2006-10-28

Ultima Ratio

"Am Morgen des 17.November 1997 beschloss Professor Penelope Kura die Auslöschung des Philosophischen Instituts der Freien Universität Berlin.
Der Gedanke war einfach, plausibel und konsistent, war unmissverständlich und sparsam formuliert, kurz: Er besaß alle Merkmale eines guten philosophischen Gedankens.
Darüber hinaus besaß er eine Eigenschaft, an der es guten philosophischen Gedanken im Allgemeinen mangelte: motivierende Kraft."

Wenn ein Buch schon so anfängt, braucht es nur wenig weiterer Bemühungen, mich begeistert bei der Stange zu halten.
Nun ist Ultima Ratio nicht gerade ein dickes Buch. Gerade mal 152, nicht übermäßig eng bedruckte Seiten waren innerhalb eines Tages auch ohne verbale Zuckerchen locker zu schaffen. Und Thea Dorn hatte mich schon lange vor den einleitenden Sätzen ihres Sammelwerks aus Kurzgeschichten und Kolumnen gefangen genommen. Gesehen hatte ich sie nämlich erstmals vor einigen Wochen in einer politischen Talkrunde, in der es um gesellschaftliche Reformen ging.

Nun braucht niemand zu befürchten, dass ich auf einmal wieder zum TV-Glotzer werde. Manchmal besprechen Harry und ich uns in der Nähe seines Affenkastens, in dem eben jene besagte Sendung lief.
Aufgefallen sind mir anfangs die leuchtend kupferroten Haare. Ich fragte mich, wer das wohl wäre, denn im Gegensatz zu den ganzen großkopferten Politbonzen war mir ihr Gesicht völlig unbekannt. Von dem Moment an, als Thea das erste Mal den Mund aufmachte bis zum Ende der Sendung verlor die Besprechung mit Harry zunehmend an Bedeutung. So intelligent, gut informiert und duch Satzbau wie Wortwahl das Ohr schmeichelnd, gleichzeitig auch noch so verständlich hatte ich schon lange niemand mehr reden gehört. Selten geworden ist obendrein diese das Gesamtbild überblickende Perspektive. Kein Wunder also, dass ich danach ein wenig zu recherchieren begann, wer da gerade unbeeindruckt von vermeintlicher Bedeutung der Persönlichkeit frei von der Leber weg Sätze ins Stammbuch diktierte, die andere noch nicht mal schriftlich auf die Reihe bekommen.

Die Details ersparen wir uns an dieser Stelle. Die in klassischem Gesang ausgebildete Dozentin für Philosphie verdient ihre Brötchen u.a. als Autorin für Magazine wie den Spiegel und - tataaa - schreibt Krimis.
Ich also nix wie hin auf tauschticket.de und mir Ultima Ratio bestellt.
Sprachlich war das Buch für mich der reine Genuss, denn Thea Dorn versteht es perfekt, mit Fremdworten nicht an der falschen Stelle zu sparen, und gleichzeitig eben jene zu veräppeln, die sie im Übermaß gebrauchen; lässt ihre Protagonisten die Nervigsten der Nervigen beseitigen und dabei Gedanken äußern, die im besten Fall ironisch zu nennen sind, eigentlich jedoch eher einem Zyniker wie E.W.Heine (ah, der Beste!) zu Ehre gereichen.

Leider sind die Stories für meinen Geschmack gar zu kurz und direkt ausgefallen. Locken sie zunächst mit tollen Ideen, agieren die Charaktere später relativ plump. Beispiel hierfür gerade die Titelgeschichte, deren Heldin als Philosophieprofessorin mit Sinn für Feinheiten vielleicht nicht gerade eine brutale, unverdeckte Aggressionshandlung zur Umsetzung ihrer Ziele hätte auswählen sollen.

In diesem Punkt finde ich Patricia Highsmith oder auch E.W.Heine mit seinen Kille Kille Geschichten nach wie vor unerreicht. Der wird zwar manchmal auch ganz schön rustikal, weiß jedoch stimmiger bei der Wahl der Mittel vorzugehen.

Ultima Ratio enthält wie gesagt nicht nur Kurzkrimis, sondern auch Kolumnen, die interessante Ansatzpunkte zum Ausgang nehmen. Amüsant beispielsweise Dorns Theorie, wie sich jemand Begriffe wie "freiheitlich deutsche Leitkultur" ausdenken mag.

Da ich davon ausgehe, dass sich Leute wie die Dorn auch weiterentwickeln, werde ich mir demnächst eins ihrer jüngeren Bücher holen. Wenn sich Charaktere und Handlung länger entwickeln können, traue ich Theas Sprachtalent eher zu, Feinheiten herauszuarbeiten.

2006-10-16

Die now, pay later

Ich wollte, mentale Beschränkungen ließen sich einfach abschalten. Aber leider sind sie wie Staub. Für den Moment lassen sie sich mühelos wegwischen. Heimlich, still und leise finden sie jedoch immer wieder einen Weg zurück auf die schöne neue Oberfläche, der sie erst den Glanz nehmen und dann ihre Spuren als Kratzer einprägen.
Ich könnte wohl einen Überschliff vertragen. Oder zumindest POLITUR.

Heute hörte ich jemand sagen, er genieße jeden einzelnen Sonnenstrahl. Da musste ich mich wundern, ob er wohl all die Photonen gezählt hat, die an diesem Tag auf ihn eingeprasselt sind.

2006-09-29

Ich Barbie, du Ken

Hm. Wie fang ich an?
Veilleicht so: Auf dem Markt begegnet man ja allerhand Leuten. Großen, kleinen, alten, jungen, gemächlichen, cholerischen... und auch humorlosen. Letztere sind eine echte Plage, denn im Grunde kann man ihnen nichts recht machen. Warum das so ist, habe ich mich oft gefragt. Geht es denen so beschissen, oder woher kommt das?
Ich meine, selbst wenn ich depri drauf bin, kann ich noch über einen Witz lachen. Ich verstehe in solchen Momenten zumindest noch das Absurde, das uns umgibt. Kann es also Menschen geben, die sich stattdessen angegriffen fühlen?

Keine Ahnung, wie das die Anthropologie sieht, aber ich denke, lediglich die Fähigkeit zum Humor wird vererbt. Würde man eine Person stets von Lustigem fernhalten, wäre sie dann in der Lage, einen Witz zu vertstehen?
Ich vermute mal, nein. Ich glaube, Humor will erlernt sein, und welche Art von Humor einen anmacht, hängt davon ab, in welchen Kreisen man sich bewegt hat.
Denn das ist es, was man oft bei dogmatisch denkenden Menschen bemerkt: Sie glauben genauso an unveränderliche Wahrheiten, wie an objektive Wahrnehmung und nehmen ihre Überzeugungen so ernst, dass sie Verrücktheiten des täglichen Lebens gar nicht mehr anders sehen können, als durch ideologische Brillen.
Und vielleicht gilt auch umgekehrt: Wer lacht kann nicht wirklich glauben.

2006-09-19

FJS reborn

Ihr Jungen könnt mir leid tun. Echt getz. Ihr alle.
Ihr habt den furiosen, den unvergleichlichen, den ... unbeschreiblichen Franz-Josef Strauß nicht mehr live erlebt. Den Charakterkopf. Den Polterer. Den TROLL! Wenn der in einer Talkshow saß, gab's garantiert was zu lachen. Er hat sie alle untergebuttert. Weltfremde Müslifresser ebenso wie verweichlichte Snobs. Wenn er jemand auf dem Kieker hatte, hat er ihn gnadenlos runtergeputzt. Zur Not auch die eigenen Leute.
Der Mann war ja wirklich ein Prachtkerl. Ich weiß nicht, wieviel er gewogen hat, aber zu übersehen war er auf gar keinen Fall. Keiner war größer als er. Nur seine Klappe, die war noch viel größer. Wenn er, der Berg, da saß, um im schönsten Bayrisch den Gegner zur Schnecke zu machen, dann hing die Nation an seinen Lippen. So war er, der Franzl.

Und jetzt - aufgepasst - jetzt bekommt ihr die einmalige Gelegenheit, solch einen schillernden Vogel hautnah zu beobachten. Sein Wanst füllt zwar nicht gerade ganze Bildschirme. Eigentlich handelt es sich sogar eher um einen hageren Typen. Und er spricht auch nicht oberdeutschen Dialekt, sondern persisch. Doch was er zu erzählen hat, gereicht jedem Kabarettisten zur Ehre.
Während er verschmitzt grinsend die ganze Welt auf die Schippe nimmt, schwillt den Führern des Westens der Kamm und ihren Generälen fallen fast die Eier aus der Hose. Sie alle gehen ihm auf den Leim, sogar die schreibende Zunft, die tagtäglich nichts besseres zu tun hat, als zu vermelden, der böse Bube habe dies gesagt oder jenes getan.
Die Zionisten kann er nicht leiden. Israel auch nicht. Aber er hat nichts gegen Juden. Jedenfalls nichts Wirksames, solange ihm das notwenige Spaltmaterial fehlt. Zurück nach Europa mit ihnen, wo sie hergekommen sind! Sie scheißen sich alle ganz schön in die Hosen deswegen. Dabei hat der Mann, der ein bisschen wie ein heruntergekommener Gastarbeiter aussieht, mehr Humor, als der gesamte Kölner Karnevalzug.
Beispielsweise nimmt er nun den Papst in Schutz. Man stelle sich das einmal vor. Den Erzfeind. Den Kreuzzügler. Den oberesten Christenteufel!
Ja, es kommt sogar noch besser: Heute Nacht will er die Lösung aller Probleme der Welt verkünden. Es gebe ein System, sie in den Griff zu bekommen, heißt es in der Presse. Jeeeesus! Alle! Warum sagt er das nicht gleich?
"Die Islamische Republik Iran hat eine wirkungsvolle Methode, wie man mit der Welt umgeht", meint er.
Mir schwant, der gute Mann plant einen weiteren terroristischen Angriff.
Auf unsere Lachmuskeln.
Kein Flachs - ich bin wirklich sehr gespannt, was er zu sagen hat. Egal, ob er die Wiederkehr Christi oder die Zerstörung Israels verkündet, werden unsere Regierungs-Grannies Zeter und Mordio schreien: Um die Welt zu retten, müssen wir Iran die (welche?) Demokratie bringen und Bin Laden an einen dicken Ast hängen.
Denen fällt auch nix neues mehr ein...

(Tags darauf:)
Die deutsche Presse ist sich heute darin einig, nicht über die vollmundig angekündigten Konzepte zur Lösung aller Probleme der Welt berichten zu wollen.
Erst eine Recherche in den UN-Archiven (Videoaufzeichnung o. Protokoll) brachte zu Tage, worauf unser Held hinaus wollte: die Durchsetzung von Gerechtigkeit, Liebe, Ethos und Weisheit, beginnend mit der faktischen Entmachtung der Veto-Mächte im Weltsicherheitsrat, da diese als Vermittler bei Konflikten, in die sie selbst verstrickt sind, zweierlei Maß anlegen.
Dafür gab es von der Vollversammlung auch Applaus. In vielem hat der gute Mann ja so recht. Nur schade, dass er als Anwalt in eigener Sache genau so durchsichtig agiert wie seine westlichen Kollegen, zwischen die er offensichtlich Keile treiben möchte, um weiter freie Hand zu behalten.

2006-09-11

Einstürzende Neubauten

Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass man sich an diese Bilder würde gewöhnen, würde wegsehen und sie schließlich sogar nur noch in nervtötender Weise würde wahrnehmen können?
Ich bestimmt nicht, denn in der Nacht darauf sind mir die Tränen gelaufen.
Aber ich habe es satt, sie fortlaufend unter die Nase gerieben zu bekommen, stets mit erhobenem Zeigefinger moralischer Entrüstung, während Hollywood seine Millionen einstreicht, die Kleingeister dieser Welt eine billige Begründung für die Wiederbelebung des Nachtwächterstaats haben und machtgierige Dreckschweine sie als Rechtfertigung für millionenfachen Tod benutzen.
Wenn es so viele Nutznießer des Events gibt, steht der Feind vielleicht ganz woanders?

2006-08-29

High heel hyenas and other delusions of the rationalistic head

Der Markt heute war wieder zum Gähnen. Die Menschen dieses Ortes (Liblar) stellen eine perfekte Prüfung der Geduld dar, welche ich erneut gar meisterlich zu bestehen wusste. Muss ich mich grade mal selbst loben ^_^
Ich hatte sehr viel Zeit, nachzudenken. Mit dem Kopf in alten Zeiten weilend ließ ich die Vergangenheit Revue passieren, als in der Nähe eine alte Frau stolperte und zu Boden fiel. Mit dem Fischweib (uh, sexy babe ;) zusammen brachte ich die verdatterte Granny wieder auf die Füße, um anschließend weiter meinen Gedanken nachzuhängen.

Mensch, dachte ich, als du noch zur Schule gegangen bist, hattest du gehofft, einmal 150 oder noch älter werden zu können. Die Medizin würde es schon richten.
Ich wollte mit eigenen Augen sehen, ob die Mauer in 100 Jahren wirklich noch stünde, ob es einen Tunnel unter dem Ärmelkanal gäbe oder wie schnell der Weltraum erforscht würde.
Auf manche Antworten brauchte ich nicht lange zu warten. Dennoch ist mir das kein Anreiz mehr, einen Tag um den anderen durchzuhecheln. Ich wäre eher froh, wenn mich vor der Rente der Blitz beim Scheißen träfe, so mitten aus dem Leben gegriffen. Wer will schon alt werden?

Weder habe noch möchte ich Kinder, deren Zukunft ich fördern, oder denen ich etwas hinterlassen könnte. Noch glaube ich an höhere Mächte, denen wir Rechenschaft schulden, um hernach in ein vermutlich nicht verhandenes paradiesisches Jenseits einzuziehen. Auch bedeuten mir Blut und Vaterland das Allergeringste. Ein Land, dessen dekadente Gesellschaft ohnehin keine höheren Ziele mehr verfolgt. Ein Vater, den ich nie kennengelernt habe und dessen Abwesenheit auf einer ganzen Reihe von Dörfern und Kleinstädten dazu führte, dass man mich kleinen Bastard ausgegrenzt hat.

Als Kind konnte ich das natürlich nicht begreifen, aber ich spürte sehr wohl, dass viele Dinge einen anderen als den geraden Weg gingen. Ich fing zu stottern an, woraufhin es nur noch schwieriger wurde, zu meiner Umwelt Bezug zu bekommen. Erklärt vielleicht ganz gut, weshalb bei mir so vieles, das allgemein als wichtig erachtet wird, nur Achselzucken hervorruft. Weshalb ich an nichts und niemand fest gebunden bleibe. Naja. Gegenwind macht Flügel.

Ich schreibe mir schon ganz gern mal etwas von der Seele, weil ich bis heute meist keinen Trost in der Anwesenheit Anderer finde, wenn die Pumps mal wieder nicht zur Uniform passen. Es fällt mir dafür leichter, eine Tastatur zu bedienen. Doch ich mag auch nicht am laufenden Meter schwarze Literatur produzieren. Denn ich bin schon ganz froh, ein paar Leute gefunden zu haben, mit denen ich mich verstehe. Würden die irgendwann in meiner Gegenwart anfangen, You don't bring me anything but down zu summen, wär das echt ein Jammer. Ich mein - ist natürlich ein schönes Lied, aber... worauf wollte ich eigentlich hinaus?
Schluss getz. Middachspause!

Wenn ich blumen könnte, wär's einfacher

Während draußen ein schlechtes Wetter ums andere vorbeifliegt, sammeln sich auch in mir selbst immer wieder Gewitterwolken an, um dumpfe, drückende Stimmung zu erzeugen, die sich blitzartig zu entladen pflegt.
Genau so wechselhaft wie das Kaufverhalten der Kunden gestaltet sich derzeit meine Laune. Mit den Aufs und Abs des Kassenstandes schwankt mein inneres Barometer und bin es langsam wirklich überdrüssig, so knapp am Limit zu operieren.

Das war auch der Grund, weswegen es in letzter Zeit etwas weniger Lebenszeichen meinerseits gab. Außer ständigem Lamento über stets die selben Kleinigkeiten wäre mir wenig mehr berichtenswert erschienen. Aber ich mag kein Blog führen, das sich aus einem Gefühl der Niedergeschlagenheit in ungerechter Weise über Nichtigkeiten auslässt.
Auch wenn ich derzeit oft genervt bin, auch wenn mir manchmal nach dem Kälberstrick zumute ist - eigentlich habe ich dennoch keinen ernsthaften Grund zu klagen, und ich bin schon sehr froh, dass es mir jetzt häufiger und schneller als früher gelingt, mein Temperament zu zügeln. s Zörnle, wie man bei uns sagt, packt mich nämlich noch häufig genug.

2006-07-27

Und nun das Ganze noch mal von vorn!

Wir haben erstmals seit Wochen wieder annehmbare Umsätze. Selbst wenn man weiß, woran es wirklich liegt, zweifelt man ja irgendwann doch an seinen Fähigkeiten, wenn ständig nur klein-klein läuft.
Bin wieder etwas zuversichtlicher. Mit Geld in der Hinterhand bleibt immerhin Raum zu planen und hoffen. Hungern ist nicht schlimm. Keinen Hoffnungsschimmer zu sehen dagegen gehört zum Furchtbarsten, was man sich vorstellen kann.

2006-05-08

Wusstet ihr, dass...

Wo der Hahnenfuß anmutig durchs wogende Gras hüpft
Wo der Löwenzahn nächtens am Glücksklee nagt
Wo die Dotterblume eiweißtrunken der Schale entschlüpft
Da ist der Dichter nicht ganz dicht
Und das Ganze reimt sich nicht.

2006-04-23

Gell, do gucksch!

Hinterlasse einen Kommentar, lasse dir von mir einen Buchstaben zuweisen und schreibe 10 Dinge auf, die dir zu diesem Buchstaben einfallen und was du damit in Verbindung bringst.
Von [info]lucinda_s hab ich ein G gekriegt.

Gehirn
Ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken. (Ambrose Bierce)

Gerber
Mit dem Namen verbinde ich einige ziemllich schlechte Erinnerungen. Verkrampfte Familienverhältnisse, Verbote. Maul halten, egal was du denkst.

German Rock
Große Pläne, die wegen kleinem Geld lange aufgeschoben werden. Trotzdem haben wir viel erreicht. Aber das Beste sind die vielen Bands und all die Freunde, die ich ohne dieses Projekt nie kennengelernt hätte.

Geschichte
Neben Musik war das mal meine größte Leidenschaft. Vor allem historische Geografie. Ich finde es bedauerlich, wie wenig die Meisten über Geschichte wissen bzw. wie gering sie geschätzt wird.
Mangels Zeit und Gesprächspartner geriet das Feld seit dem Studium in den Hintergrund.

Gorbatshev
Man hat schon fast wieder vergessen, wie viel wir diesem Mann verdanken. Ich persönlich verbinde mit ihm die (politisch) aufregendste, positivste Zeit überhaupt. Es war eine ungeheure Aufbruchstimmung seit Reykyavik und Malta. Zuerst Atomwaffenabrüstung (niemand hatte mehr daran geglaubt, dass sich der Bestand ohne Krieg reduzieren ließe). Dann Glasnost und Perestroika. Schließlich Grenzöffnung, das Ende vieler Diktaturen, Wiedervereinigung, Zerfall der Sowjetunion. Sehr spannend.
Es gab etwas zu erhoffen. Ich hab mich auf die Zukunft gefreut. Heute ist das gar nicht mehr so einfach...

Gorky Park
Die erste Sowjet-Band, die einen Plattenvertrag im Westen bekommen hatte. Von Jon Bongiovi entdeckt. Sehr cooler Hardrock.
Und das große Stadion im gleichnamigen Park. Dort fand '89 das Moscow Music Peace Festival statt, mit Scorpions, Bon Jovi, Cinderella, Mötley Crüe, Skid Row, Ozzy Osbourne und eben Gorky Park, sowie zehntausenden von russichen Rockfans und etlichen Hundertschaften Uniformträgern.
Kein alltägliches Event.

Gotik
Mein Lieblingsstil der Architektur.
Ulm. Köln. Amiens. Freiburg. Reims. aaaaah, ich kann mich an den eleganten, filigranen Formen gar nicht satt sehen. Kein Raumeindruck fühlt sich so intensiv und gleichzeitig so leicht an, wie der einer vorzüglich ausgeführten gotischen Basilika.

Gott
ne, da fällt mir jetzt echt nix zu ein. Der Mann muss volle Kanne die Meise haben, wenns ihn gibt.

Grübelei
Verfalle ihr viel zu oft. Mitten in der Arbeit starre ich plötzlich Löcher in die Luft.

Grunge
Abgesehen von J-Rock die letzte wirkliche Neuheit der Musikwelt. Und das erste Opfer der totalen kommerziellen Ausschlachtung von Kreativität.
Die Typen waren total Banane. I swear I don't have a gun. Ja ja. Aber ohne sie gäbe es mindestens drei Viertel aller seither komponierten Rocksongs nicht.

2006-04-07

The homeless troll and the cat with the Hitler mustache

Beim Googlen nach einem alten text adventure (Colossal Cave) stieß ich zufällig auf eine amüsante Kurzgeschichte.

...that poor cat was always outside, watching the carless stragglers. I wanted to pet it but I didn't because it would make me just as bad as anyone else, condoning its outsideness.
I just kept as far away as I could from that cat, shut my curtains, and pretended I lived on a country lane or on a studio backlot. Finally one day the cat scared the shit out of me...

2006-03-21

That's why

Warum habe ich Geburtstage schon immer gehasst? Weshalb bekomme ich Alpträume vom Rumhocken zwischen fremden Leuten, die sich über ihre Einbauküchen und den frisch lackierten Benz unterhalten? Von quengelnden Kindern, die ganz genau wissen, wann sie wie am meisten stören? Von Rotzgören, die erst in vielen Jahren gelernt haben werden, wann es Zeit ist, den Mund zu halten? Wieso möchte ich platzen, wenn kurz nach Gebrüll, Geschrei und hinterhältigen Sticheleien gebeten wird, man möge noch ein wenig verweilen, denn es sei grad so gemütlich? Da frotzelt der Eine über den Anderen, wenn der grad auf dem Klo ist. Und man drückt sich gegenseitig Sprüche rein, die den Anderen als Omas Erbe unwürdig hinstellen sollen und Ähnliches mehr. Ich find's immer wieder faszinierend, wieviel unterschwelliger Aggress bei Familienfeiern im Raum hängt
Sollte ich es vergessen haben, so ist es mir heute erneut vor Augen geführt worden: Auf einem Planeten, dessen Rotationsachse senkrecht zur Ekliptikebene steht, wäre mir vieles erspart geblieben!

 Das Schlimme ist nicht, dass Menschen verschieden sind. So ist das Leben, und es gibt massig Leute, die mir haushoch überlegen sind. Das Nervbalg beispielsweise wird sicher mal ne Erfolgsstory haben. Es ist sehr intelligent, eigentlich auch vergleichsweise lieb, aber wie allen Kindern ging ihm die langweilige Erwachsenenveranstaltung auf den Sack. Deswegen machte es Stress.

Ihre Alten sind's, die mich am meisten aufregen, weil sie krampfhaft zu einem bestimmten Termin alle zugleich gut drauf sein wollen, damit das Familienidyll wenigstens einmal im Jahr so richtig zum Tragen kommt. Genau weil alles so gezwungen abläuft, geht es grundsätzlich schief. Und sie sind dann noch nicht mal in der Lage, sich das einzugestehen.
Die Meisten aus meiner Altersgruppe sind so drauf. Wie ihre Eltern schon. Und lustigerweise fiel mir das schon als Vierjähriger auf.