2008-05-31

The Angels Have The Phone box


Robert Anton Wilson: Das Lexikon der Verschwörungstheorien. München, Piper, 2002.

Voll krasses Pferd, wo man sich überall reinsteigern kann. 400 Seiten Verfolgungswahn, und das ist nur an der Oberfläche gekratzt.



Das Buch besteht aus mehreren Hundert Einzelartikeln, jeweils zwischen einer halben und fünf Seiten lang. Jeder befasst sich mit einer Konspiration, einem Geheimbund oder einer Person / Organisation.
Der Autor versucht, die Zusammenhänge sachlich darzustellen, aber da blinzelt ab und zu auch mal ein schelmisches Auge. Ist so ein Mittelding zwischen Unterhaltung und Einstiegsliteratur. Es gibt überall Querverweise zu anderen Artikeln sowie Hinweise auf weiterführende Infos.

Der Band enthält außerdem ein Interview mit Wilson, in dem er u.a. meint:



"Gegen Ende der 60er hatte ich mich dann mehr oder weniger an den Gedanken gewöhnt, dass nahezu jeder, mit dem ich mal politisch zusammengearbeitet hatte, ein Regierungsagent war. Anstatt nun paranoid zu werden, fand ich das eher ziemlich komisch.
...Wahrscheinlich sind Hunde die einzigen Leute, die dem Menschen noch trauen, aber mir ist aufgefallen, daß selbst manche Hunde in letzter Zeit ihre Zweifel haben."

Stimmt. Mir als Tierbedarfshändler ist das auch schon aufgefallen.

2008-05-27

Erde an Mars

Liebe Veronica,
drei Staffeln hindurch war ich ein treuer Verehrer deines Scharfsinns und - ich gebe es zu - deines niedlichen Mädchenlächelns. Nein, nicht des Lächelns allein. Wohl aber in Verbindung mit Ausweis- und Dokumentenfälschung, Vortäuschen falscher oder fremder Identitäten, unerlaubter Akteneinsicht, Einbruch, Diebstahl, Erpressung, Anstiftung zu Gewalttaten, Bestechung, Verletzung des Fernmelde- und Briefgeheimnisses sowie harmloserer, lediglich moralisch anrüchiger Praktiken wie Lügen, Ausspionieren des Privatlebens von Freund und Feind, gegeneinander Ausspielen, voreiligem Beschuldigen, Fraternisieren mit fragwürdigen Typen etc etc.

Am Anfang fand ich das noch ganz lustig. Insgesamt betrachtet frage ich mich dann aber doch, wer am Drehbuch mitgeschrieben und wer die Serie finanziert hat. Ich meine - du kannst dir alles erlauben was du willst, solange du nur den Bösewicht hinter Gitter bringst. Dient ja dem Allgemeinwohl, the greater good (THE-GREA-TER-GOOD!). Fast wie Guantanamo Bay. Und falls persönliches Engagement an seine Grenzen stößt, falls außerdem der Rechtsstaat versagt, gibts immer noch die höhere Gerechtigkeit, welche einen bösen Buben den anderen auslöschen lässt.
Eine Serie zum Mitdenken. Wäre so schön gewesen. Leider verlangt die im entscheidenden Moment, dass du dein Gehirn abschaltest.

Gut, ich sollte das nicht so ernst nehmen. Außerdem fand ich die dritte Staffel mit ihrem beschissenen Vorspann und der kurzatmigen Handlung sowieso crappy. Nevermind the brainwash?

Falsch.
Echte Tragödien spielen sich genau nach Drehbuch hier in Deutschland ab: "Mann wird von sechs Kugeln getroffen - und erschießt sich am Ende selbst" verkündet heute eine Spiegel-Schlagzeile. Frag nicht, was der Staat für dich tun kann. Tu es selbst.
Es steckt so viel Wahrheit in TV-Serien.
Ich hoffe, ihr entschließt euch trotz mangelnden Zuschauerinteresses zu einer vierten Staffel.

Mit Vergnügen
Pax