2009-06-30

Demokratie ist eine Illusion

Es war bisher viel die Rede von ressourcenbasierter Ökonomie und dem Verschwinden des Geldes. Vielleicht fragt sich jetzt die Eine oder der Andere, ob denn in dieser Zeitgeist-Gesellschaft wirklich alles eine Frage der Wirtschaft sein wird.
Die Antwort ist ja. Und nein. Die Subsysteme jeglicher Gemeinschaften sind untrennbar miteinander verbunden. Wirtschaftsprobleme z.B. treffen auch das soziale Gefüge und dies beeinträchtigt wiederum Bildungsfragen, wie jeder Student bestätigen kann.

Was wir anstreben ist eine von vorn bis hinten durchorganisierte, nach den Gesetzen der Logik und mit dem Ziel größten Nutzens und der Nachhaltigkeit geplante Gesellschaft. Ihre inneren Abläufe werden so angelegt, dass sie Menschen zu produktivem statt destruktivem Verhalten ermuntern; dass sie Fehler bewusst untersucht um ihrem Auftreten zuvorzukommen; dass sie den Mensch vom Überlebenskampf befreit.
Die Marktwirtschaft mag „natürlich gewachsen“ sein, aber sie hat sich aus Lebensbedingungen entwickelt, die bis ins 20. Jahrhundert von Knappheit bestimmt waren. Wir kennen nichts anderes. Land, Nahrungsmittel, Energiequellen waren stets umkämpft. Ihre Beschaffung erforderte Opfer. Der Wert aller Dinge ermaß sich daher immer an ihrer Verfügbarkeit. Wer in der Lage war, für sich oder seine Gruppe Lebensgrundlagen zu sichern, gewann Macht. Und er konnte diese Macht nutzen, um bequemer als zuvor weitere Ressourcen zu kassieren.

Das zeigt sich in jedem Aspekt unseres heutigen Sozialgefüges. Mitarbeiter nutzen ihre Stellung, um Büroartikel beiseitezuschaffen oder sich selbst das Einkommen zu erhöhen. 1% der Weltbevölkerung verfügt über knapp 50% allen Geldes. Eine Handvoll Konzerne besitzen die großen Medien. Einige Wenige beherrschen den Gesundheitssektor. Automobilhersteller ballen sich zu immer größeren Konglomeraten zusammen. Zwei Parteien dominieren das Parlament. Und die Verfilzung zwischen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Interessen nimmt ebenfalls zu. Der Prozess geht weiter.

Jede der beteiligten Institutionen betreibt zunächst unverhohlen ihren Selbsterhalt. Dieser ist bereits in ihren jeweiligen Leitlinien verankert und niemand findet etwas dabei – obwohl die Institutionen damit ihren Eigennutz über den Gemeinnutzen stellen. Sie sind in diesem Sinne zutiefst korrupt. Es bedarf noch nicht einmal der Aufdeckung von Bestechungsversuchen, um Demokratie unter solchen Bedingungen als Chimäre zu entlarven. Bereits ein einziger Nachrichtentag macht den Irrsinn real existierender Marktwirtschaft offensichtlich. Wie sich heute alles nur noch um Kostenreduzierung, Profitsteigerung und Geld ganz allgemein dreht, ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Bedürfnisse. Das ist weder effektiv noch human oder intelligent.

Hinzu kommt, dass wir gar keinen direkten Einfluss auf Abläufe in unseren Staaten haben. Alle paar Jahre wählen wir Repräsentanten. Einen auf Hunderttausend. Jeder der Parteidisziplin verpflichtet, und die Partei wiederum ihren Geldgebern.
Wenn wir wählen, leben wir unsere Hoffnungen auf Veränderung oder Statuserhalt aus. Wir haben eine Meinung zu etwas und unterstützen jemand, der uns bestärkt. Die Merkel erscheint uns weniger gefährlich als der Lafontaine, ist uns obendrein vielleicht sympathischer, drum setzen wir unser Kreuz bei CDU.
Damit wählen wir nicht nur ein bestimmtes Wahlversprechen, sondern gleich einen ganzen Katalog anderer im Parteiprogramm enthaltener Punkte, die wir weniger schätzen. Und ob am Ende alles wie angekündigt verwirklicht wird, steckt wiederum in einem anderen Stiefel. Keine Steuererhöhungen. Read – my – lips. Ha.

Wir haben keinen Einfluss auf den Verlauf einer Autobahn, auf die Höhe der Steuern, auf Personalien im Kabinett, auf Bundeswehreinsätze, Verhandlungen mit der russischen Regierung oder Boykotte gegen Nordkorea. Wir werden gar nicht erst gefragt. Dabei sind unsere Entscheidungsträger auch nicht klüger als wir.
Indem wir aber schweigen, indem wir das System durch fleißigen Konsum und Wählengehen unterstützen, geben wir unseren Namen für alles her, was es anrichtet. Es gibt kein Entrinnen. Jeder ist in der Verantwortung”. Dies, meine lieben Leser, nennt Herr Müntefering „die wichtigste Erkenntnis in der Demokratie“. Ich stimme ihm zu. „Viele Deutsche kritisieren lieber die Politik, als selbst zu handeln.“ Auch das ist wahr. Doch damit machen sie sich um unser Wohl verdienter, als Politiker, die lieber ihre Nichtwähler kritisieren, anstatt zu handeln. So mancher Deutsche macht sich nun lieber ans handeln, als seine Zeit an scheinbare Mitbestimmung zu verschwenden.

Der ganze demokratische Prozess westlicher Gesellschaften hat mit Fakten, Bedürfnissen, Notwendigkeiten oder gar Nachhaltigkeit kaum noch etwas zu tun. Vielmehr mit Glaube, Hoffnung, Furcht, Meinung, Sympathie und vor allem Interessen. Von der Kandidatenaufstellung über den Wahlvorgang bis zur Verabschiedung eines Gesetzes wirkt das demokratische System der Mitbestimmung und dem Allgemeinwohl entgegen. Zum Schutz der vielfältigen Interessen wird an den Grundpfeilern der Marktwirtschaft nichts verändert. Opfer werden in Kauf genommen – oder sogar produziert, wenn dies dem Einzelinteresse dient. Im Entwurf für ein “Bundeswehr-Weißbuch” kommt als Auslöser internationaler Bundeswehr-Operationen die Gefährdung des deutschen Wohlstands in Betracht.
Sind wir solche Charakterschweine? Oder können wir auch anders?

2009-06-28

Rechtsfreier Raum

Wo Güter und Dienstleistungen genau nach Bedarf, auf Zuruf des Bedürftigen, kostenlos beschafft werden können, verlieren nicht nur Geld und Handel ihre Existenzberechtigung. Es verschwinden praktisch alle mit ihnen direkt verbundenen Institutionen und Berufe: Banken, Versicherungen, Steuerberater, Kaufhäuser, Geldtransporteure usw. Die dort beschäftigten Menschen, die ihre Zeit mit im wörtlichen Sinn unproduktiven Tätigkeiten vergeudet haben, sind in einer ressourcenbasierten Gesellschaft (RBE) frei, sich um Familie, Forschung, Bildung, Sport oder Kunst verdient zu machen.

Die Folgeerscheinungen sind aber weitaus interessanter. Die Anwendung intelligenten Ressourcenmanagements zusammen mit dem freien Zugang zu allen Gütern eliminiert effizient Knappheit an Lebenmitteln und sonstigen Gütern. Damit gibt es keinen Hunger, keinen Diebstahl, keinen Raubmord, keinen Betrug, keine Unterschlagung, Bestechlichkeit, Erpressung, Prostitution, Schwarzfahrerei, etc etc.
Die gesamte Justizbranche, vom Gesetzgeber über ein Heer vom Ordnungshütern, Anwälten, Richtern und Gefängniswärtern bis hin zu Resozialisierungseinrichtungen wird mit Inkrafttreten der RBE überflüssig – und setzt bisher unproduktive Menschen frei.

Die Mehrzahl der heute ausgeübten Berufe, Fresco schätzt sie auf 90-95%, kann im produzierenden Gewerbe durch Roboter, im reparierenden und Güterverteilungssektor durch kybernetische Maschinen und im Dienstleistungsbereich durch Computerterminals übernommen werden. Übrig bleiben allein Stellen für sozial Engagierte.

Wo Menschen nicht mehr über Chancenlosigkeit verzweifeln müssen, nicht mehr korrupte, ausbeuterische oder entfremdende Arbeit tun müssen, wo sie nicht mehr unter ständigem Konkurrenzdruck mit ihrem Nachbarn, Kollegen, Kommilitonen wetteifern müssen, nicht mehr staatlichem oder wirtschaftlichem Druck ausgesetzt sind, nicht mehr gegen Arbeitslosigkeit, Lohndumping oder Verlust ihrer Lebensgrundlagen kämpfen, wird es einen drastischen Rückgang psychischer Erkrankungen, Suizidversuche und anderer abnormer Verhaltensformen geben, zu denen übrigens auch „verbrecherisches“ Verhalten gehört.

Um mal aus der Wikipedia zu zitieren:  
“Unter einem Verbrechen wird gemeinhin ein schwerwiegender Verstoß gegen die Rechtsordnung einer Gesellschaft oder die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens verstanden.“
Die Normen, gegen die dabei verstoßen wird, sind in Gesetzen festgelegt. Gesetze können einen Menschen jedoch nicht zu einer Handlung oder Unterlassung zwingen. Nur festlegen, was bei Zuwiderhandlung geschieht. Und da ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Es mag utopisch klingen, dass die RBE praktisch keine Verbrechen kennt. Aber sie braucht tatsächlich weder Gesetze noch Polizeistaffeln oder Strafvollzugsanstalten, denn ihr Grundmuster verhindert schädigendes Verhalten bereits im Ansatz. Die von The Zeitgeist Movement angestrebte Ordnung begreift Ordnungsverstöße und Straftaten als menschliche Reaktion auf Mängel in der Gesellschaft. Wo Fehlverhalten auftritt, wird die Gesellschaft versuchen, die Mängel im System ausfindig zu machen, um sie durch Neuorganisation oder technische Lösungen zu beheben. Wo wir im Straßenverkehr heute etwa einen Schilderwald durchqueren, würde die RBE Autos so konstruieren, dass menschliches Versagen keine Rolle mehr spielt.
Anderes Beispiel: Wer im Affekt seinen Partner tötet, ist kein gewöhnlicher Verbrecher. Was wir heute als Prinzip der Abschreckung kennen, befindet sich bei ihm im Tataugenblick außer Kraft. Strafe oder ihre Androhung wird künftiges Fehlverhalten ebensowenig verhindern wie zuvor. Eine Untersuchung der psychischen Abläufe und deren Auslöser in der Umgebung des Täters wären dazu zweckdienlicher, Resozialisierung erfolgversprechender.

Dagegen muss es als schlechter Witz gelten, dass marktwirtschaftliche Staaten ihren Bürgern ehrliches, anständiges Verhalten gesetzlich abverlangen, während Konkurrenzkampf um Geld und knappe Ressourcen der einzige Antrieb ihrer Ökonomie ist.
Ehrliche Politiker, verantwortungsbewusste Firmenbosse und genügsame Mitmenschen ganz allgemein sind vor diesem Hintergrund eine Illusion. Ein Wunschtraum, den wir mit riesigem Aufwand und repressiver Gewalt aufrecht zu erhalten versuchen.
Recht oder Politik sind im Bewusstsein der Zeitgeistbewegung keine Kategorien. Es handelt sich um veraltete Institutionen, geschaffen, um den Mangel zu verwalten. Sie werden überflüssig sein, sobald das Grundproblem, die ungleiche Verteilung von Gütern, verschwindet. Und mit ihr die Macht von Wenigen über Ressourcen und Menschen.

Ich habe das früher anders gesehen, denn ich befand mich in ähnlicher Situation wie ein Polizist, der nur den Abschaum zu sehen kriegt. Da muss man an der Menschheit ja irre werden.
Vermutlich ist es aber wirklich besser, wenn man kriminellen Fluchtbewegungen in der Gegenwart so wenig Spielraum wie möglich lässt. Solange ihre Ursachen fortbestehen, brutalisieren sie nur den Konkurrenzkampf. Innerhalb des monetären Systems ergibt Strafe Sinn. Deswegen muss das ganze System weg.

2009-06-26

Künftig immer knapp bei Kasse

RBE, resource based economy also, soll die schlimmsten Menscheitsprobleme in den Griff bekommen. Zu denen zählt keineswegs die Finanzkrise, auch wenn solche Erscheinungen in einer RBE nicht die geringste Grundlage hätten.

Denn eben darum geht es The Zeitgeist Movement: den Krisen und Problemen des Menschen die Grundlage zu entziehen. Ich hätte als Einstiegspunkt für diese kleine Artikelserie die Abschaffung des Geldes als eine der spektakulärsten Maßnahmen benutzen können. Aber das hätte nicht den Kern getroffen. In der Ideenwelt Jacque Fresos geht es nicht um Verbote. Auch Geld bliebe weiterhin zugelassen. Es verlöre seinen Wert allein aufgrund der Organisation der Gesellschaft und würde von niemand mehr verwendet werden.

Denn wofür brauchen wir heute Geld?
Um Güter und Dienstleistungen zu bezahlen, die wir haben möchten.
Eigentlich möchten wir also nicht Geld besitzen, sondern unsere Bedürfnisse befriedigen.

Wieviel Geld brauchen wir?
Entsprechend dem Wert, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt.
Mit anderen Worten bestimmt der Grad der Knappheit einer Ware, wieviel sie kostet. Und das bedeutet auch, dass Gegenstände und Aufgaben, für die keiner bezahlen möchte oder kann, gar nicht erst angeboten werden. Selbst wenn sie dringend gebraucht würden, wie z.B. mehr Pflegezeit pro Kassenpatient oder bessere Ausstattung der Unis.

Die RBE fragt nicht danach, wieviel etwas kostet. Sie ermittelt den Bedarf und die zu seiner Befriedigung nötigen Zutaten und Maßnahmen. Eine der wichtigsten Maßnahmen bei ihrer Einführung wird die Erstellung eines quantitativen und qualitativen Kataloges von Ressourcen sein, die weltweit, insbesondere in ihrem Einzugsgebiet, zur Verfügung stehen: Wasser, Luft, Boden, Mineralien und Metalle, lebende Spezies, Menschen, Know-how. Dieser Katalog wird dauerhaft auf dem neuesten Stand gehalten, u.a. durch technische Hilfsmittel wie Bodensonden und Satelliten.
Steht eine Aufgabe an, etwa der Bau einer Brücke, muss ich lediglich herausfinden, welcher Ressourcen ihre Errichtung bedarf, diese organisieren und mit dem Bau beginnen.
Da Geld keine Rolle spielt, können die zweckdienlichsten Rohstoffe benutzt und die Pläne so lange überarbeitet werden, bis ein dauerhaftes, sicheres, eventuell sogar wartungsfreies Gebäude dabei herauskommt.
Den Effekt, dass sich die Bauzeit verlängert, weil Firmen an Personal und Technik sparen, dass Schlamperei auf lange Sicht das Gebäude gefährdet, dass aus Gründen der Kosteneffektität minderwertige oder ungeeignete Materialien verwendet werden, gibt es in einer RBE einfach nicht. Technik und Arbeiter sind da, das Know-how ist da, das Material ist da. Selbst bei völliger Entwertung des Geldes bleiben diese Ressourcen erhalten und können benutzt werden.

Kommen dabei nicht das Ökosystem und die letzten Rohstoffreserven der Erde unter die Räder?
Eher das Gegenteil ist der Fall. Während heutzutage Dinge ein eingebautes Verfallsdatum haben (gemeint sind dabei nicht nur Druckerpatronen oder Modeartikel), was hauptsächlich von Einsparungen bei ausgebildetem Personal und an der Materialqualität herrührt, braucht eine rohstoffbasierte Ökonomie nicht auf Kosten oder Gewinnoptimierung achten. Sie wird Gegenstände so haltbar, kompatibel, wartungsfreundlich und leicht wiederverwertbar wie nur möglich machen, denn damit senkt sie die „Kosten“, die in der RBE anstelle des Geldes stehen. Ihre Währung ist Rohstoff. Sie hat kein Interesse daran, ihre Währung für etwas zu verfeuern, das morgen bereits wieder auf dem Müll liegt. Nachhaltigkeit wird von allein angestrebt, weil ihre Effekte schon im Design der Gemeinschaft als „Profit“ angelegt sind. Sie begreift den Planeten als Ganzheit, als ein System aufeinander angewiesener Elemente, die nicht persönlichen Interessen geopfert werden dürfen. Genauso, wie die Marktwirtschaft niemals auf Geld verzichten würde, denn das ist ihre Basis, kann eine ressourcenbasierte Gesellschaft zulassen, dass ihr Lebenssaft in unnützer Weise verschleudert wird. Ihr wird deswegen dringend daran gelegen sein, Ressourcen intelligent zu verwalten. Nicht nur Knappheit zu beseitigen, sondern auch Überproduktionen.

Die Überwindung von Knappheit, also dass alles Wissen, jede Dienstleistung und jeder gewünschte Gegenstand für jedermann jederzeit zur Verfügung steht, nimmt den Dingen ihren Tauschwert. Sie verkaufen, stehlen, erschleichen, horten zu wollen ist zwecklos. Auch auf diesem Feld merzt social design Probleme aus, die uns im Alltag massiv beschäftigen. Im nächsten Beitrag wird’s also erst richtig interessant.

2009-06-25

Kröten raus!

Ich tu mich ein bisschen schwer, den Einstieg in eine Erklärung dessen zu finden, was The Zeitgeist Movement ausmacht. Denn egal, welchen Teil des Gedankengebäudes ich zuerst zeichne, wird der Rest davon zunächst fehlen, wird im Gehirn des Zuhörers sofort Schlagworte wie „Motzkopp“, „Gleichmacherei“ und „Weltfremdheit“ aufschreien lassen, während in ihm der bis dahin geschilderte Gebäudeflügel gedanklich bereits wieder einstürzt.

Baust du ein Schloss, fang bei den Fundamenten an, wird mir jeder Baumeister sagen.
Ja, auch das wäre ein guter Ort, um zu beginnen. Dann sind wir allerdings wieder an dem Punkt, an dem bisher die meisten Systemgegner steckengeblieben sind: der Kritik des status quo.
Diese Kritik ist unumgänglich, denn um zu wissen, wohin man gehen möchte, muss man zunächst seinen Standort kennen. Aber diese Sorte Eintrag habt ihr von mir bereits genügend gelesen. Ich habe in meinem Leben ein paar ziemlich üble Fratzen der bundesdeutschen Gesellschaft ansehen müssen. Ich kenne einige der widerwärtigen Innereien und ich wundere mich immer wieder, wie selbstverständlich deren Gestank hingenommen wird. Auf ein paar Punkte muss ich später nochmals eingehen. Was ich für heute suche, ist ein neutraler Einstiegspunkt, irgendwo zwischen Futurismus und Kapitalismus.

In Wikipedia gibt es diesen einleitenden Absatz, der der Begriffsklärung dient, bevor es in die Einzelheiten geht. Mit Definitionen kann man eine Menge Unfug treiben. Sie sind aber auch ein konstruktiver Beitrag, wenn sie den Rahmen abstecken, über den man redet und Begriffsverwirrungen verhindern. In diesem Sinne möchte ich sie verwenden. Sofern Unklarheiten auftreten, ruft ganz laut „Unk.“ !-)

The Zeitgeist Movement ist eine Graswurzelbewegung, die ihren Umfang auf derzeit 300.000 Menschen weltweit schätzt. Sie begreift sich als handelnde Gemeinschaft zur Unterstützung von The Venus Project.

The Venus Project wiederum ist ein 1975 gegründetes, in Venus, Florida ansässiges Kleinunternehmen, das theoretische und praktische Forschungen betreibt, wie die Lebensgrundlagen des Menschen nachhaltig gesichert werden können.
Leiter sind Jacque Fresco und Roxanne Meadows.

Jacque Fresco , geboren 1916, Autodidakt und Industriedesigner, hat die Große Depression selbst miterlebt und forscht seither an Wegen, wie solche Krisen bereits im Ansatz aus der Gesellschaft herausdesignt werden können. Wissenschaftliche Methode und technische Hilfsmittel genügen seiner Auffassung nach, um bereits heute die meisten großen Menschheitsprobleme zu beseitigen. Veröffentlichungen seit mehreren Jahrzehnten präzisieren diesen Gedanken immer weiter, von Looking Forward (1969) bis hin zu den Leitlinien der Bewegung (2009).

Roxanne Meadows, geboren in den 1940ern, unterstützt Jacques Forschungen seit Gründung des Venus Project und vertritt dieses nach außen hin. Es gibt ein zweistündiges Radiointerview, in dem die beiden ein wenig aus ihrer Biografie erzählen und durch das Forschungszentrum in Florida führen. Sie stellen Modelle, Entwürfe und Prototypen von Häusern und technischem Gerät vor, die das Nachhaltigkeitsprinzip der RBE, der Resource Based Economy veranschaulichen.

Die Ressourcenbasierte Wirtschaft ist das zentrale Motiv in Frescos Studien. Im Gegensatz zur gegenwärtigen monetären Wirtschaft beschäftigt sie sich ausschließlich damit, welche Ressourcen vorhanden sind und wo sie gebraucht werden. Sie benötigt daher kein Geld und keine der damit verbundenen Institutionen. Selbst Tauschhandel wird es nicht mehr geben. So entfällt automatisch jede Form von Profit sowie alle damit einhergehenden Probleme, die wir heute noch – bisher vergeblich – mit einem aufwändigen Regulierungsapparat in den Griff zu bekommen versuchen.

Wie eine RBE lebensfähig bleibt, zeigt dann der nächste Beitrag.

2009-06-23

Umsturz? Stimmt, da hinten, der Sack Reis da...

[info]greensaki hat mich gestern während einer kleinen icq-diskussion über The Zeitgeist Movement ausgequetscht, insofern sie den Eindruck hatte, ich hätte über manches nicht genug nachgedacht. Zumindest habe ich bisher versäumt, eine Art schlüssiges Gesamtkonzept vorzulegen. Dies zum Teil, weil mein Gehirn gerade eben umstellt von „ich-sehe-wo-und-warum-die-Kacke-am-dampfen-ist-aber-ich-komm-hier-nicht-raus“ auf ein nach vorn gerichtetes Denken. Zum Teil auch, weil dafür dreimal so lange Einträge erforderlich wären, die noch weniger Leute lesen und deren Inhalte ohnehin besser durch Primärquellen und Wiki-Einträge dargestellt wären. Ich möchte außerdem nicht den Eindruck erwecken, ich wäre seit neuestem auf irgendeinem esoterischen Guru-Trip, um meine und eure arme Seele zu retten. Das liegt mir fern.

Es geht hier nicht um Gefolgschaft, um Meinungen oder Glaubensfragen, um Interessen oder Politik.
Die Grundlage von Zeitgeist ist Bildung, denn die ermöglicht es, wissenschaftliche Methoden auf Gesellschaftsgestaltung und Entscheidungsfindung anzuwenden. Herauszufinden, was wirklich wichtig für mich als einzelnes Lebewesen ist, aber auch für jede Stufe von Gemeinschaft. Bis hin zur Ökosphäre.
Daher wäre es besser, meine Leser holten sich ihre Information nicht aus zweiter Hand (von mir), sondern ließen sich nur anregen, bei Interesse an die Quellen selbst zu gehen.
Aber ich akzeptiere natürlich, dass die Mehrzahl auf dieser Site hier bleiben möchte und sich mit ein paar Happen ausreichend darüber in Kenntnis gesetzt fühlt, was der olle Pax mit dem Rest seines Lebens anzustellen gedenkt.

Eigentlich hatte ich vor, eine kleine SciFi-Story draus zu machen. Die erschien mir angesichts der Komplexität des Themas anschließend so banal, dass ich sie – zumindest ohne Gegenlesung und auf Unterhaltung getrimmte Schreibe – für untauglich halte. Bleiben wir bei den Fakten, während ich versuche, einen über Jahrzehnte entwickelten Entwurf in begreifbare Stücke zu zerlegen. Es geht um nichts weniger, als eine völlige Neugestaltung, die sämtliche bisher für selbstverständlich erachteten Institutionen, Gebräuche und Denkweisen auf den Prüfstand stellt und in sehr vielen Fällen obsolet macht.

Da tauchen natürlich Bedenken vor „Illusionen“, „Kommunismus“, „Revolution“ und ähnlichem mehr auf. Ich möchte den kommenden Blogeinträgen nur insoweit vorgreifen, als ich darauf hinweise, dass jeder Punkt des Zeitgeistkonzepts hinterfragt werden kann. Glaube, Hoffnung oder blinde Gefolgschaft taugen nicht als Grundlage einer Gesellschaft, die die Ursachen des Leids auszumerzen anstrebt. Außer der Würde des Menschen, sein Recht auf Leben, gibt es hier also keine heiligen Kühe. Dies schließt von allein gewaltsame Umstürze und Durchsetzungsversuche von oben herab aus.

Die Revolution ist eine Revolution des Denkens, eine Befreiung von nicht-funktionierenden Mustern, der Sturz von Dogmen, Autoritäten und Gewohnheiten, damit Handlungsalternativen überhaupt eine Chance erhalten. Sie findet ausschließlich im Kopf statt. Zunächst bei ein paar wenigen, die gemeinsam die sogenannte „ressourcenbasierte Ökonomie“ in einer Modellstadt ausprobieren. Mit der Zeit wird diese Gemeinschaft von allein wachsen, da sie offen ist für jeden, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Glaube oder irgend einer anderen der vielen trennenden Unterscheidungen.

2009-06-18

Welches Schweinderl hättens gern?

Erstaunlich, welch großartige Ideen zutage treten, wenn man zulässt, dass sie an einen herangetragen werden. Oder wenn man sie überhaupt sieht, wo man über sie stolpert.
Vielleicht ist es nur eine zufällige Häufung, dass sich gerade heute so viele Veränderungen und so viele (für mich) neue Ideen abzeichnen. Gerade jetzt, wo mir selbst die Befreiung aus dem Zustand kraftloser, nur beobachtender Starre gelingen will.
Aber was wie Zufall aussieht, verbirgt meist nur eine unentdeckte Beziehung.

Da ich mich entschlossen habe, an der Zeitgeist-Bewegung teilzunehmen, ist es kein Zufall, dass als zusätzliche Quelle Jiddu Krishnamurti ins Spiel kommt.
Krishnamurtis Rede über die wirkliche Revolution, nämlich die des Verstandes und des Bewusstseins, wurde ja im Film Zeitgeist: Addendum zitiert.

Der indische Philosoph erklärt, dass wir unser Dasein in die materielle Welt verlagert haben. Die Probleme dieser Welt werden somit auch die unseren. Die Krise ist aber seiner Auffassung nach eigentlich eine Krise des Bewusstseins, denn all die trennenden, Konflikt auslösenden Gedanken kommen aus uns selbst.
Während politische Handlungen, etwa Revolutionen, auf die materiellen Auswirkungen zielen, ist die eigentliche Revolution im Sinne des Wortes eine radikale, an die Wurzel des Problems gehende. Eine Revolution des Geistes, seiner Befreiung von Werten und äußeren Einflüssen und damit im weitesten Sinne der Selbstfindung.

Wer aber bin ich?
Als Krishnamurti gefragt wurde "Who are you?", legte dieser einen seiner zentralsten Gedanken dar:



Wenn wir etwas hören oder über uns selbst nachdenken, sollen wir uns frei machen von Vorurteilen. Wir sollen auch nicht versuchen, das Gehörte bzw. den betrachteten Gegenstand, sofort in unser Wertesystem einzuordnen, in Kategorien wie Zustimmung und Ablehnung, und auch nicht den Vergleich mit Erfahrungen suchen. Vielmehr sollen wir in uns hineinhören, um die ersten Reaktionen unseres Geistes wahrzunehmen und seine Natur zu erkennen.

Was sich etwas abgehoben anhört, lässt sich durchaus auch in der materiellen Welt anwenden. Wissenschaftliche Methodik kommt dem wohl am nächsten. Hier ist auch die Verknüpfung zu The Zeitgeist Movement.
Zeitgeist besagt, dass zunächst eine Befreiung des Geistes von sozialisierten Werten geschehen soll, um eine wertfreie Gesellschaft aufbauen zu können. Eine die sich auf Logik gründet statt auf Eigennutz und Meinungen.
Wenn ich beispielsweise Hunger empfinde, dann mag heute mein erster Gedanke dem Geld gelten, mit dem ich mir einen BigMac kaufen gehen könnte. Gehe ich dem Gefühl auf den Grund, dann brauche ich kein Geld, sondern ich brauche etwas zu essen. Das Geld ist nur eine Krücke, mit der eine knappe, streng kontrollierte Ressource beschafft wird.
Eine auf Logik aufgebaute Gesellschaft beseitigt die Knappheit an sich, so dass die Krücke überflüssig wird.

Eine weitere Parallele zu Krishnamurti stellt die These von der Einheit dar.
Wenn man erkennt, dass die vielfältigen, trennenden und aggressionserzeugenden Aufteilungen nach Rasse, Herkunft, Religion, Geschlecht, Anschauung usw. reine Gedankenkonstrukte darstellen, so wird offenbar, dass wir alle gleich sind, und daher eins. Wir alle haben die selben Bedürfnisse. Zeitgeist ebenso wie Krishnamurti postulieren die Überwindung von Gier, Konkurrenzdenken und Aggression, die aus der Trennung erwachsen.
Der schädliche Gedanke der Trennung wird hauptsächlich erzeugt durch Ressourcenknappheit. In einer Situation der Knappheit hilft er, sich und seine Gruppe gegen "die Anderen" zu verteidigen. Die Beseitigung von Knappheit fördert das Gefühl der Einheit.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Existenz von Institutionen. Menschen, die lernen, freien Geistes zu sein, bedürfen keiner Zugehörigkeit zu einer Religion, einer Nation oder Interessengruppe, die den Weg festlegt. Ihr Weg ist ein selbstgefundener.

Und damit - last not least - stimmt Zeitgeist mit Krishnamurti überein, dass es keine organisierten, vordefinierten Pfade aus krisenhaften Situationen geben kann, und dass keine letzten Wahrheiten existieren, die zu erreichen unser Ziel sein könnte. Alles ist im Wandel, alles kann hinterfragt werden, für jeden Weg gibt es Parallelwege.

Wenn Krishnamurti jedoch sagt, dass Veränderungen der Gesellschaft irrelevant sind, weil sie an den Wurzeln nichts ändern, scheint er überhaupt nicht mehr zu Zeitgeist zu passen. Denn die Bewegung zielt ja auf Änderungen in der materiellen Welt ab.
Das Denken als Konfliktlöser werde versagen, denn es sei nicht identisch mit der Wirklichkeit, nur deren Abstraktion aufgrund lückenhaften Wissens.

Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer.
Der Überwindung der heutigen geldbasierten Gesellschaft geht ein radikales Umdenken voraus. Alle alten Werte werden in Frage gestellt, um zu ergründen, was die eigentlichen Bedürfnisse des Menschen seien und wie ihnen zu Geltung verholfen werden könnte. Auf dem Weg zu einer ressourcenbasierten Gesellschaft gibt es keine Führer, keine Doktrinen. Nur viele Individuen, die mit einer Änderung ihres Bewusstseins einen Wandel in der materiellen Welt erwirken.
Sie bilden eine unregierte, uninstitutionalisierte Nicht-Gesellschaft, welche es anderen Menschen, die heute vom starken Hintergrundrauschen behindert werden, erleichtert, ihren Geist zu erforschen. Um zu fragen: Wer bin ich?

2009-06-14

Drei hauchdünne Scheibchen Leberwurst bitte

Da hätt ich mich heute bald eingepisst vor lachen.
Wikipedia meinte tatsächlich, den The Zeitgeist Movement -Artikel löschen zu müssen.
Begründung:
"Außer dem einen NYT [New York Times] Artikel scheinbar keine Wahrnehmung durch relevante Medien. Nicht einmal der typische SPON-Artikel in dem die "Bewegung" erwähnt wird. Der einzige Beleg sind Nutzerzahlen in Foren [118.000 auf Facebook], auf YouTube [2,6 Mio downloads] und so weiter. Das ist kein Beleg für die Bedeutung einer selbsternannten "Bewegung"."

Die New York Times ist nicht so wichtig. Aber dass der Spiegel nix geschrieben hat... :D

Halb so schlimm.
Die ganze Lamentiererei über Fehler der Vergangenheit und gegenwärtige Zensurversuche dient eh nur dem einen Zweck: festzustellen, worin der Ausgangspunkt besteht. Auf Basis gewonnener Erkenntnis dann realistische Wege in eine bessere Zukunft suchen.

Die Unzufriedenen werden überall mehr. Warum denn nur ;)
Du brauchst bloß ein paar Worte fallen zu lassen und sie springen drauf an. Dann fragen sie nach Lesestoff. Ich versuche da auch niemand zu überzeugen, sondern erzähle halt davon, was ich vorhabe. Sonst holt man sich faule Äpfel ins gesunde Obst. Das Problem der Leute ist, dass sie in ihrer Zwangslage stecken und keinen Ausweg sehen. Wir wurden alle so sozialisiert, dass keine Alternative zu den bestehenden Mechanismen möglich scheint. Außer "ich brauch mehr Geld - aber woher nehmen wenn nicht stehlen?" fällt einem erst mal nichts ein. Dass man dieses Geld aber, auch wenn man es ehrlich verdient, nachher einem Anderen fehlt, kommt niemand in den Sinn.
Zeige einen gangbaren Weg ohne Geld. Das ist alles.


Wir werden ihnen das Volk unterm Hintern wegklauen. Das einzige, was ihnen bleibt, ist Desinformation. Aber selbst das kann uns egal sein. Es liebäugeln jetzt schon mehr Menschen mit Zeitgeist, als man für 10 Kleinstädte braucht. Seit der letzten Woche sinds 1000 neue TZM-Forenuser und 65.000 zusätzliche Facebookuser. Ich habe heute 2x die Youtube-Zahlen geprüft. Innerhalb 3 Stunden 10.000 neue Downloads des ersten Movie.

Ich bin gespannt, ob die Wikileute überhaupt meine Frage beantworten, wieviel öffentliches Feedback denn nun konkret gebraucht wird, damit enzyklopädische Relevanz gegeben ist. Irgendwann jedenfalls klopf ich nochmal an ihre Tür, mit einem fertigen Artikel in der Tasche.

2009-06-12

Doch! Genau das bedeutet es!

"Meinungsfreiheit bedeutet nicht, daß jeder dahergelaufene Verschwörungsspinner überall ein einklagbares Recht auf Veröffentlichung seines Wahns hat." (sVZwatch)

Ich würde sagen: Doch, genau das bedeutet es. Selbst ohne Grundgesetz-Artikel 5.

Wenn Meinungsfreiheit aber nicht bedeutet, dass jeder sein verbrieftes Recht auf freie Rede wahrnehmen darf, dann ist dieses Wort genau so hohl wie "Demokratie" und "soziale Marktwirtschaft". Dann ist das Grundgesetz Makulatur.

Freie Meinungsäußerung rechtfertigt, wie daselbst festgelegt, natürlich nicht die Verbreitung diskriminierender und hasserzeugender Äußerungen. Sofern Einzelpersonen hiergegen verstoßen, kann und soll man sie aus der Gemeinschaft ausschließen.

Aber die Löschung ganzer Gruppen und Communities, vor allem solcher, deren Ziel in der Überwindung aller Schranken besteht, die Menschen trennen, ist völlig daneben.

So weit ist es also gekommen. Die selbsternannten Sittenwächter über studiVZ ("für mehr Öffentlichkeit") zeigen mit dem Finger auf 250.000 Menschen weltweit und nennen sie, aufgrund der Äußerungen Einzelner, Antisemiten.

Die Zeitgeistbewegung als solche hegt keine irgendwie gearteten Anti-Vorstellungen.
Die Leitlinien der Bewegung sind für jedermann nachlesbar.
Kein Wort von Antisemitismus. Im Gegenteil. Das Ende von Hunger, Rassismus, Unterdrückung, Ausbeutung. Die Autoren berufen sich u.a. auf Carl Sagan:  
”The old appeals to racial, sexual and religious chauvinism, to rabid nationalist fervor, are beginning not to work. A new consciousness is developing which sees the earth as a single organism, and recognizes that an organism at war with itself, is doomed. We are one planet.”

Wer also aufgrund der Äußerung Einzelner alle Zeitgeistgruppen über einen Kamm schert, braucht sich nicht wundern, wenn
1.) der Verdacht aufkommt, hier würden gezielt Andersdenkende der Meinungsfreiheit beraubt.
2.) ihm vorgeworfen wird, er veröffentliche entweder bewusst Hetzartikel oder habe nicht ausreichend recherchiert.

Längst sind nicht mehr Süddeutsche und Welt an vorderster Front, wenn es um die Verteidigung konservativer Werte geht, sondern auch ehemals linke Blätter. Und, was schlimmer ist, Web-Angebote, die bisher als Sammelbecken der Anhänger freier Meinungsäußerung galten.

Jacque Fresco nennt das Korruption. Warum?
Bei Korruption handelt es sich um Missbrauch einer Macht- oder Vertrauensstellung, um einen Vorteil für sich oder seine Institution zu erlangen. Damit handelt es sich um eine Verletzung des allgemeinen Interesses zugunsten eines speziellen Vorteils.
Alle Institutionen der Welt sind korrupt, weil sie zuerst versuchen, sich selbst und damit das bestehende System aufrecht zu erhalten. Ihr Handeln wird nicht von Nützlichkeit und Nachhaltigkeit für alle Menschen bestimmt, sondern von Eigennutz.

Es hat wenig Wert, sich über solche Dinge in Rage zu reden. Es war klar, dass das Establishment kein Interesse am Verlust seiner Machtpositionen hat und mit Diskreditierung bzw. jeder beliebigen anderen Art des Angriffs reagieren würde.

Genau deswegen ist Zeitgeist keine politische, sondern eine Graswurzelbewegung. Wir brauchen keine Politiker, die unserer Stimme Geltung verschaffen. Wir brauchen keine Manager mit mehr Gemeinsinn. Wir brauchen sie überhaupt nicht. Jeder von uns kann eigenverantwortlich handeln und sollte es auch, damit das westliche Gesellschaftsmodell überwunden wird. Es ist unreformierbar, denn es erhebt den Kampf um Ressourcen zur Religion. Es erzeugt Ausbeutung, Hass, Lüge und Gewalt. In einer Welt, die nicht expandieren kann, muss es schließlich an seiner eigenen Gier ersticken.

Das freiheitlich-demokratische System mal in action zu erleben empfinde ich trotz einer gewissen Angepisstheit als spannend.

2009-06-08

Lieb Vaterland

Da schau her. StudiVZ löscht Gruppen, die mit The Zeitgeist Movement zu tun haben. An die 10.000 User sind davon betroffen.
Und die Begründung ist absolut herrlich:

Hallo,

wir haben Deine Gruppe „Zeitgeist-Revolution.de“ gelöscht. Sogenannte Zeitgeist-Gruppen werden im VZ nicht länger akzeptiert. Allerdings möchten wir auch darlegen, weshalb wir uns zu diesem Schritt entschieden haben.
Es ist nicht unsere Absicht alternative Meinungen und Nachrichten zu behindern oder zu unterbinden, aber wir beobachten seit einige Zeit mit großer Sorge die Entwicklung der Theorien, die z.B. durch die Zeitgeist-Filme angestoßen wurden.
Die Ideen von grauen Eminenzen, Eliten oder Geheimbünden, die im Hintergrund die Fäden ziehen, ist nicht neu. Die Zeitgeist-Filme weiten diese Idee auch auf das Wirtschaftswesen aus. Und da schließt sich ein Kreis innerhalb der Geschichte der Verschwörungstheorien: Latenter Antisemitismus, der immer wieder in vielen der formulierten Theorien durchscheint.
Zum Beispiel in der Idee vom bösen, raffenden Kapital, welches ja letztlich für die Wirtschaftskrise verantwortlich ist und über Mäzenatentum und ähnliche Mittel der Einflussnahme auf die Weltpolitik einwirken, um diese nach ihrem Interesse zu lenken.
Wir sehen davon ab den Antisemitismus zu erklären oder zu diskutieren, weil wir von unseren Gruppengründen erwarten, dass sie sich mit den Problemfeldern ihrer Gruppenthemen auseinandergesetzt haben.
Weiter bitten wir Dich keine weiteren Gruppen zu diesem Themen zu gründen, da dies ansonsten zu einer Sperrung oder Löschung Deines Profils führen kann.

Danke für Dein Verständnis,
Das VZ Team

Ich rekapituliere: Eine soziale Bewegung, deren Grundlage Einheit ist und nicht anti-irgendwas, schon gar nicht anti-semitisch, wird unter fadenscheinigen Begründungen aus einem sozialen Netzwerk getilgt, das der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehört. Aufschlussreich.
Ich würde sagen, die Hatz hat begonnen.
Wer das für paranoid hält - ein Mitarbeiter der dt. Wikipedia schlug selbigen Tags den entsprechenden Artikel zur Löschung vor. Natürlich aus rein formalen Gründen.

Das Beste ist ja der Satz "Wir sehen davon ab den Antisemitismus zu erklären". Wo nichts ist, kann man natürlich auch nichts erklären *g*
Manche Medien nehmen eine unvorteilhafte Entwicklung. Das ist ja nicht nur StudiVZ. Solange es das Internet in dieser Form noch gibt, sollten wir es nutzen, um Gleichgesinnte zu finden. Der Nachteil an jeder Art von Medium ist halt, dass man es manipulieren, zweckentfremden oder sogar sperren kann. Aber wenn nicht jeder Einzelne inhaftiert wird, besitzen wir immer noch ein Paar Beine und einen Mund, mit denen Anliegen weitergetragen werden können. Klingt jetzt zwar doof, macht mich aber irgendwie freier.


The Zeitgeist Movement ist noch eine relativ junge Graswurzelbewegung. Es geht dabei kurz gesagt um die Überwindung geldbasierter Wirtschaft.
Wie das gehen soll, kannst du in einem 83-seitigen Papier nachlesen oder den Film Zeitgeist: Addendum ansehen, um einen Plan zu bekommen.
Ich habe die Ansichten und Ziele kurz in einem Wiki-Eintrag zusammengefasst. Der allerdings bis Freitag zur Löschung ansteht:
 http://lotus-online.de/modules/news/article.php?storyid=27
Ich hoffe, die Berichte bleiben in einem halbwegs sachlichen Rahmen, der es Wikipedia erlaubt, das Gesicht zu wahren. Ich fand die Löschbegründung zwar ziemlich dünn und sie gibt im Zusammenhang mit anderen Löschungen ein schlechtes Bild ab, aber immerhin muss man zugestehen, dass das Anliegen tatsächlich formaler Art sein könnte. Ich habe den Artikel heute ein wenig erweitert, um dem entgegenzukommen. eine Löschung fände ich aber unabhängig von persönlichen Ansichten völlig inakzeptabel.

2009-06-05

Arsch auf Eimer (Pathos version)

Alles, was mich über die Jahre bewegt hat. Alle Zweifel, alles Unvermögen, mich einzuordnen. Alle Bitterkeit, Zurückgestoßensein, Verwunderung, gefühlte Wertlosigkeit des Daseins, aber auch alle Freude über Schöpfungen der Kunst und Intelligenz. Alles fügt sich heute zu einem Gesamtbild, dessen innere Logik nicht widerlegt werden kann. Mit einem Wimpernschlag fühle ich mich nicht mehr als in die Welt niederer Beweggründe verstoßener Traum. Ich hielt der einzig für mich gültigen Wahrheit die Treue - um den Preis der Entfremdung von meiner Umwelt.
Aber nur so konnte ich lernen. Gelitten zu haben war wichtig. Gewartet zu haben war notwendig. Verzichtet und zurückgesteckt zu haben unabdingbar. Zeit gehabt zu haben zu lesen und auch Erfahrungen in mich einsinken zu lassen.
So weiß ich jetzt, dass ich mich - seit ich denken kann - vergebens krank gefühlt habe. Ich war nie krank. Ich war nie weltfremd. Ich war und bin nur einer zutiefst kranken Gesellschaft entfremdet.
Ich glaube nicht an Vorbestimmung. Ich glaube an keine höhere Macht. Ich glaube überhaupt nichts. Nach wie vor bin ich so unspirituell wie man nur sein kann. Aber ich bin einen steinigen Pfad gegangen und ich habe Erkenntnis erlangt. Ich gedenke davon Gebrauch zu machen.
Kirk, Ende.