung mit einem unhörbaren
aber deutlichen Klicken unversehens beendet
und der traumwandelnde Betrachter dem
Schock der Entdeckung ausgesetzt ist
dass der Mond seine Blicke bemerkt
und beschlossen hat seine Bahn
nicht länger über den Himmel zu ziehen
um für einen Moment zurückzustarren
Im grellen Schein der Sonne fügt Ton in Ton
sich zu hypnotisch leuchtenden Kreisen
auf seinem Antlitz während des Träumers
gerade noch lebendige Gedanken
in den tiefen Gewässern seines nun
aufgewühlten Gemüts zu ertrinken drohen
Doch der Augenblick verstreicht und
die Gestirne setzen leise lächelnd
unbeirrbar ihren ewigen Tanz fort...

2005-02-17

Der am Rad dreht

Käse
Der Zug hat dich mit sich fort genommen
In die Lande jenseits der Felder

Ein Haar hängt vorwitzig
am Ärmel meiner Jacke
Ein Teil von dir ist geblieben

Der Raum in dem du weiltest
riecht nun anders.
Dein Parfum ist ausdauernder als du.

Da sind Spuren im Matsch
unterhalb eines Ortsschildes
Du hast Eindruck hinterlassen.
(außerdem stehts jetzt ein wenig krummer da ;)

Fuck fuck fuck!
Die Leitung ist schon wieder tot. Die Geister der letzten 600 Jahre, in denen dieses Gemäuer Im Schneppenheimer Feld steht, mögen keine elektromagnetischen Wellen. Sie wollen allein gelassen werden.
Ich nicht. Insofern unterscheide ich mich grundlegend von ihnen - und von meiner eigenen Vergangenheit, die von einer tiefen Abneigung und einem noch tieferen Misstrauen gegen jede Berührung geprägt war. Gerade das Netz hat sehr viel zum Einsturz dieser mentalen Mauer beigetragen, deren verfluchte Fundamente nun Zug um Zug herausgerissen werden.

Ich weiß nicht, ob irgend jemand ermessen kann, wieviel Freiheit die Kupferdrähte und Glasfaserkabel dieser Welt durchströmt, aber mit ihnen verbunden zu sein ist wie eine Infusion reinster Nährlösung.
Nun da mal wieder nichts mehr geht, kehrt sofort eine unterschwellige Unruhe zurück...

 Nein, in der Stadt fühlte ich mich jetzt auch nicht besser. Ich bin ja keineswegs von der Umwelt abgeschnitten. Wenige Schritte sind es nur bis zum Auto. Trotzdem...

2005-01-24

Gruselkabinett

Gespaltene Dickschädel träumen von
sonnigen Stränden, wo sie beim Anblick von
Wasserleichen den Tod vergessen.
Abgestürzte Gestalten hängen ihre Unschuld
beteuernd in den Seilen eines ungeöffneten
Fallschirms.
Der Anthropo... dingens, der Kannibale, ja der
kocht sich einen Menschenfraß aus all
den Bauern, die er gefangen hat.
Ein junger Ganove gibt sein Ehrenwort,
dass in der Badewanne bloß Wasser war
Er hat sie ausgetrunken.
Der rot angelaufene Grünschimmel rettet unsere
Freiheit, indem er uns kollektiv in
Schutzhaft nimmt.
Sein Freund macht lang schon ernst, denn
unter einem krüppligen Busch züchtet er
rein demokratische Riesenpilze.
//wenN maN eineN sumpF trockenlegeN wilL,
//darF maN nichT miT den fröscheN redeN
//hahA
Nun reg dich doch nicht unnötig auf. Sie nehmen
dir nur dein Leben.
Kein Grund davonzulaufen!

In den letzten Tagen sind mir einige perverse Sprüche untergekommen (und zugegebenermaßen auch selbst eingefallen). Ich dachte, wenn ich die jetzt nicht alle aufschreibe, erfährt die Menschheit niemals, was abgeht ;-)
Nachrichten nagen an der psychischen Gesundheit der Zuhörer, aber natürlich ist hauptsächlich Marilyn Manson dran schuld.
Als Skispringerin wäre ich allerdings ziemlich irritiert, wenn jemand meinen Trainer fragte, ob ich eine Wundertüte wäre, in der alles mögliche drinsteckt.

2005-01-23

Looking Glass

...
Vernunft - ein anmaßender Zustand utopischer Rationalität.
Funktioniert immer dann am besten, wenn man sie nicht braucht.
Und stört gelegentlich ungeheuer durch Abwesenheit.
Wen wundert es, dass das Zynikerlexikon den Begriff nicht kennt?
...

2005-01-17

Alte Liebe rostet nicht

Neulich sah ich sie wieder. Im Supermarkt.
Nein, nicht an der Kasse, sondern weiter hinten, zwischen Marmelade und Honig. Hab sie natürlich sofort wieder erkannt, schließlich war ich schon als kleiner Bub in sie verliebt. Sie ist fülliger geworden um den Bauch, aber süß ist sie immer noch. Und einfach unwiderstehlich. Sie ist so braun. Wow. Echt zum Reinbeißen.
Ich schleich mich von der Seite ran und sag scherzhaft: "Hey Babe, kommst du mit zu mir?"
Sie tut so, als hätt sie mich nicht gehört, drum probiere ich sie zu besänftigen: "Ok, es gab Andere... aber die waren alle nicht wie du. Bitte... ich kann ohne dich nicht sein!"
Da sie immer noch kühl an mir vorbei blickt, schnappe ich sie einfach und marschiere mit ihr zur Kasse. Dort, wo normalerweise alle Supermarktaffären beginnen.
Draußen ist es ungewöhnlich warm. Ich merke, wie sie langsam weich wird. Kann es kaum erwarten, bis wir zu Hause sind. Die Tür ist keine zwei Sekunden ins Schloss gefallen. Noch im Stehen befreie ich sie von ihrer goldglitzernden Hülle und beginne sie zu vernaschen. Sie gehört mir - und ich bin ihr Sklave. Eine Zunge streicht sanft über matt glänzende Haut. Alle Lichter fallen aus.
Als ich wieder zu mir komme, ist sie weg. Wortlos ausgegangen. Aber ihr schwerer, süßlicher Duft hängt noch immer im Raum.



2005-01-15

Der Geist ist willig...

...doch das Bett ist warm.

Draußen ist wieder klasse Wetter. Solange man nicht raus muss. Eitel Sonnenschein und eisig kalt. Ich war trotz wenig Schlaf früh munter. Mit jedem weiteren Tag hier draußen in Schneppenheim wird mir klarer, wie sehr ich Städte als Wohnort hasse und wie viel Zeit ich für unerfreuliche Dinge aufwenden musste. Dass das Schlimmste am Aufstehen nicht die Kälte da draußen ist, sondern dass man aufstehen muss. Weil man den Arsch zu einer bestimmten Uhrzeit und auf Befehl anderer Leute aus dem Bett schwingt. Um Dinge zu tun, deren Sinn man nur begrenzt nachvollziehen kann, für die man aber trotzdem den Kopf hinhalten muss.
Nun ja, ich wusste es eigentlich schon lange und hatte mich nur drauf eingerichtet, mich zwischen all den Anforderungen und Erwartungen durch zu lavieren, um in den wenigen Freiräumen ein bisschen Spaß zu haben. Teilzeitarbeit war z.B. so ein Mittel, dem System den Mittelfinger zu zeigen.

-- [Absatz wegen negativer Schwingungen gestrichen ;-] --

Seit ich mein eigener Herr bin, ist das Stimmungslevel stark gestiegen. Arbeit ist noch immer kein Punkt, über den ich "Erfüllung" oder "Selbstverwirklichung" (imho ziemlich überzogene Gedankenkonstrukte) suchen würde, aber ich tue sie nun endlich gern und ich habe seither kaum noch Morgendepris, die mir fast jeden Tag schwer machten.

Natürlich kann man sich in unserer überregulierten Gesellschaft nicht wirklich frei und ungebunden bewegen. Abgesehen davon ist Freiheit ein reichlich relativer Begriff, der wahrscheinlich nur im Kopf existiert.
Es stellen sich mit der Selbständigkeit andere Pflichten ein. Aber das Maß, in dem ich mich ihnen ausliefere, kann ich zu einem gewissen Grad selbst bestimmen.