2006-08-29

High heel hyenas and other delusions of the rationalistic head

Der Markt heute war wieder zum Gähnen. Die Menschen dieses Ortes (Liblar) stellen eine perfekte Prüfung der Geduld dar, welche ich erneut gar meisterlich zu bestehen wusste. Muss ich mich grade mal selbst loben ^_^
Ich hatte sehr viel Zeit, nachzudenken. Mit dem Kopf in alten Zeiten weilend ließ ich die Vergangenheit Revue passieren, als in der Nähe eine alte Frau stolperte und zu Boden fiel. Mit dem Fischweib (uh, sexy babe ;) zusammen brachte ich die verdatterte Granny wieder auf die Füße, um anschließend weiter meinen Gedanken nachzuhängen.

Mensch, dachte ich, als du noch zur Schule gegangen bist, hattest du gehofft, einmal 150 oder noch älter werden zu können. Die Medizin würde es schon richten.
Ich wollte mit eigenen Augen sehen, ob die Mauer in 100 Jahren wirklich noch stünde, ob es einen Tunnel unter dem Ärmelkanal gäbe oder wie schnell der Weltraum erforscht würde.
Auf manche Antworten brauchte ich nicht lange zu warten. Dennoch ist mir das kein Anreiz mehr, einen Tag um den anderen durchzuhecheln. Ich wäre eher froh, wenn mich vor der Rente der Blitz beim Scheißen träfe, so mitten aus dem Leben gegriffen. Wer will schon alt werden?

Weder habe noch möchte ich Kinder, deren Zukunft ich fördern, oder denen ich etwas hinterlassen könnte. Noch glaube ich an höhere Mächte, denen wir Rechenschaft schulden, um hernach in ein vermutlich nicht verhandenes paradiesisches Jenseits einzuziehen. Auch bedeuten mir Blut und Vaterland das Allergeringste. Ein Land, dessen dekadente Gesellschaft ohnehin keine höheren Ziele mehr verfolgt. Ein Vater, den ich nie kennengelernt habe und dessen Abwesenheit auf einer ganzen Reihe von Dörfern und Kleinstädten dazu führte, dass man mich kleinen Bastard ausgegrenzt hat.

Als Kind konnte ich das natürlich nicht begreifen, aber ich spürte sehr wohl, dass viele Dinge einen anderen als den geraden Weg gingen. Ich fing zu stottern an, woraufhin es nur noch schwieriger wurde, zu meiner Umwelt Bezug zu bekommen. Erklärt vielleicht ganz gut, weshalb bei mir so vieles, das allgemein als wichtig erachtet wird, nur Achselzucken hervorruft. Weshalb ich an nichts und niemand fest gebunden bleibe. Naja. Gegenwind macht Flügel.

Ich schreibe mir schon ganz gern mal etwas von der Seele, weil ich bis heute meist keinen Trost in der Anwesenheit Anderer finde, wenn die Pumps mal wieder nicht zur Uniform passen. Es fällt mir dafür leichter, eine Tastatur zu bedienen. Doch ich mag auch nicht am laufenden Meter schwarze Literatur produzieren. Denn ich bin schon ganz froh, ein paar Leute gefunden zu haben, mit denen ich mich verstehe. Würden die irgendwann in meiner Gegenwart anfangen, You don't bring me anything but down zu summen, wär das echt ein Jammer. Ich mein - ist natürlich ein schönes Lied, aber... worauf wollte ich eigentlich hinaus?
Schluss getz. Middachspause!

Wenn ich blumen könnte, wär's einfacher

Während draußen ein schlechtes Wetter ums andere vorbeifliegt, sammeln sich auch in mir selbst immer wieder Gewitterwolken an, um dumpfe, drückende Stimmung zu erzeugen, die sich blitzartig zu entladen pflegt.
Genau so wechselhaft wie das Kaufverhalten der Kunden gestaltet sich derzeit meine Laune. Mit den Aufs und Abs des Kassenstandes schwankt mein inneres Barometer und bin es langsam wirklich überdrüssig, so knapp am Limit zu operieren.

Das war auch der Grund, weswegen es in letzter Zeit etwas weniger Lebenszeichen meinerseits gab. Außer ständigem Lamento über stets die selben Kleinigkeiten wäre mir wenig mehr berichtenswert erschienen. Aber ich mag kein Blog führen, das sich aus einem Gefühl der Niedergeschlagenheit in ungerechter Weise über Nichtigkeiten auslässt.
Auch wenn ich derzeit oft genervt bin, auch wenn mir manchmal nach dem Kälberstrick zumute ist - eigentlich habe ich dennoch keinen ernsthaften Grund zu klagen, und ich bin schon sehr froh, dass es mir jetzt häufiger und schneller als früher gelingt, mein Temperament zu zügeln. s Zörnle, wie man bei uns sagt, packt mich nämlich noch häufig genug.