2005-01-24

Gruselkabinett

Gespaltene Dickschädel träumen von
sonnigen Stränden, wo sie beim Anblick von
Wasserleichen den Tod vergessen.
Abgestürzte Gestalten hängen ihre Unschuld
beteuernd in den Seilen eines ungeöffneten
Fallschirms.
Der Anthropo... dingens, der Kannibale, ja der
kocht sich einen Menschenfraß aus all
den Bauern, die er gefangen hat.
Ein junger Ganove gibt sein Ehrenwort,
dass in der Badewanne bloß Wasser war
Er hat sie ausgetrunken.
Der rot angelaufene Grünschimmel rettet unsere
Freiheit, indem er uns kollektiv in
Schutzhaft nimmt.
Sein Freund macht lang schon ernst, denn
unter einem krüppligen Busch züchtet er
rein demokratische Riesenpilze.
//wenN maN eineN sumpF trockenlegeN wilL,
//darF maN nichT miT den fröscheN redeN
//hahA
Nun reg dich doch nicht unnötig auf. Sie nehmen
dir nur dein Leben.
Kein Grund davonzulaufen!

In den letzten Tagen sind mir einige perverse Sprüche untergekommen (und zugegebenermaßen auch selbst eingefallen). Ich dachte, wenn ich die jetzt nicht alle aufschreibe, erfährt die Menschheit niemals, was abgeht ;-)
Nachrichten nagen an der psychischen Gesundheit der Zuhörer, aber natürlich ist hauptsächlich Marilyn Manson dran schuld.
Als Skispringerin wäre ich allerdings ziemlich irritiert, wenn jemand meinen Trainer fragte, ob ich eine Wundertüte wäre, in der alles mögliche drinsteckt.

2005-01-23

Looking Glass

...
Vernunft - ein anmaßender Zustand utopischer Rationalität.
Funktioniert immer dann am besten, wenn man sie nicht braucht.
Und stört gelegentlich ungeheuer durch Abwesenheit.
Wen wundert es, dass das Zynikerlexikon den Begriff nicht kennt?
...

2005-01-17

Alte Liebe rostet nicht

Neulich sah ich sie wieder. Im Supermarkt.
Nein, nicht an der Kasse, sondern weiter hinten, zwischen Marmelade und Honig. Hab sie natürlich sofort wieder erkannt, schließlich war ich schon als kleiner Bub in sie verliebt. Sie ist fülliger geworden um den Bauch, aber süß ist sie immer noch. Und einfach unwiderstehlich. Sie ist so braun. Wow. Echt zum Reinbeißen.
Ich schleich mich von der Seite ran und sag scherzhaft: "Hey Babe, kommst du mit zu mir?"
Sie tut so, als hätt sie mich nicht gehört, drum probiere ich sie zu besänftigen: "Ok, es gab Andere... aber die waren alle nicht wie du. Bitte... ich kann ohne dich nicht sein!"
Da sie immer noch kühl an mir vorbei blickt, schnappe ich sie einfach und marschiere mit ihr zur Kasse. Dort, wo normalerweise alle Supermarktaffären beginnen.
Draußen ist es ungewöhnlich warm. Ich merke, wie sie langsam weich wird. Kann es kaum erwarten, bis wir zu Hause sind. Die Tür ist keine zwei Sekunden ins Schloss gefallen. Noch im Stehen befreie ich sie von ihrer goldglitzernden Hülle und beginne sie zu vernaschen. Sie gehört mir - und ich bin ihr Sklave. Eine Zunge streicht sanft über matt glänzende Haut. Alle Lichter fallen aus.
Als ich wieder zu mir komme, ist sie weg. Wortlos ausgegangen. Aber ihr schwerer, süßlicher Duft hängt noch immer im Raum.



2005-01-15

Der Geist ist willig...

...doch das Bett ist warm.

Draußen ist wieder klasse Wetter. Solange man nicht raus muss. Eitel Sonnenschein und eisig kalt. Ich war trotz wenig Schlaf früh munter. Mit jedem weiteren Tag hier draußen in Schneppenheim wird mir klarer, wie sehr ich Städte als Wohnort hasse und wie viel Zeit ich für unerfreuliche Dinge aufwenden musste. Dass das Schlimmste am Aufstehen nicht die Kälte da draußen ist, sondern dass man aufstehen muss. Weil man den Arsch zu einer bestimmten Uhrzeit und auf Befehl anderer Leute aus dem Bett schwingt. Um Dinge zu tun, deren Sinn man nur begrenzt nachvollziehen kann, für die man aber trotzdem den Kopf hinhalten muss.
Nun ja, ich wusste es eigentlich schon lange und hatte mich nur drauf eingerichtet, mich zwischen all den Anforderungen und Erwartungen durch zu lavieren, um in den wenigen Freiräumen ein bisschen Spaß zu haben. Teilzeitarbeit war z.B. so ein Mittel, dem System den Mittelfinger zu zeigen.

-- [Absatz wegen negativer Schwingungen gestrichen ;-] --

Seit ich mein eigener Herr bin, ist das Stimmungslevel stark gestiegen. Arbeit ist noch immer kein Punkt, über den ich "Erfüllung" oder "Selbstverwirklichung" (imho ziemlich überzogene Gedankenkonstrukte) suchen würde, aber ich tue sie nun endlich gern und ich habe seither kaum noch Morgendepris, die mir fast jeden Tag schwer machten.

Natürlich kann man sich in unserer überregulierten Gesellschaft nicht wirklich frei und ungebunden bewegen. Abgesehen davon ist Freiheit ein reichlich relativer Begriff, der wahrscheinlich nur im Kopf existiert.
Es stellen sich mit der Selbständigkeit andere Pflichten ein. Aber das Maß, in dem ich mich ihnen ausliefere, kann ich zu einem gewissen Grad selbst bestimmen.