2008-08-12

Bilderbuch nach neuer Rechtschreibung

Don't look so surprised
It's only dogma,
The alien prophet cried.
The beetle and the springbok
Took the bible from its hook.
The monkey in the corner
Wrote the lesson in his book.
What God wants God gets.

Nach "Eine kurze Geschichte der Zeit" hat sich mein Bild der modernen Physik und das von Hawking verändert. Ich hatte geglaubt, es ginge in der Wissenschaft darum, Theorien für die Funktionsweise der Welt zu finden. Wir beobachten, dass Ereignisse nach Gesetzmäßigkeiten ablaufen, versuchen Formeln dafür zu finden und verifizieren die Formeln, indem wir sie mit anderen Beobachtungen und durch Vorhersage künftiger Ereignisse vergleichen.
Stattdessen Gott hier, Gott da. Und immer die Sorge, inwieweit Gott sich in das gewonnene Weltbild einpassen lässt. Als ob man ihn dadurch finden, ihn erklären und verstehen könnte.

Mein Eindruck? Es gibt da nichts zu verstehen, weil es da schlicht und ergreifend nichts gibt.

Nun könnte es gut sein, dass Gott all diese von uns vermuteten Naturgesetze zu einem undurchsichtigen Zweck erfunden hat (obwohl er schön blöd wäre, sich in seinem Handlungsspielraum durch Regeln einengen zu lassen), aber inwiefern besteht überhaupt Anlass zur Vermutung, dass es einen Schöpfer oder gar Steuermann gegeben hätte? In einem unendlich scheinenden Universum nicht der geringste Hinweis, dass da etwas wäre. Geschweige denn etwas, das sich für unsere Tugend, unsere Sexualität oder Gebete interessiert. Warum auch, angesichts der Fantastilliarden Materieklumpen allein in Reichweite unserer Teleskope.

Es ist die nackte Angst vor der Sinnlosigkeit des Daseins, die uns nach dem Vater weinen lässt. Wir tun niemals etwas ohne Grund. Wir lernen fürs Leben, arbeiten für die Miete, töten auf Befehl. Und an diesen Schmerzen im Arsch sind die Außerirdischen schuld, die uns entführt haben. Wir ertragen es nicht, aus reinem Zufall in die Existenz geworfen worden zu sein. Wir möchten, dass unsere Leben und all die durchlittenen Schmerzen Sinn besitzen, einem höheren Zweck dienen; und wir nehmen uns dabei so wichtig, dass wir uns über den Rest der "Schöpfung", Tiere, Pflanzen, Einzeller, ja das gesamte Universum erheben. Alles geschieht wegen uns, für uns. Und wir wiederum sind zu SEINER Lobpreisung da.

Das ist so durchsichtig, so dünn, dass man sich wundert, weshalb überhaupt so viel Zeit damit verschwendet wird, eine Andere Welt, ein Paradies, Jenseits, einen Himmel mit imaginärem Oberboss zu suchen. Aber ich schätze, da eh alles zwecklos ist, ist diese Art zu denken genau so gut wie jede andere. Mich wundert's nur, dass ausgerechnet Leute wie Hawking sich damit beschäftigen. Bestimmt hat Gott die Welt so erschaffen und dirigiert, damit ich das Buch lese, davon Lust auf den Roger Waters Song bekomme und mal wieder die Platte auflege.
All diese Vorgänge seit dem Urknall, die sich auf diesen einen Moment zuspitzen, an dem die Nadel aufs Vinyl aufsetzt. All die Galaxien mit ihren Milliarden Sonnen; Werden und Vergehen von tausenden von Generationen; der lange Weg von der Alge bis zum Mensch; ein Mann, der erst eine international erfolgreiche Rockgruppe verlassen und 49 Jahre alt werden musste, bevor er das Lied komponieren konnte, das ich heute höre - all das kann kein Zufall sein.

Wieviele Aliens mussten eigentlich sterben, weil Gott mir dieses kleine Vergnügen gestattete?