2010-08-30

Zivilisation als Zwischenspiel

Eisensteins Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen. Es ist ein Augenöffner. Definitiv. Nicht dass mir das Meiste unbekannt gewesen wäre. Im Gegenteil. The Ascent of Humanity bestätigt vieles, was mir schon seit langem schwant, knüpft aber neue Verbindungen und denkt Linien bis zu einem Ende, das man lieber nicht sehen möchte. Andererseits: Was hilft's? Probleme verschwinden nicht einfach, wenn man wegsieht.

Eisenstein schreibt flüssig und leicht verständlich. Wenn ich Ascent lese, komme ich schnell vorwärts.
Wenn.
Gleichzeitig beschäftige ich mich aber mit einigen Nebenlinien. Norberg-Hodge, Zerzan, Roszak, J.Diamond, Capra, Illich, Fukuoka, Naess, V.Shiva. Die Verbindungen, die sich daraus ergeben, zeichnen ein alarmierendes Bild, vor dessen Hintergrund Mainstreamfilme wie Home in einem ganz neuen Licht erscheinen: Wir werden die Zivilisation nicht retten können, weil sie (wie ihre Hochform, der Kapitalismus) den Keim ihrer Zerstörung von Geburt an in sich trägt.

Wir sind eine Zivilisation.
Das wird kaum jemand bestreiten. Außer vielleicht Jacque Fresco, der wiederholt feststellte: "We're not civilized yet!" Er klassifiziert Erscheinungen wie Hunger, Unterdrückung und Krieg als barbarisch, lässt aber anthropologische und archäologische Forschungsergebnisse seit den 70er Jahren unberücksichtigt, die darauf hindeuten, dass wir diese Dinge der Zivilisation zu verdanken haben, wie z.B. Zerzan und Eisenstein nachweisen. Ich gehe später noch darauf ein.

Zunächst eine andere Frage: Wovon reden wir überhaupt, wenn wir uns als Zivilisation bezeichnen?
Das Wort entstand im Zuge der bürgerlichen Emanzipation aus der Wortwurzel civis/civitas (lat.) = Bürger/schaft (dt.) = citizens (engl.) = citoyens (frz.), deutet also auf Bewohner einer befestigten Stelle (Burg oder Stadt) hin. Als das Wort während des späten Kolonisationsprozesses für die Unterscheidung zwischen "fortgeschrittenen" und kolonisierten Völkern verwendet wurde, ergab es in vielen Fällen weiterhin Sinn, da es sich in klaren Gegensatz zu nicht-organisierten, nicht-sesshaften Kulturen stellte, die man "barbarisch" und "primitiv" nannte. Diese Sichtweise herrscht bis heute vor. Sie unterstellt, dass Zivilisation ein Fortschritt gegenüber Primitivismus sei und rechtfertigt damit unseren missionarischen Eifer bei der Zivilisierung "rückständiger" Völker.

Was macht eine Zivilisation aus?
Wichtige Elemente aller bekannten Zivilisationen waren:
Grenzen, totalitäre Landwirtschaft, Kunst, Schrift, Zeitmessung, Geschichtsschreibung, Mathematik, Arbeitsteilung, Städtebau, Verwaltung, Jurisdiktion, Religion, Hierarchie.
Alle diese Wörter bezeichnen nicht nur zufällig abstrakte Begriffe. Zivilisation baut geradezu auf abstraktes Denken auf und ist ohne dieses undenkbar.

Doch nicht nur ihre Inhalte sind reichlich luftige Gebilde. Ihr Fundament ist ein blankes Hirngespinst: "Indem wir uns selbst als diskrete und abgetrennte Wesen sehen, versuchen wir natürlicherweise das Nicht-Selbst zu unserem besten Vorteil zu manipulieren." schreibt Eisenstein. Er charakterisiert Zivilisation als den Versuch, nicht mehr Teil der Welt zu sein, sondern sie zu beherrschen. Was eine Zivilisation anstrebt - selbst wenn sie sich dessen nicht bewusst ist - ist es, sich außerhalb, ja oberhalb der Natur zu stellen, und damit außerhalb oder über die Realität insgesamt.
Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft sind bis heute ihre Vehikel zur Beherrschung des Menschen, seiner Lebensgrundlagen und der gesamten Welt, ungeachtet der Tatsache, dass die Grenzen des Wissens, die Grenzen der Sprache, die Grenze des Machbaren und die Begrenztheit des dreidimensional wahrnehmenden Verstandes bereits seit Jahrtausenden bekannt sind (Buddha, Laotse u.a.), sowie seit 70-100 Jahren auch rechnerisch nachgewiesen werden konnten (Einstein, Heisenberg, Goedel). Nicht zu vergessen die Grenzen des Wachstums, welche von einer Unzahl von Studien belegt werden (D.Meadows, B.Senf, A.Bartlett etc etc).
Zivilisation als sich selbst verstärkender Prozess verhindert allerdings die nähere Beschäftigung mit dem Thema Endlichkeit, weil die ihr zugrundeliegende Weltsicht, die Isolation (Getrenntheit) des Einzelnen vom Rest der Schöpfung, Existenzangst erzeugt, was den präventiven Feldzug des Ich gegen das Nicht-Ich unbedingt verlangt. Anders ausgedrückt: Wir können uns aus lauter Angst der Furcht nicht stellen und darum machen wir weiter.

Eins mit dem Universum zu sein bedeutet, keine Angst haben zu müssen. Es gibt keine äußere Bedrohung, weil es kein Außen gibt.
Sich getrennt zu fühlen, mental ein Individuum zu sein, führt zu Furcht.
Es mag intelligent aussehen, Nahrung im Überfluss zu erzeugen, um sie für Notzeiten wegzusperren. Doch in der Folge führt es zu Hungerkatastrophen, wenn überbeanspruchte Flächen ihre Bevölkerung nicht mehr zu tragen vermögen. Verteilungskämpfe führen zu weiterer Furcht, damit zu Gewalttätigkeit und Machtkämpfen mit nachfolgender Ungleichheit und Unterdrückung. Um den Auswirkungen entgegenzuwirken brauchen wir Regulative (Expansion, Rechtsprechung, Geld) und handeln uns so weitere Probleme ein, die wir gleichermaßen zu patchen versuchen - mit dem selben Ergebnis: Die Angst wird größer, der Aufwand zur Erhaltung des Systems höher.

Die Ursache der Unsicherheit war der Versuch der Kontrolle eines nicht-existierenden (und damit unkontrollierbaren) getrennten Dings: der Außenwelt. Wenn man den Zusammenhang erkennt, kann man ihn leicht stoppen, indem man das Konzept des Getrenntseins loslässt. Es ist eine Abstraktion, eine Illusion, genau wie Sicherheit.
Weil wir aber gewohnt sind, in abstrakten Dualitäten zu denken, verstehen wir unser Versagen als Reaktion des Gegenstands auf unsere Aktion und erhöhen den Druck, um "den Gegner" unter Kontrolle zu bekommen. Kontrollstreben und Unsicherheit jagen einander in der Folge wie ein Hund seinen Schwanz.

Solche Effekte beobachten wir bereits beim Übergang primitiver Kulturen in frühe Stadien der Zivilisation: Ein bisschen Landwirtschaft, ein bisschen größere Dörfer, ein bisschen mehr Technik, und schon treten erste Morde auf, erste Diskriminierung, erste Bevormundung, erste Grenzen, erste Kriege, gelegentlich Hunger. Was tun wir dann? Wir erhöhen die Produktion, expandieren, üben mehr Druck aus, mehr Kontrolle. Fertig ist die perfekte Teufelsspirale.
Daniel Quinn beschreibt sehr lebendig, was im weiteren Verlauf geschieht. Alle Aktionen und Reaktionen folgen einer exponentiellen Kurve. Nicht nur die Zahl der Menschen wird immer höher, auch ihre Zusammenballung in Gruppen, Städten und Staaten. Die von Vandana Shiva als Substanz der Schöpfung bezeichnete "Leere" zwischen den Dingen, die Beziehungsgeflechte, werden exponentiell zahlreicher, die Gesellschaften komplexer; heute so weit jenseits der Erfassbarkeit, dass das Wohlergehen des Einzelnen in statistischer Masse erstickt. In gleichem Maß steigen die Schwierigkeiten: Landverbrauch, finanzielle Einbußen, Opferzahlen, Artensterben.

Keines der o.g. Probleme besteht in prä-zivilisatorischen Gemeinschaften, weil keines der abstrakten Konzepte existiert. Abstrakte Wörter sind überhaupt selten zu finden, und gelegentlich entzieht sich abstraktes Denken grundsätzlich primitiven Denkmustern, so dass in den Sprachen der Völker keine Zeitbegriffe, keine Personalpronomen und keine Zahlwörter vorkommen.

Wozu braucht man eine Zivilisation?
Mit anderen Worten: Welche Vorteile bringt sie?
Wenn wir beobachten, wo wir nach 10.000 Jahren der Natur- und Gesellschaftskontrolle stehen und dass jeder weitere Versuch der Kontrolle neben kurzfristigen Erleichterungen zu langfristigen, noch größeren Schäden führt, welches sind dann die erstrebenswerten Dinge an ihr? Gibt es etwas, das es lohnt, an ihr festzuhalten?

Ehrlich gesagt bin ich an einem Punkt angelangt, an dem mich das blanke Unwissen über praktiziertes primitives Leben (z.B. Fährtensuche und Pflanzenkunde) noch in den Armen der Zivilisation hält. Alles, was wir mit Hilfe von Wissenschaft, Technik und sozialen Konstrukten zu erreichen versuchten, führte zum genauen Gegenteil.
Weniger Arbeit, mehr Freizeit? - Wir arbeiten doppelt so lang wie vor der neolithischen Revolution. Und was erschwerend dazu kommt: Wir empfinden Arbeit heute als von der Freizeit getrennte Tätigkeit und damit als lästige Notwendigkeit.
Mehr Sicherheit? - Wir befinden uns in konstantem Hader mit der Natur, anderen Staaten, Nachbarn und unseren biologischen Bedürfnissen. Wettbewerb ist eines unserer höchsten Güter.
Mehr Komfort? - Wieviel mehr Komfort kann man wollen, außer sich wohlzufühlen? Im Endeffekt landen wir bei mehr entfremdeter und entfremdender Arbeit, die unsere Fähigkeit, das Erreichte zu genießen, stark schmälert.
Vielleicht fällt einem meiner Leser ja noch etwas ein, das für's Weitermachen spricht.

Quo vadis?
Was ich in diesem Eintrag zu sagen hatte ist nicht neu. Archäologen und Anthropologen strafen das Märchen vom Aufstieg der Menschheit seit mindestens den 70er Jahren lügen. Wir haben weniger statt mehr Freizeit, arbeiten länger statt kürzer, sind Hektik und Stress unterworfen, führen barbarische Kriege gigantischen Ausmaßes, leben ungesünder, ungleicher, unfreier, unsicherer und unzufriedener als unsere nicht-zivilisierten Mitmenschen in Vergangenheit und Gegenwart. Es ist nicht in der freien Natur, dass wir in Konkurrenz mit anderen Völkern und Spezies um unser Überleben kämpfen müssen, sondern im Dschungel unserer Städte. Erst die westliche - unsere - Lebensweise, hat psychische Abweichungen, Kriminalität, Hungerkatastrophen, Verschmutzung und Terrorismus erzeugt; dank ungehinderter Ausbreitung sogar in weltweitem Maßstab.

Als ich eingangs sagte, wir sind eine Zivilisation, dann lag durchaus Gewicht auf dem Zahlwort. Denn heute gibt es nur noch uns. Doch wir sind nicht die einzige Zivilisation auf diesem Planeten gewesen. Mehrere Völker hatten unabhängig von uns eigene Systeme aufgebaut. Azteken, Inka und Bantu haben wir durch Krieg und Krankheit zerstört. Inder und Chinesen haben sich der mesopotamisch-ägyptisch-griechisch-römischen Linie angepasst, auf der das anglo-amerikanische Modell beruht.
Die Anasazi, die Maya und die Polynesier aber haben den Zivilisationsprozess abgebrochen. Letztere haben zu wenig hinterlassen, um auf einen Grund schließen zu können. Wir wissen allerdings von den Osterinseln, dass ihre Gesellschaft in einem biologischen Holocaust geendet hat. Ähnliches steht von den Maya zu vermuten, die es zweimal versucht haben. Die Anasazi jedoch haben ihre Städte einfach verlassen. Kein Krieg, keine blutigen Unruhen - einfach weg. Und man fragt sich: Warum?

Die Anasazi haben mit der Zivilisation logischerweise die Geschichtsschreibung verworfen. Das Volk kann uns also keine Auskunft mehr über seine Beweggründe geben. Doch auch wir sind Mensch und teilen unsere grundlegenden Bedürfnisse mit den Anasazi. Fragen wir uns doch selbst: Sind wir glücklicher? Sind zivilisierte Menschen glücklicher als primitive?

Die o.g. Autoren stellen fest, dass Primitivismus, d.h. einfaches Leben unter Verzicht auf Städtebau, Wissenschaft und neuere technologische Errungenschaften wie Elektrizität, in den jeweils untersuchten Situationen die intelligenteste Antwort auf die Herausforderungen menschlichen Überlebens waren. Völker wie z.B. Kogi und Tibeter entwickelten sich sehr langsam bis zu einem bestimmten zivilisatorischen Punkt und stoppten dann weiteren Fortschritt. Andere wie Mbuti und Aborigines lehnten Zivilisation sogar vollständig ab. Aus ihrer Sicht sind wir auf dem Holzweg. Den Beweis dafür traten wir sofort an. Als wir sie zwangen, sich uns zu unterwerfen, taten wir ihnen keinen Gefallen.

Der Lebensraum für praktizierten zivilisationsfreien Primitivismus geht heute gegen null. Wir werden es eines Tages bedauern, primitive Völker bekehrt oder ausgerottet zu haben, denn das Wissen darüber, wie man mit einfachen Mitteln überlebt, fehlt der westlich orientierten Hochzivilisation fast vollständig. Genau besehen sind sieben Milliarden Jäger-Sammler ökologisch zwar genau so wenig tragbar wie sieben Milliarden Wohlstandsbürger.
Aber eines könnten wir tun: unsere Ansprüche so weit zurückschrauben, dass wir mit dem blanken Überleben zufrieden sind, um uns dann auf einem niedrigen Level der Zivilisation einzurichten, mit kleinen Dörfern, veganer Landwirtschaft und so wenig wie möglich Bevormundung.

2010-08-23

Charles Eisenstein - The Ascent of Humanity

Aus einem Buch, das ich in Auroville auf einem Tisch herumliegen sah, möchte ich ein paar Zeilen zitieren. Ich habe das Vorwort, in dem der Autor seine Sicht der Gegenwart brillant auf den Punkt bringt, in aller Kürze zusammengefasst. Was sich oberflächlich wie schlechte Nachrichten liest, enthält genauer besehen den Schlüssel für eine freundlichere Zukunft: die Formbarkeit des menschlichen Geistes. Über die daraus abgeleiteten Lösungsvorschläge werde ich ein andermal schreiben. In einigen meiner früheren Einträge klangen diese auch schon an.
Wer Interesse hat, kann den Volltext in einer von zehn Sprachen herunterladen. "The Ascent of Humanity" ist ausdrücklich für die nichtkommerzielle Weitergabe freigegeben.

Die zerschmetterten utopischen Träume der letzten Jahrhunderte lassen wenig Hoffnung. Trotz der Wunder, die wir erschaffen haben, teilen die Menschen über das ideologische Spektrum hinweg, von christlichen Fundamentalisten bis hin zu ökologischen Aktivisten, die Vorahnung, dass sich die Welt in ernster, wachsender Gefahr befindet. Einstweilige und umgrenzte Verbesserungen können die offensichtliche Fehlgeleitetheit nicht verbergen, die das Gewebe der Gesellschaft, wie auch oft unser persönliches Leben selbst durchdringt. Mögen wir uns in jedem auftretenden Problem und jedem vorhersehbaren Risiko auch behelfen, eine grundlegende Unruhe verbleibt doch. Ich beziehe mich hier einfach auf dieses Gefühl: "Irgendetwas stimmt hier nicht." Irgendetwas ist so fundamental falsch, dass Jahrhunderte unserer besten und klügsten Bemühungen, eine bessere Welt zu schaffen, gescheitert sind oder gar einen gegenteiligen Effekt hatten. (2)

Eine andere Form des Seins ist möglich, und das direkt vor unseren Augen, näher als nah; soviel ist offensichtlich sicher. Dennoch entschlüpft es auch wieder so leicht, dass wir kaum glauben, dass es die Grundlage für das Leben bilden könnte; so schreiben wir es einem Leben nach dem Tode zu und nennen es Himmel, oder wir schreiben es einer ungewissen Zukunft zu und nennen es Utopia. (3)

Ich [habe] die letzten zehn Jahre damit verbracht, zu versuchen zu verstehen, was uns und was mich von der besseren Welt zuruckhält, von der unsere Herzen sagen, dass sie existiert. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen entdecke ich fortwährend eine den verschiedenen Krisen des modernen Zeitalters zugrundeliegende gemeinsame Wurzel. Hinter den enormen Schwaden des Ruins, den unsere Zivilisation herausgearbeitet hat, steckt nicht die menschliche Natur, sondern ihr Gegenteil: die Verleugnung der menschlichen Natur. Diese Verleugnung wiederum fußt auf einer Illusion, einem Irrglauben über das Selbst und die Welt. Wir haben uns als etwas anderes definiert, als was wir sind, und zwar als diskrete Subjekte, getrennt voneinander und getrennt von der Welt, die uns umgibt. (3 f)

Ich bin immer wieder erstaunt, wie derselbe fundamentale Irrglaube über das Selbst Phänomenen zugrunde liegt, die so unverbunden erscheinen, wie der Krieg im Irak, Urheberrechte, Antibiotikaresistenzen, saurer Regen, ethnische Säuberungen, Werbeflut, Zersiedlung städtischen Umlands und die sinkende Alphabetisierung in den Vereinigten Staaten. (8)

Indem wir uns selbst als diskrete und abgetrennte Wesen sehen, versuchen wir natürlicherweise das Nicht-Selbst zu unserem besten Vorteil zu manipulieren. Technologie stützt sich im besonderen auf eine Art Individuation oder konzeptuelle Trennung von der Umwelt, da sie die physikalische Welt als Objekt ihrer Manipulation und Kontrolle verwendet [...] Technologie ist nicht nur gegründet auf einer konzeptuellen Trennung von der Natur, sondern sie verstärkt diese Trennung gar. Technologie distanziert uns von der Natur und isoliert uns von ihren Rhythmen. (9)

Wir sehen uns mit einem Paradoxon konfrontiert. Auf der einen Seite sind Technologie und Kultur grundlegend für die Trennung der Menschen von der Natur. Diese Trennung ist die Wurzel der zusammentreffenden Krisen des gegenwärtigen Zeitalters.
Auf der anderen Seite versuchen Technologie und Kultur explizit, die Natur zu verbessern: das Leben einfacher zu machen, sicherer und komfortabler [...] Oder zumindest ist es das, worauf Technologie abzielt. Aber haben wir die Welt tatsächlich besser gemacht? Wenn nicht, warum hat dann die Technologie nicht ihr angestrebtes Ziel erreicht?
Noch einmal: Wie kann eine Serie schrittweiser Verbesserungen eine Krise ergeben? (9 f)

Kapitel I wird beginnen, diese Fragen zu beantworten, indem es einen fundamentalen Fehler in der Anlage unserer Grundvoraussetzungen der Technologie und darüber hinaus in der Verallgemeinerung der Technologie zum "Programm der Kontrolle" beschreibt. Indem wir dieses durch die Linse der Sucht betrachten, werden wir sehen, dass die oben erwähnte Verzweiflung gerechtfertigt ist, dass uns unsere gesamte Herangehensweise bei der Problemlösung hilflos macht, irgendetwas zu unternehmen, ohne die herannahenden Krisen nur noch zu verschlimmern. Wie bei einem im Treibsand steckenden Tier; je härter wir kämpfen, desto schneller sinken wir. (10)

Unsere Opposition bezüglich der Natur und der menschlichen Natur, die implizit ist in der technologischen Mission, sie zu verbessern, kann nur eine "Welt unter Kontrolle" zur Folge haben. Sie manifestiert sich in jedem Bereich, von der Religion, zu den Gesetzen, bis hin zur Bildung und der Medizin, und wir erhalten die Welt unter Kontrolle aufrecht zu einem stetig wachsenden Preis. Hilflos reagieren wir auf jeden Misserfolg bei der Kontrolle mit mehr Kontrolle, womit wir den Tag der Abrechnung aufschieben und dessen Auswirkungen damit schlussendlich intensivieren. Sobald das soziale, kulturelle und spirituelle Kapital erschöpft ist, sobald unsere Technologie sich als hilflos erweist, die bevorstehenden Krisen abzuwenden, zeichnet sich immer mehr der Kollaps der Welt unter Kontrolle ab. Es ist dieser Kollaps, auf den die gegenwärtig zusammenlaufenden Krisen hindeuten, der die Bühne frei macht für das Zeitalter der Wiedervereinigung. (11 f)

Dieses Buch offenbart die Vergeblichkeit, die Betrügerei und schließlich die Haltlosigkeit des Programms der Kontrolle der Welt, sie zu benennen, sie in Zahlen zu fassen sie zu kategorisieren und sie zu besitzen, die Natur und die menschliche Natur zu überschreiten. Auf diese Weise entblößt wird das Programm seinen Zugriff auf uns lösen, so dass wir es loslassen können, bevor es die allerletzten Überreste des Lebens und der Schönheit auf Erden verzehrt. (13)

2010-08-20

Am I out to saving the world?

Definitely not.
What do you mean by 'world' anyway?
The Universe? - It doesn't need to be saved.
The Planet? - So far we cannot destroy it.
The Biosphere? - Well, one could say that man, being the most powerful species on Earth, has some responsibility for his fellow creatures. But that derives from a human understanding of 'morality', 'rights', and 'justice' or, on the material level, of 'resources' and 'life stock'. It has nothing to do with laws of nature - if they even exist outside our intellectual concepts of the fabric of reality.
So maybe saving the world is about saving our species, our civilization, the status quo. And I am not even trying to help that. It would mean that I'd impose my idea of what the world should look like on others. It would mean that they'd have to live under conditions that I find to be useful, regardless of their needs, and I think that is a fascist way of handling the situation we're in.

I mean, it's alright to find likeminded folks to join forces. But there's a limit to how many allies you can bind. Have you ever explained your world view to another person, or have you ever tried to help them, and then noticed how many reject your view or your way of helping? Even if you had the power to force 'their advantage' onto them, the only thing you can achieve by that is turning an advantage into misery for them.
So what can we do at all?

As far as I'm concerned the only thing we can actually change is ourselves: our way of looking at the world, our emotional, rational and behavioural reactions, and our expectations. Altering ourselves can be learned easily and it doesn't require the smallest piece of technology. Not even a pencil.
That sounds revolutionary but it is knowledge having stood the test of time for thousands of years.
That sounds selfish but the result of changing yourself into someone content is a human being able to relate peacefully to others.
That sounds destructive, and in fact it is. It destroys the notion of being a separate self and creates a feeling of oneness that comes from deep within. It destroys my ability to act loyal towards faceless institutions and replaces it with loyalty towards all forms of life. It destroys consumerism and progress-ism and gigant-ism in favour of sustainable living. It destroys the belief into atomistic models of reality so I am able to mentally return to where I am never able to quit physically - interdependency.

If you are content with what you have - what you ARE - then there is no need to argue with others over world views and resources and saving the world. There is no need for a common system of governance, trade, administration, farming. There is also no need for an objective language (which is physically impossible to have anyway). And most important: there is no need for waiting for the right moment, a trustworthy politician, or a 'necessary' invention to actually make the world a better place.

You can argue that backing down from the world's affairs doesn't solve anything. But the same goes for forceful intervention which we have tried over and over again, this situation being a result of it. Top-down doesn't work. It never did.
After all, what does a group, organisation, institution, society, or even mankind consist of? It is persons, isn't it? You and me. What each of us believes, thinks, says, decides, does, sums up to the thing we call society. It makes a difference, however small you may think it is.
So, whether I try to change society or myself, it is a systems approach because I face the situation at its very root: human behaviour, and at the root of that: human thought.
Only that, starting out small, I am not dependent on others.
When I decide not to take a gun then war stops right where I am.
When I buy less stuff then consumerism ends at my door.
When I step back for the benefit of another person then greed gets extinct before my eyes.
When I share my surplus with others then poverty ends where I live.
When I neither demand / expect nor obey the culture of dominance collapses.
When I see similarities instead of differences human unity becomes real.
Trying to change the world without having to change oneself right now is an attempt to have the cake and eat it, too.

2010-08-16

Person/Planet

Theodore Roszak - Mensch und Erde auf dem Weg zur Einheit: ein Manifest.
Englisch: Person/Planet: the creative desintegration of industrial society.

In seinem 1978 erschienenen Werk untersucht Roszak Probleme wie Ausbeutung, Umweltverschmutzung und psychische Entgleisungen und führt sie auf die Tatsache zurück, dass wir in immer größeren Einheiten zusammengeschlossen werden, während unsere engeren, familiären Beziehungsgeflechte unter den Anforderungen modernen Lebens zermahlen werden. Roszak ist der Ansicht, dass die Industrialisierung zu einer Urbanisierung führte, wie sie die Geschichte noch nicht gesehen hat und dass dieser Trend gleichzeitig eine Vermassung, eine Entpersonalisierung des Einzelnen mit sich brachte. Gigantismus bedroht den Planeten und den Einzelnen gleichermaßen.
"Große Institutionen sind per definitionem dazu da, große Mengen von Dingen und Menschen zu verarbeiten [...] Menschliches Empfinden und ethische Sensibilität können hier nicht überleben; das Gefühl persönlicher Verantwortung verliert sich in der grauen Ferne delegierter Autorität. Das Große veranlasst mich (ja zwingt mich), dich wie eine Ziffer zu behandeln - ein nicht nennenswertes Teilchen der Massen, mit denen ich zu tun habe. Sie gibt mir das Recht, deiner lebenswarmen Einzigartigkeit ein abstraktes Verwaltungsverfahren überzubraten und mich dann mit einem Wall aus Formularen und Dienstvorschriften gegen die Folgen abzuschirmen. Wir werden unwirklich für einander". (S.280)
Abhängig von den Megastrukturen des industriellen Zeitalters kann der Mensch nicht anders, als seine Verbindung zu den inneren und äußeren Wurzeln des Lebens zu verlieren. Er ist unfähig geworden, sich selbst am Leben zu erhalten ohne die Umwelt zu zerstören. Er ist nicht Individuum, sondern Rädchen im Getriebe. Und er ist sogar unfähig, sich Alternativen vorzustellen, während die Strukturen der Gegenwart zu groß sind, um sie allein überblicken oder gar steuern zu können.

Dennoch entsteht gerade eine Gegenbewegung. Ausgehend von den '68ern beginnt das Mauerwerk des Kapitalismus zu bröckeln. Zwar konnte die Bewegung damals keine direkten Erfolge erzielen, doch ihre Anhänger sickerten in die Gesellschaft ein und lösten dort eine Welle von Unzufriedenheit aus, die sich in psychischen Störungen äußerte: Depressionen, Unsicherheit, Nervosität, Furcht, Aggressionen und viele mehr. Diese führten ihrerseits zu Emanzipationsbewegungen überall dort, wo Benachteiligung Stress erzeugte: bei Frauen, Farbigen, Behinderten, Ausländern usw.

Der Kern dieser Bewegungen sei die Suche nach einer Identität als Person. Nicht narzisstischer Selbstbeweihräucherung, sondern spiritueller Erkundung, die aber angesichts wirtschaftlichen Drucks häufig an der Oberfläche steckenbleibe.
Monarchie, Demokratie, Faschismus, Sozialismus, Kommunismus, Plan- und Marktwirtschaft - sie alle beschäftigen sich lediglich mit gesichtslosen Menschenmassen, "dem" Proletariat, "dem" Wähler, "dem" Konsumenten. Für Personen, für Seelen, für Einzelbedürfnisse ist hier kein Platz. Alle kleineren Bewegungen folgten ihnen bisher in dieser städtisch geprägten Philosophie grober Abstraktion. Der Planet verkommt zur "Umwelt", zur "industriellen Ressource". Der Einzelne mit seinen Bedürfnissen verschwindet in statistischen Zahlen.
Doch wo sich Menschen gegen die Entmenschlichung wehren, entstehen Splitterbewegungen bzw. scheitern ganze Gesellschaften. Der Versuch sie auf Linie zu halten, kann den Zerfall bestenfalls verzögern. Oft genug aber beschleunigen solche Auseinandersetzungen den Prozess der Personalisierung. Namhafte Führer tauchen urplötzlich auf und verschwinden eben so schnell wieder, wenn Gruppen zerfasern. Wir beobachten dies andauernd. Es hat sogar Namen: Der Fluch der Linken. Das Chaos der Grünen Bewegung.
Theodore Roszak glaubt, dass wir es hier mit einem unaufhaltbaren Trend zu tun haben, weil Planet und Person dem gleichen Drang nach Anerkenntnis Ausdruck geben, und dass unsere Gesellschaft den Vorgang entweder mitgestaltet oder ihm unterliegen wird.

Roszak schließt, dass Menschen dort, wo sie aus der Konsumtrance erwacht sind, beginnen sollten, die Gesellschaft in handlichere Stücke zu zerlegen. Ungenutzte städtische Flächen zu renaturieren; kleine Gemeinschaften zu gründen, die sich weitgehend selbst versorgen; Selbstverwaltungen einzurichten usw.
Als Modelle für den Wandel bemüht er die Wüstenväter und die Klöster des europäischen Mittelalters, Gemeinschaften, die mit technisch einfachsten Mitteln Wildnis für den Eigenbedarf urbar machten und deren innerer Zusammenhalt aus der gefestigten Personalität ihrer Glieder resultierte. Ökonomie war dort nur ein Element unter vielen. Nicht auf Wachstum ausgelegt, sondern auf Subsistenz. Das Abenteuer der Selbstentdeckung führe damit letztlich zur "Rettung des Planeten".

Der Autor traf aufgrund der Trends seiner Gegenwart einige Voraussagen auf künftige Entwicklungen bereits in unserer Generation. Manches hat sich bewahrheitet.
Wir erleben tatsächlich einerseits eine beschleunigte Vermassung - z.B. ist aus der kleinen EG die kontinentale EU geworden und es sind bereits Weltwährung und Weltregierung im Gespräch; hinzu kommen Globalisierungseffekte wie Weltmarkt und Multinationale Konzerne.
Andererseits formiert sich Widerstand an allen Fronten. Er nimmt selten so massive Formen an wie z.B. bei Greenpeace, sondern zersplittert sich in kleine und kleinste Grüppchen, bis hin zu der spirituellen Suche des Einzelnen als Keimzelle der Veränderung.

2010-08-08

Namenlose Furcht? Frag sie wie sie heißt!

(In Beantwortung eines Kommentars)
Einen kleinen kulturellen Schock - oder sagen wir lieber: eine Irritation - erleben wir wohl alle, wenn wir aus dem Ausland zurückkommen. Es liegt vielleicht daran, dass uns nach dem Verlust der Gewohnheitsscheuklappen erstmals wieder auffällt, was uns als Deutsche ausmacht. Nachdem wir gelehrt worden sind, wie man Dinge auch anders erledigen kann, amüsieren bzw. ärgern wir uns über Verbohrtheit, Kleinkariertheit und wasnichtall, mit denen man in Deutschland aus der Wäsche schaut. Gehört im Moment dazu. Wohl wahr.
Aber es ist auch kein Geheimnis, dass ich überhaupt nichts mehr als gegeben hinnehme. Zwar sehe ich es nicht als meine Aufgabe, mehr als mich selbst zu ändern, um einen Wandel zu bewirken. Wenn es jedoch überhaupt einen Grund gibt zu schreiben, der über das Persönliche hinausgeht, dann den, mit meinen subjektiven Beobachtungen den Leser ähnlich zu irritieren, als käme er aus dem Ausland zurück.

Es ist z.B. schwer jemandem aus der Kultur des Geldverdienens zu erklären, weshalb jemand etwas aufgeben möchte. Wir sind schlechte Verlierer. Wir lassen nicht gern los. Wir glauben in geradezu religiöser Weise an Fortschritt; und etwas Erreichtes, das hält man für immer fest.
Wenn du hinter die Kulissen ökonomischer Notwendigkeiten und wissenschaftlichen Objektivismus schaust, die man um Himmels Willen nie in Frage stellen darf, dann entdeckst du vielleicht, dass diese Kultur auf Existenzangst gegründet ist. Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb sind wir nonstop damit konfrontiert. Ständig machen wir uns um die Zukunft Sorgen. Wettervorhersagen. Wahlprognosen. Die Einschätzung einer Freundin zu deinen Jobaussichten. Dein Partner verlässt dich, und schon drängt die Angst wieder an die Oberfläche. Selbst bei so harmlosen Dingen, wie deinen Namen unter einen Text zu setzen, zeigt sich die Furcht vergessen zu werden, bedeutungslos zu sein.

Psychische Angst (anders als ein Gefahrenreflex) ist kein natürlicher Zustand, sondern ein kulturelles Phänomen. Es würde selbst in Kürze zu weit führen, das herleiten zu wollen und du darfst es gern anzweifeln.
Das Lustige ist nur, dass sich diese "Theorie" über Jahrtausende und Völkergrenzen hinweg als persönliche Erfahrung wiederholt, sobald Menschen beginnen ihr Innenleben zu erforschen. Solchen Leuten musst du nicht erläutern, dass alles, wirklich alles Leid der Welt mit Wünschen und Begierden, also in unserem Kopf entsteht, und dass es endet, wenn das Wünschen endet - nicht in der Theorie, nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz real.

Interessiert einen dann überhaupt noch was? Hat man noch Hobbies? Ist man in der Lage zu arbeiten? Beteiligt man sich weiterhin an Bemühungen zur Erhaltung unserer Welt? - Diese Fragen bewegen sowohl den Außenstehenden als auch den Aspiranten auf seinem Pfad, aber am Ende werden sie sich als irrelevant erweisen, denn es stellt sich zunehmend ein neues Gleichgewicht ein, unter dem derlei Befürchtungen keine Grundlage mehr haben.
Während des Prozesses machen sich die positiven Effekte des Wandels schnell bemerkbar. Depressivität, Griesgrämigkeit, Furcht, Aggression, eigentlich alle Arten von Gefühlen, Vorstellungen und Werten lösen sich fortschreitend auf. Aber es bedeutet gleichzeitig, dass 99% dessen, was Menschen unserer Kultur normalerweise für real halten, als Illusion erkannt wird. Zuallererst sämtliche Formen sprachlicher Äußerung.

Ja, das Schreiben scheint meine Begabung zu sein. Ich kann nicht sagen, ob ich "gut" bin; das hängt von den Erwartungen des Lesers ab. Ich weiß nur, dass es raus will. Die Frage, die ich mir dabei stellen muss, ist, woher diese Regung kommt. Ist sie eine Äußerung des Ego und seiner Wünsche, oder Ausdruck einer inneren Wahrheit?
Wenn Furcht vor Verlust des Besitzstandes (der Fähigkeit zu schreiben) besteht, ist das ein eindeutiges Zeichen. In dem Fall erzeugt sie Leid und wird zusammen mit dem Ego verschwinden. Im anderen Fall kann sie, richtig angewendet, ein Vehikel zur Verbreitung inneren Friedens werden.

Jemand, der diese Zusammenhänge ungeheuer anschaulich erklären kann und den ich deshalb immer mal wieder erwähne, ist Adyashanti. Die erste halbe Stunde des folgenden Films ist bereits aufschlussreich.

2010-08-07

An Bord meines Kamels

Die Wüstenzeitung...tja. Gibts das Ding jetzt echt schon sechs Jahre? 639 Einträge - das macht jeden dreieinhalberten Tag eine Nachricht. Eher lame im Vergleich zu einigen fleißigen Bienchen im Freundeskreis.
Andererseits - da tut sich auch nicht mehr wirklich viel. Ich meine jetzt weniger die sparsam gestreuten Kommentare. Meinungen sind halt... Meinungen. Jeder hat seine eigene. Oder keine. Aber artikelmäßig war [auf dem LiveJournal Blog] schon deutlich mehr los. Außerdem ist LJ eher die Lifestyle-Ecke. Anspruchsvolle Blogs, die mehr als Eintagsfliegenleben bieten, suchst du mit der Lupe. Ein Ort wie Blogspot oder Wordpress, wo man in eine aktive Community eingebunden ist, würde mich schon irgendwie reizen, auch wegen null Werbung. Beide haben allerdings Beschränkungen, die einen Import der alten Einträge verhindern.
Muss noch ein wenig über diesen Umzug brüten, wie auch über einige andere Dinge, die dann wieder in der Wüstenzeitung zu lesen sein werden.

Ich habe grade überlegt, woher eigentlich der Name kommt. Bin mir selbst nicht mehr sicher. Ich weiß nur noch, dass ich seinerzeit wegen Cloudi von 20six nach LJ rübergewechselt bin und gleichzeitig eine Seite für das MMORPG "Kemet - A Tale in the Desert" aufgemacht habe. Es hatte wohl was damit zu tun.
Ich mochte, und mag es immer noch, das Günter Eich Zitat "Seid unbequem, seid Sand. Nicht das Öl im Getriebe der Welt". Und manchmal kam ich mir auch vor wie der Rufer in der Wüste. In Auroville, da war ich tatsächlich in der Wüste. Zumindest einer, die mit massiven Mengen grüner Tapete wieder in eine Oase verwandelt worden ist.

Seit meiner Rückkehr aus Auroville empfinde ich Deutschland intensivst wie ein soziales Ödland, das ich nur noch mit sehr viel Kraftaufwand ertrage. Schon am Flughafen schlug mir eine Welle von Aggress entgegen. Hektik. Ungeduld. Emotional aufgeheizte Luft. Der erste telefonische Kontakt mit meinem ex Geschäftspartner in spe - er will Geld. Verdammt noch mal. Merkt hier überhaupt noch einer, was abgeht?

Trotzdem wird es zunehmend still in mir selbst. Die Dinge verlieren ihre Dringlichkeit. Eile betrifft mich nicht. Nachrichten sind leere Worte. Eigentlich sind alle Worte leere Worte, die keiner Erwiderung bedürfen. Selbst meine eigenen. Lustig, dass der selbe Prozess, der einem die Scheuheit nimmt, zugleich für Stille sorgt. Ich lese Theodore Roszak; das gibt mir eine Menge neuer Querverbindungen. Wirklich toller Stoff. Und nichtsdestotrotz alles Illusion. Schreiben, so gern ich es noch immer tu, ergibt nicht mehr wirklich Sinn, ist wie pieseln... fließt einfach so raus.

Widerspricht so ziemlich dem, was weiter oben gesagt worden ist, oder?
Ich sehe die Diskrepanz deutlich.
Überhang. Rotverschiebung. Nachhall. Phantomschmerz.
Adyashanti zuzuhören, der vorhersagt, dass so etwas eintreten kann, macht mich lachen. Ich habe noch keinen rechten Schritt zur Tür hinein getan. doch schon bin ich es, der vor der Frage steht, ob ich werde schreiben können. Ich habe noch genügend Stoff, ich spüre es. Doch wenn es eine solche Frage sein sollte, die mich vom nächsten Schritt abhält, dann schmeiß ich das Schreiben samt Computer lieber ganz über Bord.

2010-08-04

Something to get aware of

Things often get mixed up and mistaken: personal possession for private property, desires for needs, infatuation for love, money for success, profit for a living, egocentrism for self-awareness, fashion for beauty, thrill for contentment, criticism for negativity, law for justice, and many, many more. Where does this come from?

Why I had to leave the movement to actually join the movement

Recently, I read a blog that really impressed me with its reasonable criticizm of The Zeitgeist Movement (TZM). Although Jacque Fresco's vision of a resource-based economy (RBE) is one of the most desirable to me, Fresco and TZM are missing one thing that is absolutely necessary for bringing about fundamental change: The values on which an RBE is based have to be part of people's world view FIRST, before they are going to actually work towards a transition. Otherwise people will just perpetuate their previous ways until someone does the revolution for them.
The real revolution takes place in people's individual heads, just like Jiddu Krishnamurti said, or it will stay "a theoretical fantasy that will appease those who still want both their gadgets along with their clean air". As a matter of fact, many TZM members are in for saving their asses from the grip of impending poverty.

The new society cannot work if the paradigm it is based upon remains a mere intellectual knowledge instead of becoming a fact of (everyday) life.
Why?
"My argument is", says Mark Boyle, "that under the vision that Peter [Joseph] and Jacque have, people will be so far disconnected from the things they consume to have (or maintain) any respect for them now or continuously. I also believe they will have no understanding as to why we need to change so drastically to begin with."

The lack of understanding within the front rows of TZM has shown blatantly since late 2009. In fact, the request for a practice-what-you-preach approach has been regarded as a threat to the integrity of a movement that is, in contrast to its vision, busy with aggressively self-protecting its hierarchical chain of command and telling their members to proceed with supporting the monetary system til doomsday.

"The low-tech but completely organic society I am proposing, whilst not as attractive to the addicted masses, I believe is actually possible and not just a fantasy that looks great and will appeal to people who want to continue with their fantasies and addictions. - Walden versus TVP, I guess, as a solution", states Boyle, author of "The Moneyless Man". And I agree, because I see the need to first reconnect people to the foundations of their lives before enabling them to toy around with nanotech and other stuff from which we would really benefit... provided we became wise enough to avoid self-destruct.

Given a real shift in how we look at the world, a low-tech resource-based approach will offer at least as much contentment in life as Fresco's technical wonderland. The change we need, no matter if we go for huts or skyscrapers, is a progress in our social abilities which are horribly retarded compared to our scientific achievements. It can only result from inner observation and understanding the processes of the mind. Such an understanding will manifest, without effort, in behaviours much more sane. And no matter what type of society structure we erect then (likely some sort of RBE anyway), it is going to be a highly desirable one.