2006-09-29

Ich Barbie, du Ken

Hm. Wie fang ich an?
Veilleicht so: Auf dem Markt begegnet man ja allerhand Leuten. Großen, kleinen, alten, jungen, gemächlichen, cholerischen... und auch humorlosen. Letztere sind eine echte Plage, denn im Grunde kann man ihnen nichts recht machen. Warum das so ist, habe ich mich oft gefragt. Geht es denen so beschissen, oder woher kommt das?
Ich meine, selbst wenn ich depri drauf bin, kann ich noch über einen Witz lachen. Ich verstehe in solchen Momenten zumindest noch das Absurde, das uns umgibt. Kann es also Menschen geben, die sich stattdessen angegriffen fühlen?

Keine Ahnung, wie das die Anthropologie sieht, aber ich denke, lediglich die Fähigkeit zum Humor wird vererbt. Würde man eine Person stets von Lustigem fernhalten, wäre sie dann in der Lage, einen Witz zu vertstehen?
Ich vermute mal, nein. Ich glaube, Humor will erlernt sein, und welche Art von Humor einen anmacht, hängt davon ab, in welchen Kreisen man sich bewegt hat.
Denn das ist es, was man oft bei dogmatisch denkenden Menschen bemerkt: Sie glauben genauso an unveränderliche Wahrheiten, wie an objektive Wahrnehmung und nehmen ihre Überzeugungen so ernst, dass sie Verrücktheiten des täglichen Lebens gar nicht mehr anders sehen können, als durch ideologische Brillen.
Und vielleicht gilt auch umgekehrt: Wer lacht kann nicht wirklich glauben.

2006-09-19

FJS reborn

Ihr Jungen könnt mir leid tun. Echt getz. Ihr alle.
Ihr habt den furiosen, den unvergleichlichen, den ... unbeschreiblichen Franz-Josef Strauß nicht mehr live erlebt. Den Charakterkopf. Den Polterer. Den TROLL! Wenn der in einer Talkshow saß, gab's garantiert was zu lachen. Er hat sie alle untergebuttert. Weltfremde Müslifresser ebenso wie verweichlichte Snobs. Wenn er jemand auf dem Kieker hatte, hat er ihn gnadenlos runtergeputzt. Zur Not auch die eigenen Leute.
Der Mann war ja wirklich ein Prachtkerl. Ich weiß nicht, wieviel er gewogen hat, aber zu übersehen war er auf gar keinen Fall. Keiner war größer als er. Nur seine Klappe, die war noch viel größer. Wenn er, der Berg, da saß, um im schönsten Bayrisch den Gegner zur Schnecke zu machen, dann hing die Nation an seinen Lippen. So war er, der Franzl.

Und jetzt - aufgepasst - jetzt bekommt ihr die einmalige Gelegenheit, solch einen schillernden Vogel hautnah zu beobachten. Sein Wanst füllt zwar nicht gerade ganze Bildschirme. Eigentlich handelt es sich sogar eher um einen hageren Typen. Und er spricht auch nicht oberdeutschen Dialekt, sondern persisch. Doch was er zu erzählen hat, gereicht jedem Kabarettisten zur Ehre.
Während er verschmitzt grinsend die ganze Welt auf die Schippe nimmt, schwillt den Führern des Westens der Kamm und ihren Generälen fallen fast die Eier aus der Hose. Sie alle gehen ihm auf den Leim, sogar die schreibende Zunft, die tagtäglich nichts besseres zu tun hat, als zu vermelden, der böse Bube habe dies gesagt oder jenes getan.
Die Zionisten kann er nicht leiden. Israel auch nicht. Aber er hat nichts gegen Juden. Jedenfalls nichts Wirksames, solange ihm das notwenige Spaltmaterial fehlt. Zurück nach Europa mit ihnen, wo sie hergekommen sind! Sie scheißen sich alle ganz schön in die Hosen deswegen. Dabei hat der Mann, der ein bisschen wie ein heruntergekommener Gastarbeiter aussieht, mehr Humor, als der gesamte Kölner Karnevalzug.
Beispielsweise nimmt er nun den Papst in Schutz. Man stelle sich das einmal vor. Den Erzfeind. Den Kreuzzügler. Den oberesten Christenteufel!
Ja, es kommt sogar noch besser: Heute Nacht will er die Lösung aller Probleme der Welt verkünden. Es gebe ein System, sie in den Griff zu bekommen, heißt es in der Presse. Jeeeesus! Alle! Warum sagt er das nicht gleich?
"Die Islamische Republik Iran hat eine wirkungsvolle Methode, wie man mit der Welt umgeht", meint er.
Mir schwant, der gute Mann plant einen weiteren terroristischen Angriff.
Auf unsere Lachmuskeln.
Kein Flachs - ich bin wirklich sehr gespannt, was er zu sagen hat. Egal, ob er die Wiederkehr Christi oder die Zerstörung Israels verkündet, werden unsere Regierungs-Grannies Zeter und Mordio schreien: Um die Welt zu retten, müssen wir Iran die (welche?) Demokratie bringen und Bin Laden an einen dicken Ast hängen.
Denen fällt auch nix neues mehr ein...

(Tags darauf:)
Die deutsche Presse ist sich heute darin einig, nicht über die vollmundig angekündigten Konzepte zur Lösung aller Probleme der Welt berichten zu wollen.
Erst eine Recherche in den UN-Archiven (Videoaufzeichnung o. Protokoll) brachte zu Tage, worauf unser Held hinaus wollte: die Durchsetzung von Gerechtigkeit, Liebe, Ethos und Weisheit, beginnend mit der faktischen Entmachtung der Veto-Mächte im Weltsicherheitsrat, da diese als Vermittler bei Konflikten, in die sie selbst verstrickt sind, zweierlei Maß anlegen.
Dafür gab es von der Vollversammlung auch Applaus. In vielem hat der gute Mann ja so recht. Nur schade, dass er als Anwalt in eigener Sache genau so durchsichtig agiert wie seine westlichen Kollegen, zwischen die er offensichtlich Keile treiben möchte, um weiter freie Hand zu behalten.

2006-09-11

Einstürzende Neubauten

Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass man sich an diese Bilder würde gewöhnen, würde wegsehen und sie schließlich sogar nur noch in nervtötender Weise würde wahrnehmen können?
Ich bestimmt nicht, denn in der Nacht darauf sind mir die Tränen gelaufen.
Aber ich habe es satt, sie fortlaufend unter die Nase gerieben zu bekommen, stets mit erhobenem Zeigefinger moralischer Entrüstung, während Hollywood seine Millionen einstreicht, die Kleingeister dieser Welt eine billige Begründung für die Wiederbelebung des Nachtwächterstaats haben und machtgierige Dreckschweine sie als Rechtfertigung für millionenfachen Tod benutzen.
Wenn es so viele Nutznießer des Events gibt, steht der Feind vielleicht ganz woanders?