2010-11-30

Roadkill Cuisine

"Sei froh, daß Du hier in einer Demokratie lebst und genug zu essen hast!"
Lieber Gott!
Danke für all die Freiheit (wenn ich sie mir finanziell leisten kann)
und danke, dass dir das ein paar Afghanen wert ist.
Danke, dass du für mein täglich Brot zehn Inder hungern lässt.
Danke auch für Luft und Wasser; das Gift ist mir egal.
Danke für Frau Merkel, denn ich bin zu phantasielos mich selbst zu regieren.
Vor allem aber danke für das Tränengas. Ich weine nicht genug um die Opfer jener Leute, die mir unverlangt Entscheidungen abnehmen.
Amen.

2010-11-27

Dem Deutschen Volke

Auf ihre Weise mögen Piratenpartei &Co. ihr Gutes haben. Solche Erscheinungen gibt es aus einem bestimmten Grund. Immer mehr Menschen erwachen zu der Erkenntnis, dass etwas fundamental verkehrt läuft. Kann es da aber genügen, wenn wir nach dem ersten angebotenen Strohhalm greifen, das Kreuz an der richtigen Stelle zu setzen? Oder verlangt das nicht eher nach gleichfalls fundamentalen Antworten?

Ich habe im letzten Eintrag über die Legitimierung von Herrschaft gesprochen und inwiefern sie dem Einzelnen die Freiheit nicht raubt, sondern abkauft: indem die Herrschaft den Glauben an ein Phantasieprodukt - das Recht - verbreitet, und mit ihm den Glauben daran, dass Menschen beherrscht werden müssen, weil sie dazu nicht selbst in der Lage seien. Ist dieser Glaube erst einmal installiert, steht die Subjekt-Objekt-Beziehung zwischen Regierung und Volk mit ersterem als aktivem, Politik machenden Part, letzterem als passivem, Politik konsumierenden Part.

Eine Demokratie im eigentlichen Sinne des Wortes (Herrschaft des Volkes) ist jedoch KEINE Konsumveranstaltung, bedeutet NICHT, dass man sich jahrelang zurücklehnt, um andere im eigenen Namen handeln zu lassen, bedeutet NICHT, dass man sich einer externen Gewalt unterwirft.
In einer Volksherrschaft zu leben heißt, seine Angelegenheiten SELBST in die Hand zu nehmen. Wer wählen geht, tut nichts anderes, als seine Handlungsfreiheit, seine Souveränität, abzugeben: an standardisierte, vorgefertigte Meinungen von der Stange, an Parteien, die das Volk polarisieren, statt es unter Berücksichtigung vieler verschiedener Sichtweisen zum Konsens zu begleiten.

Parteien sind dazu da, die Menschen zu entzweien, sie von einander zu trennen. Wir sehen eine Extrempolarisation mit zwei Parteien in den USA, die keine wirklich verschiedenen Standpunkte präsentieren, das Volk jedoch mental in dualistischen Denkmustern gefangen halten. Das gilt ebenso für den Einparteienstaat, der den "Wähler" auf eine vorgefertigte Meinungsschablone festlegt, die sich in Opposition praktisch zum gesamten Rest der Welt positioniert.
Aber auch 30 Parteien und mehr bilden den wahren Volkswillen nicht wirklich ab, wenn die Annäherung an das tatsächliche Meinungsspektrum auch besser sein mag. Die Fraktionierung, die Normierung der Meinungen, die moralische Enthebung des Einzelnen und seine Unterwerfung unter externe Gewalt bleiben erhalten, weil keine dieser Parteien die Grundlagen unserer Gesellschaft in Frage stellt. Sie kann sie nicht in Frage stellen, da sie das Fundament untergraben würde, auf dem sie überhaupt existiert: die Zersplitterung der Interessen und die Aufgabe der Selbstbestimmung zugunsten von Interessenvertretern.

Wenn wir also wählen, so wählen wir stets die selbe Partei: die Hierarchischen; die Essen-gibt-es-nur-gegen-Bezahlung-Partei; die Bezahlung-gibt-es-nur-gegen-Unterordnung-Partei; die Entweder-du-ordnest-dich-unter-oder-du-bist-tot-Partei.
Gewalt in einer repräsentativen Demokratie geht damit nicht vom Volke aus, sondern von denen, die dir mit ihrem Geld deine Unterwerfung unter ihre Interessen schmackhaft zu machen versuchen.

Solange wir dieses Spiel mitspielen, solange wir nicht souverän handeln, weil wir uns nicht souverän fühlen, rechtfertigen wir das Leid, das in unserem Namen geschieht, und verdienen jenes, das uns selbst widerfährt.

Nachtrag
"Mit unserem unausgesprochenen Einverständnis agiert die politische Klasse selbstbezogen und kleinkariert, vereinsmeiernd und provinziell, veränderungsscheu und zukunftsängstlich. Kurz, sie meidet die Herausforderungen, wo sie nur kann. Und in der verfehlten Hoffnung, irgendwie könne alles doch so bleiben, wie es ist, lassen wir BürgerInnen sie gewähren. Unsere Verzagtheit wird uns noch teuer zu stehen kommen." (Hartwig Bögeholz: Die Welt um uns herum schläft nicht - Aber wir... in: Telepolis, 7.12.2010)

2010-11-26

Alles was recht ist

Die deutsche Gesellschaft ist in so manchem Sinne schon eine Orwell'sche. Die meisten meiner Mitmenschen würden das wohl vehement abstreiten wollen, aber die Wirklichkeit ist bereits über Orwells Vision hinausgeschossen. Es bedarf zur Errichtung einer Diktatur nicht unbedingt eines charismatischen Führers, nur einer Struktur; nicht unbedingt dreier Machtblöcke, sondern nur eines einzigen: des überall herrschenden Geldsystems. Die Gewalttätigkeit, die von diesem System auf unser individuelles Leben ausstrahlt, ist so allumfassend, dass sie eigentlich Gegenwehr auslösen sollte, wäre da nicht die ebenso allumfassende Lüge von der Linearität allen Seins, insbesondere vom Aufstieg der Menschheit, der besagt, dass es im großen und ganzen jeder neuen Generation besser geht als ihren Vorvätern. Mit dieser Vorgabe wird Geschichtsfälschung betrieben, werden die Gegenwarts-Berichterstattung manipuliert und die Zukunftserwartungen modelliert. Hat man sich die Denkweisen des Systems zu eigen gemacht, ist die Lüge unmöglich zu sehen. Doch schon wenige Risse im Bluescreen genügen, damit die Zeichen an der Wand wieder zum Vorschein kommen. Ich muss mich nicht groß bemühen, sie zu lesen. Sie springen mir von allein ins Gesicht.

Krieg ist Frieden. Ist es nicht das Argument der Kriegsbefürworter, unsere Freiheit (und damit unser Friede) werde am Hindukusch verteidigt?
Freiheit ist Sklaverei. Ohne Geld keine Befriedigung der Grundbedürfnisse. Darum begeben wir uns freiwillig in Lohnsklaverei.
Unwissenheit ist Stärke. Nur ein Unwissender - und ein Nicht-wissen-Wollender - ist in der Lage, seine Position als Rädchen in der Gesellschaft auszuüben. Nur er ist daher in der Lage aufzusteigen. Wissen führt dich auf einen Pfad, von dem es kein Zurück gibt. Ein moralisch integeres Wesen, das die gegenwärtigen Strukturen auf irgendeinem der Felder moderner Gesellschaft durchschaut, wird seine Komplizenschaft umgehend beenden.

Wir hören dieser Tage wieder viel von Orwells 1984. Es ist der Archetyp für eine Gefahr geworden, der wir uns gegenüber sehen. Orwells Dystopie beruht jedoch nicht auf sensiblem Gespür für aufkommende Trends, sondern ist tief verwurzelt in persönlicher Erfahrung, und zwar nicht nur im Kampf gegen Kommunismus und Faschismus, sondern gerade auch der nominell demokratischen Gesellschaft Großbritanniens.

So gesehen kommen Vergleiche, die Systemkritiker zwischen 1984, Demokratie, Kommunismus und Faschismus anstellen, nicht von ungefähr. Sie mögen oft überzogen wirken, überstrapaziert in jedem Fall. Im Kern aber habe ich kein Problem damit, Akronyme wie "FDGO" mit Faschistische Diktatur der Geld-Oligarchie zu übersetzen, da diese Gleichung in vielerlei Hinsicht Entsprechungen in der gesellschaftlichen Wirklichkeit besitzt: korporative Wirtschaft in Verschmelzung mit dem Staatswesen, bewegte Massen, gleichgeschaltete Medien, Primat der Effizienz, hierarchische Organisation, fortschreitende Militarisierung und diverse andere Aspekte. Ich möchte den Vergleich jedoch nicht zu weit treiben, um mich nicht in semantischen Spielereien zu verlieren. All das sind nur Worte. Symbole für Abstraktionen. Faschismus, Sozialismus, repräsentative Demokratie, Monarchie, Theokratie und alle anderen Bezeichnungen von Staatsformen stehen für ein und das selbe: die Aneignung individueller Selbstbestimmung (auf kollektiver Ebene Volkssouveränität genannt) durch einen kleinen Personenkreis.

Das geschieht selten ohne Begründung. Damit eine Minderheit gegenüber einer Mehrheit ihren Willen durchsetzen kann, muss sie diese von der Rechtmäßigkeit des Herrschaftsanspruchs überzeugen. Das Wort dafür heißt Legitimität, abgeleitet vom lateinischen Wort für "gesetzmäßig". Zitiert werden je nach Zeitgeist göttliches Recht, angebliche Gesellschaftsverträge, Geburtsrecht, Staatsrecht, Notstandsgesetze und anderes mehr. Wie beim Glaube an den Wert des Geldes, so ist es auch hier der Glaube an die Richtigkeit, die Gerechtigkeit, die Gültigkeit des angeführten Rechts, welche dem Anspruch Wirksamkeit verleiht. Weist die Mehrheit den Anspruch zurück, weil es ihr an Glauben mangelt, so bleibt der Minderheit nur Gewalt. Zu dieser zähle ich durchaus finanziellen Druck, da solcher unter gegenwärtigen Bedingungen lebensbedrohliche Auswirkungen hat.
Angesichts der faktischen Entmachtung des Volkes nach geltendem Recht kann "streitbare Demokratie" nur eines bedeuten: Die einseitige Ausübung von Gewalt der herrschenden Elite gegen Beeinträchtigung ihres Anspruchs auf Herrschaft - und Profit!
Doch auch jenen Weg kann die Mehrheit blockieren, wenn sie sich stur stellt, d.h. den Glauben an das, was sie eigentlich für (moralisch) richtig hält, mit allen Mitteln verteidigt. Intuitives Wissen befördert äußere Stärke, innere Freiheit spiegelt sich in anarchischer Selbstbestimmtheit, und friedfertiges Denken schafft äußeren Frieden.

Eigentlich haben wir es heute so einfach wie nie zuvor, unser persönliches Rechtsempfinden durchzusetzen, d.h. die Moral in uns selbst zu verwirklichen, denn die Revolution von heute ist eine Revolution des Inneren, jenes Ortes, der uns am leichtesten zugänglich ist. Sie erfordert nicht, dass wir etwas tun. Sie erfordert, dass wir etwas nicht tun: wählen, konsumieren, den Massenmedien zuhören, gehorchen oder dominieren.

2010-11-17

Ich mag den oberen Teil Ihres Schildes!

Als ich zum ersten Mal davon hörte, saß ich in einem Fahrzeug der Post, um... naja, will das wirklich einer hören? Wir alle tun zu irgendeiner Zeit irgendwas, und damals saß ich halt in diesem Kleinbus. Ich habe mit "nain'iläwen" genau so viel zu schaffen wie der überwiegende Rest der Welt: mehr oder weniger gar nichts. Meine persönliche Story dieses Tages spielte für den Verlauf der Ereignisse keine Rolle, wohl aber hat sich seither so manches für mich verändert, das auf jene Vorkommnisse zurückzuführen ist. Ich stehe wie jeder andere Mensch auf dieser Welt unter Generalverdacht. Die Zeit, die man auf dem Flughafen verbringt, hat sich deshalb verdoppelt. Ich bin biometrisch erfasst worden. Meine verfassungsmäßig garantierten Rechte wurden beschnitten. Meine Steuergelder werden in Afghanistan dazu benutzt, wildfremde Leute ums Leben zu bringen. Ich glaube daher, es ist sowohl angebracht als auch gerechtfertigt, sich ein paar Gedanken zu machen.

Natürlich beschäftigt mich das Thema nicht erst seit gestern. Wann der Denkprozess eingesetzt hat, ist mir entfallen. Doch als ich mir 2004 Fahrenheit 9/11 ansah - daran erinnere ich mich gut - waren Michael Moores Einwände gegen die leichtfertige Führung zweier Kriege bereits keine Überraschung mehr; und die Zeit ist seither nicht stehengeblieben. Piloten, Ermittler, Architekten, Ingenieure, Historiker, Journalisten, Militärs, Chemiker, Physiker, Politiker, Polizisten, Feuerwehrleute und selbst ehemalige Agenten sind in den letzten Jahren mit ihrer Fachkenntnis vorgetreten. Daher haben wir heute handfeste Beweise für eine ganze Reihe von Fakten:
  • Die USA wurden von mehr als einem Dutzend Staaten, u.a. Afghanistan, teilweise sehr konkret vorgewarnt, dass es Hinweise auf terroristische Aktivitäten gebe, und doch stritt die Regierung Vorkenntnis ab.
  • Die US-Luftstreitkräfte führten regelmäßig Übungen bezüglich multipler Flugzeugentführungen mit Angriffen auf WTC und Pentagon durch, aber Bush und Rice stritten zunächst ab, irgendjemand hätte sich so etwas je vorstellen können.
  • Rumsfeld und Powell haben zugegeben, gelogen zu haben, als sie ihre Vorwürfe gegen den Irak benutzten, um einen Krieg gegen dieses Land vom Zaun zu brechen.
  • NYC, US-Regierung und Umweltschutzbehörde war die extreme Schadstoffkonzentration im Staub bekannt. Dennoch erklärten sie die Luft für unbedenklich.
  • Mindestens zwei wissenschaftliche Studien weisen außerdem Thermitreste im Staub der WTC-Trümmer nach. 
  • Mindestens fünf der angeblichen Flugzeugentführer sind am Leben.
Und als ob dies alles nicht schon genug wäre, schockiert folgende FBI-Seite mit einer fehlenden Information:
Most Wanted Terrorists: Usama Bin Laden
Auf Anfrage von 'Muckraker Report' an das FBI, weshalb Bin Laden 9/11 nicht zur Last gelegt wird, antwortete jenes: "Weil dafür keine handfesten Beweise vorliegen."

Condoleezza Rice versprach am 23.9.2001 zu gegebener Zeit der Regierung vorliegende Beweise für die Verantwortlichkeit von Osama und den Taliban zu erbringen. Dies ist bis heute nicht erfolgt, wie u.a. obige FBI-Seite zeigt. Es handelt sich um die selbe Frau Rice, die im Herbst 2008 vor dem Senat ausgesagt hat, von Folteranordnungen bezüglich Terrorverdächtiger nichts zu wissen, während kurz darauf veröffentlichte Memos der Bush-Regierung belegen, dass die Regierung Foltermethoden nicht nur anordnete, sondern in mindestens einem Fall entsprechende Papiere auch direkt von Rice an die CIA weitergeleitet wurden. Die Autorität der (ohnehin umstrittenen) demokratischen Legitimation der Regierung Bush Jr. leidet enorm, und mit ihr deren Darstellung von Al Qaeda als Verursacher der Septemberanschläge.

Gegenteilige Beweise zusammen mit buchstäblich hunderten von Ungereimtheiten und seltsamen Zufällen ergeben ein Bild, das zwar keine hundertprozentige Klarheit über die Abläufe des 11. September 2001 verschafft; eines jedoch wird unmissverständlich deutlich: Die offizielle Version der Geschichte entspricht nachweislich nicht den beobachteten Tatsachen. Sie verletzt überdies mehrere Naturgesetze. Ich habe in den letzten Wochen ausführlich erläutert, weshalb ich diese sogenannten Naturgesetze nur im Rahmen empirischer Beobachtungen und nur als eng eingegrenzte Faustregeln zulasse.¹ ² ³ Ebenso erbringen wissenschaftliche und kriminalistische Beweisführung aus erkenntnistheoretischer Sicht nur begrenzten Nutzen für uns als ferne Beobachter. Angesichts der gravierenden Folgen der Ereignisse scheint es nun jedoch selbst mir angeraten, nach sechs Jahren des Bloggens zum ersten Mal das Thema 9/11 anzusprechen, um meine Stimme gegen die weitere Verbreitung bloßgestellter Fehlinformationen zu erheben.

Nicht nur führt Bushs Nachfolger auf dieser falschen Grundlage weiterhin Krieg, er verweigert auch die Wiederaufnahme der Ermittlungen. Gestern zeigte außerdem N24 (ähnlich wie viele andere Sender dieser Tage) zwei Dokumentationen, die ihre Darstellung auf erwiesenermaßen falsche Fakten aufbauen: 19 Entführer, Osama als Drahtzieher und eine Regierung, die alles tut, um Terrorakte zu verhindern, statt, wie geschehen, Mittel zu streichen, Beweise zu vernichten und Zugriffe zu behindern. Darf man von einem seriösen Nachrichtenkanal erwarten, dass er den neuesten Erkenntnissen Rechnung trägt und zumindest darauf hinweist, dass die gezeigten Bilder der Darstellung der Bush-Regierung entsprechen? Oder müssen wir uns automatisch auf Hofberichterstattung einstellen, sobald wir Mainstream-Nachrichten aufrufen?

Ein brauchbares Mittel, um sich einen umfassenderen Überblick zu verschaffen, sind die Dutzenden von Dokumentationen unabhängiger Rechercheure. Durch Analyse und Vergleich der damaligen Liveübertragungen miteinander und mit früheren und späteren Aussagen involvierter Personen erscheint heute manches in etwas anderem Licht. Einigen Autoren ist es gelungen, mit Hilfe deklassifizierter Dokumente eine Papierspur zu verfolgen, während chemische, physikalische und ingenieurstechnische Untersuchungen die Pfannkuchentheorie völlig demontieren. Und hätte nicht David Ray Griffin bereits in seinem zweibändigen Werk "The New Pearl Harbour" minutiös einen Großteil der Widersprüche aufgezeigt, welche die offizielle Version der Ereignisse charakterisieren, es wäre genau die richtige Fleißarbeit für einen wie mich gewesen.

Neben der Lektüre von Griffins Büchern kann ich dafür eine Reihe von filmischen Analysen empfehlen, die die Angelegenheit anhand von Indizien, Belegen und Beweisen jeweils aus einzigartigen Blickwinkeln beleuchten und auf Dinge hinweisen, die anderswo unberücksichtigt geblieben sind.

11. September - Die letzten Stunden im World Trade Center
Der von zwei Franzosen, den Brüdern Naudé, aufgenommene Film, der die Arbeit der New Yorker Feuerwehrleute zeigt, lief mehrmals schon im Fernsehen und darf wegen seiner Unmittelbarkeit nicht fehlen, auch wenn er in "September Clues" in Frage gestellt wird.

Loose Change 911
von Dylan Avery. Eine der besten Übersichten über die Vorkommnisse jenes Tages. 2006 sah ich die Second edition, später auch das darauffolgende Update (Final cut). Der neueste Stand wurde mit der Version An American Coup veröffentlicht. Barry Jennings der im Gespräch mit Avery über die Explosionen in Gebäude 7 berichtete, zog seine Aussage aus Angst vor Jobverlust zurück und verstarb 2008 unter ungeklärten Umständen, zwei Tage vor dem offiziellen NIST-Report.

9/11 Coincidences
Man kann sich beim Sprechen ja mal verhaspeln. Wer will ausschließen, dass es unter kuriosen Umständen nicht doch einmal zu einem Pfannkucheneffekt kommt? Und dass NORAD mit heruntergelassenen Hosen erwischt worden ist - nun, wir können froh sein, dass nicht gerade da der Russ' vor der Tür stand. Mit der Fülle dutzender, wenn nicht hunderter von weiteren dieser Koinzidenzen verringert sich die Wahrscheinlichkeit jedoch rasant gen Null. Einmal ist Pech, zweimal ist Zufall, und dreimal...

9/11 Mysteries
Die Autorin Sophia Smallstorm konzentriert sich 2007 auf das WTC. Sie nimmt die offizielle These vom Pfannkuchenszenario Schritt für Schritt auseinander und setzt ihr Erkenntnisse aus den entsprechenden Wissensgebieten entgegen.

Confronting the Evidence
Ein Film von zwei Stunden 40 Minuten Länge mit Zusammenschnitten von Fachvorträgen auf einer von Jimmy Walter (Walden-III) organisierten Podiumsdiskussion mit Interviews, Fernsehbildern und Ausschnitten aus andere Dokumentationen.

9/11 - Blueprint for Truth
Architekt Richard Gage gab 2008 eine Betrachtung des WTC-Kollapses aus statischer Sicht. Mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode vergleicht er den Pfannkucheneffekt mit den Merkmalen kontrollierter Sprengung und geht auch auf chemische und physikalische Untersuchungen ein, wodurch er den offiziellen Berichten nachweisen kann, dass ihre Ergebnisse frei erfunden sind. Eine der fundiertesten und überzeugendsten Dokumentationen zu 9/11.

Michael C. Ruppert
Einer der ersten, der gegen die offizielle Version Sturm lief, war der ehemalige LAPD-Beamte Mike Ruppert, der eine wasserdichte Papierspur bis ins Weiße Haus verfolgen konnte. Bereits im November 2001 berichtete er in Vorträgen über The Truth and Lies of 9/11. Ungefähr zu gleicher Zeit beginnt er auch Warnungen vor einer Finanzkrise auszugeben, die er minutiös und bis auf wenige Monate genau vorhersagen konnte, wie der Talk about Peak oil, 2005, pt.1 / pt.2 zeigt. Dort veranschaulicht er weitere Beweisketten, die das Weiße Haus in Sachen 9/11 schwer belasten.

Painful Deceptions
Eric Hufschmids Doku von 2003 befasst sich mit statischen, logistischen und ermittlungstechnischen Fragen und untersucht, ob Drohnen im Spiel gewesen sein könnten.

Dave vonKleist
In Plane Site legt das Hauptaugenmerk auf das Pentagon und macht auf Verschleierungsversuche rund um den 11.September aufmerksam, die Ansatzpunkte für juristische Ermittlungen bieten könnten.
Ripple Effect gibt dagegen eine gute Übersicht über ein breites Feld kritisierter Unstimmigkeiten, legt thematisch aber Schwerpunkte auf die "No-Planes"-Schiene sowie die unsachgemäße und teils unseriöse Berichterstattung der Massenmedien.

September Clues
2008 erschien eine zweite Ausgabe von Simon Shacks Untersuchung, die sich ausschließlich auf vergleichende Video-Analysen der Live- und Nachberichterstattung verschiedener Sender stützt. Obwohl manche der präsentierten Unstimmigkeiten eine Sache des Zufalls oder der Interpretation sein könnten, bleibt das Material in seiner Gesamtheit doch höchst erstaunlich - eine Indiziensammlung, die man zumindest einmal angesehen haben sollte.

The Great Conspiracy
Barrie Zwicker, Journalist und Medienkritiker, stellte 2004 eine Sondersendung zusammen, die sich insbesondere mit nachweislichen Falschaussagen, Widersprüchen und vernichtetem Beweismaterial beschäftigte. Trotz des reißerischen Titels bleibt die Doku auf der sachlichen Seite, um Fragen zu stellen, die offiziellerseits nie zufriedenstellend beantwortet wurden.

Time for a Second Look
David Ray Griffin sprach 2009 in Hamburg über neuere Entwicklungen der 9/11-Forschung, gibt aber auch Auskunft darüber, weshalb eine unabhängige Untersuchung nötig ist und verschafft eine grobe Übersicht über fragwürdige Aspekte. Definitiv vorzeigbar.


Ich warne ausdrücklich vor unreflektierter Übernahme irgendwelcher Schlussfolgerungen. Die meisten Quellen, auf die sich obige Dokumentationen beziehen, sind allerdings im Netz und können verifiziert werden. Mach davon Gebrauch, wenn du Zweifel hast!

Der Titel des heutigen Artikel ist übrigens ein Zitat von Alex Jones aus "Martial Law 9/11", einem Streifen, den ich wegen seines überwiegend polemischen Tons genausowenig empfehlen wollte, wie die Vorträge von Webster Tarplay und einigen anderen. Es mag ja an ihren Argumenten etwas dran sein. Aber ohne Belege führen sie uns nicht weiter.

2010-11-12

Freigeld

"Geld, das wie eine Zeitung veraltet, wie Kartoffeln fault, wie Eisen rostet, wie Äther sich verflüchtigt, kann allein sich als Tauschmittel von Kartoffeln, Zeitungen, Eisen und Äther bewähren. Denn solches Geld wird weder vom Käufer noch vom Verkäufer den Waren vorgezogen. Man gibt dann nur noch die eigene Ware gegen Geld her, weil man das Geld als Tauschmittel braucht, nicht, weil man vom Besitz des Geldes einen Vorteil erwartet.“
(Silvio Gesell: Die natürliche Wirtschaftsordnung, S.181)
"Anders ausgedrückt wird das Geld als Tauschmittel vom Geld als Wertspeicher entkoppelt. Geld ist dann keine Ausnahme von der natürlichen Tendenz zum rosten, verformen, verrotten und verfallen – d.h. von der Rückführung von Ressourcen in den Kreislauf. Geld hält nicht mehr den von der Natur getrennten menschlichen Bereich aufrecht.
Gesells Ausdruck „eine Einbildung, ein ungeheurer Wahngedanke, nur der Gegenstand der Wertlehre ...“ weist auf eine noch subtilere und wirksamere Auswirkung des Schwunds hin. Wovon redet er? Wert ist der Glaube, der jedem Objekt in der Welt eine Zahl zuweist. Es verbindet eine unveränderliche, unabhängige Abstraktion mit etwas, das sich stets ändert und in Beziehung mit allem anderen existiert. Schwund kehrt dieses Denken um und entfernt daher eine wichtige Grenze zwischen dem menschlichen und dem natürlichen Bereich. Wenn Geld nicht länger Gütern vorgezogen wird, werden wir uns abgewöhnen, über den „Wert“ von etwas nachzudenken."
(Charles Eisenstein: The Ascent of Humanity, VII-2)
Hier muss ich Charles (und auch Silvio) zum ersten Mal ernsthaft widersprechen. Zwar trifft es zu, dass beim mit Negativzins, mit Schwund belasteten Geld die Funktion als Wertspeicher verloren geht und es nicht mehr gehortet werden kann. Aber das bedeutet nicht, dass die Objektifizierung der Welt beendet wäre. Es bedeutet nicht, dass die Anhäufung von Wohlstand in wenigen Händen beendet wäre. Und es bedeutet vor allen Dingen nicht, dass die Doktrin vom grenzenlosen Wachstum beendet wäre. Statt Geld würden wir Güter anhäufen. Das ist, wie an anderer Stelle bereits diskutiert, das eigentliche Ziel unserer Wirtschaftsform. Gerade weil das Geld verfällt, müsste man möglichst schnell Waren und Dienstleistungen in Anspruch nehmen, damit man nicht umsonst dafür gearbeitet hat. Das ist das offene Geheimnis des Wunders von Wörgl, wo das System 1932/33 mit Erfolg angewendet worden ist. Das Schwundgeld befeuerte den Konsumkreislauf, und der ist nichts anderes als die Verdinglichung der Welt, ihre Umwandlung in Ressourcen zur Herstellung von Waren zur Befriedigung unserer Wünsche. Der Kurve mag ihr exponentieller Verlauf genommen sein, der vom Zins herrührt; sie wird jedoch unaufhaltsam - linear - weiter ansteigen, so dass das Ende vom Lied die Zerstörung der Lebensgemeinschaft auf diesem Planeten bleibt.

Auch muss ich der Behauptung widersprechen, dass wir nicht mehr über den Wert der Dinge nachdenken würden. Werte sind zwar willkürlich zugewiesene Eigenschaften von Dingen und Ideen, aber ihre Existenz hängt nicht vom Geld ab. Wenn wir Gesundheit gegen Leben, Leben gegen Bequemlichkeit und Bequemlichkeit gegen Zufriedenheit abwägen, nehmen wir ebenfalls eine Bewertung vor. Sie ist immer abhängig vom Weltbild des Einzelnen, und das wiederum von seiner Erfahrung.

Wir stehen noch immer vor der immensen Aufgabe, unser Denken, unser Selbst- und Weltbild zu ändern, wenn wir als Spezies langfristig überleben möchten. Es ist mit Geld nicht zu lösen, allein schon, weil Geld und Handel Symptome für die Knappheit von Gütern sind. Es gibt drei Wege, der Knappheit zu entgehen:
a) weiteres Wachstum. Das ist der Weg, der stets von Anhängern der Marktreligion als "einzige Wahl" vorgebracht wird. Wachstum bei uns bedeutet jedoch Knappheit woanders. Selbst wenn man das abstreiten möchte, so bleibt doch die mathematische Gewissheit, dass unaufhörliches Wachstum in einer begrenzten Welt irgendwann an seine Grenzen stößt. Was dann? Wir haben bereits bewiesen, dass wir nicht bereit sind, an diesen Grenzen haltzumachen. Unaufhörliches Wachstum, egal welchen Verlauf es nimmt, führt unausweichlich zur völligen Erschöpfung aller Kapazitäten.
b) man senkt und stabilisiert den Verbrauch, indem man den Bedarf über Bevölkerungszahlen senkt und stabilisiert. Auch dies kann nur vorübergehende Beruhigung der Lage zur Folge haben, wenn das Wirtschaftssystem weiter auf Wachstum basiert.
c) man senkt und stabilisiert den Verbrauch, indem man den subjektiven Bedarf senkt und stabilisiert, d.h. die Ansprüche, die Menschen an ihr Dasein stellen.

Ich sehe keinen Weg um c) herum, der auf lange Sicht einen Effekt hätte. Nachhaltigkeit bedeutet wirtschaftliches Handeln im Rahmen der Erneuerbarkeit der Ressourcen, mit anderen Worten Nullwachstum auf niedrigem Niveau. Wenn es aber an unserem Denken liegt, dann können wir auch gleich auf eine geldlose, weitgehend vom Handel befreite Lebensweise, die sogenannte Geschenkwirtschaft umschwenken, sobald unser Weltbild das Nachdenken über Geld zulässt. Aus meiner Sicht sind Alternativwährungen Zeitverschwendung. Aber ich verstehe natürlich, dass manch einer diese Krücke brauchen mag, um sich vom alten, knappheits-, eigennutz- und konkurrenzbasierten Marktsystem zu lösen; auch von der Idee, dass Güter "gerecht verteilt" werden müssten, und dass Gerechtigkeit bedeute, dass man sich das Recht auf Leben "verdienen" müsse.

2010-11-10

Erkenntnistheorie und die Banalität

Anhand eines banalen Beispiels ergibt sich die Gelegenheit, nochmals in Deutsch auf den erkenntnistheoretischen Teil des Artikels "Determinismus" einzugehen (Punkte a und b). Vor ein paar Tagen habe ich auf meinem alten Blog folgendes gepostet:

Eiiiigentlich schreib ich ja nicht mehr über Musik, und eiiiigentlich sollte das, was da gesagt wird, keine Überraschung sein, aber... alter Schwede! Das hier hat mich dann doch umgehauen:
Interview with an ex-VK record executive
Obwohl meine Friendslist dort eher Lifestyle-orientiert ist und ich nun wirklich nicht vorhatte, sie mit philosophischem Krimskrams vollzunölen, entwickelte sich sofort eine erkenntnistheoretische Diskussion:

A., die eine Visual kei Website betreibt, kommentierte:
"das ging damals durch alle foren ;D
im ersten moment ist das natürlich schockierend, im zweiten bekommt man ein "ich wusste es doch!"-gefühl. ich bin mir absolut sicher, dass da ne ganze menge richtig ist. allerdings hört es sich bei aller liebe auch schon sehr reisserisch an, und man sollte sich immer im hinterkopf behalten, dass da ein im prinzip anonymes magazin website-projekt einen anonymen menschen befrägt, der tatsächlich ne ganze menge verrät, dafür, dass er nicht entdeckt werden möchte. wie gesagt, ich halt vieles davon für reale oder zumindest realistische geschehnisse, aber ein kritischer blick sollte ja immer vorhanden sein, egal, was man wo liest.
siehe auch hier: http://neojaponisme.com/2010/03/04/visual-kei-expose/ "
B., die sich ebenfalls ganz gut auskennt, findet:
"Das überrascht nicht wirklich, oder? Leider erfüllt dieser Artikel zwar lange gehegte Vermutungen, aber man hat keine harten Fakten, an denen man die Authentizität des Auskunftgebers überprüfen kann. Es taucht doch immer mal jemand auf, der nach seiner Karriere dreckige Wäsche waschen will - und da gibts immer viel Schmutz um einen wahren Kern. Man sollte sich über sowas nicht aufregen, finde ich. Der Artikel unterstützt doch nur unsere angeborene Paranoia. Und selbst wenn das Interview komplett stimmt: das ist doch deren Sache und wenn sich niemand in Japan um die Legalität des Businesses kümmert, dann ist es glaube ich nicht unsere Aufgabe, päpstlicher als der Papst zu sein.
Ich frage mich ja im Gegenzug, ob es bei den westlichen Labels nicht im Rahmen kultureller Grenzen ganz genau so läuft. Business is business!"

Und C., die im japanischen Musikbiz arbeitet, meinte:
"Als ich den gelesen habe, den Artikel, kam er mir am Anfang sehr realistisch vor...bis dann hier und da Dinge auftauchten, von denen ich einfach WEISS, dass sie nicht stimmen.(Woher kannst du dir sicher denken...)
Eine Freundin von mir meinte dann auch, dass der Artikel eine neue Art "Fanfiction" sein.
Es gibt keine Quellen und keinen Japanischen Originaltext. Die Tabelle, die dort gepostet ist mit den Hierarchien, weist derbe Luecken (Dann sind so viele grosse und kleine Labels die einfach fehlen, aber meines erachtens einen wichtigen Teil ausmachen.) auf und dann fragt man sich doch...wo stehen die CEO's der Major Labels?
Klar, connections ist alles, aber anderer seits hab ich inzwischen auch mitbekommen, dass es Labels gibt, zu denen mal lieder KEINE haben moechte.
Naja...also es ist meines Erachtens eher Lueckenhaft, einiges definitiv erfunden und ich bin dann auch mal wie meine Profs in der Uni: Ohne Quelle nehm ich NIX!"

Das Lustige ist: Sie haben alle recht.
Dass solche Einwände nie erhoben wurden, wenn ich direkt über philosophische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen schrieb, finde ich sogar noch amüsanter. Nicht dass es ein Makel wäre, sich eher für Alltägliches und Unterhaltsames zu interessieren. Manchem sind meine Themen einfach zu ernst, zu trocken, zu fern, und das ist ok. Auch in meinem Leben gibt es Triviales. Ich schreibe nur nicht mehr drüber.
Was mich schmunzeln lässt, ist, wie eben jene scheinbar realitätsfernen Themen durch die Hintertür in den Alltag einbrechen. Auf einmal geht es um etwas, das uns, so banal es sein mag, etwas bedeutet. Vielleicht deshalb, weil unser Wissen und unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten (Sub-)Kultur Teil unserer Persönlichkeit sind. Wir sind seit vielen Jahren Fans japanischer Rockmusik, wir arbeiten freiwillig oder gegen Bezahlung im Musikbereich, gelten einem bestimmten Personenkreis als Experten auf dem Gebiet oder fühlen uns zumindest wohl unterrichtet. Und dann das. Wir mögen zynisch-paranoid etwas dieser Art vermutet haben, aber Satoh-Sans Worte trafen uns, die wir über sein Interview diskutiert haben, trotzdem ins Mark.

Die Frage, wer zur Hölle Satoh-san ist, was der Blogschreiber mit der Veröffentlichung bezweckt, also letztlich, wie wahr das Gesagte überhaupt ist, ist vollkommen berechtigt. Der springende Punkt dabei: Das gilt für alles andere ebenso. Jedes Buch, das wir lesen, jede Zeitung, jede Website, jeder Brief; jede Fernsehsendung die wir sehen und jedes Gespräch, das wir führen; all das liefert Informationen aus fremder Hand. Ob erste, zweite, dritte Hand, ob renommierte oder unklare Quelle, ob referenziert oder nur dahingestellt, das spielt erst nachrangig eine Rolle bei der Einschätzung des Wahrheitsgehalts. Denn mehr als Wahrscheinlichkeiten, die wir aus dem Abgleich mit anderen Quellen und unserer eigenen Erfahrung errechnen, sind dabei nicht zu holen. Quelle hin oder her, mit Beweisen oder eben ohne, wirklich wissen können wir nur, was wir mit eigenen Sinnen direkt erfahren. Das Berühren eines Gegenstands, das Dabeisein im Interview, das Durchleben einer Missbrauchssituation.
Doch wie im Artikel "Determinismus" beschrieben, muss selbst die so erfasste Wahrheit in Frage gestellt werden angesichts der Tatsache, dass die Realität für jeden von uns anders aussieht:
- weil wir nicht unendlich viele Eigenschaften eines Gegenstandes erfassen können
- weil wir daher entsprechend der uns wichtigen Werte Wahrnehmungsfilter einsetzen
- weil wir in aller Regel unfähig sind, das Wahrgenommene zu einem späteren Zeitpunkt richtig und vollständig wieder abzurufen
- weil wir nicht sehen, was hinter den Kulissen abläuft.

Haben wir eine Aufnahme des Gesprächs, könnte diese gefälscht sein.
Waren wir live dabei, wissen wir nicht, ob sich Interviewer und Interviewter vorher abgesprochen haben.
Wenn nicht, so spielen immer noch die Motivationen der beiden Gesprächspartner eine Rolle, was der Leser mit der gegebenen Information anstellen soll.
Und: Haben die beiden einander richtig verstanden? Haben wir sie richtig verstanden?
Wir können nicht in der Zeit zurückreisen, um die Abläufe zu verifizieren.

Erkenntnistheoretische Fragen zu stellen öffnet die Büchse der Pandora. Man kann nicht nur die eine Quelle anzweifeln, während man aus anderen Sicherheit gewinnen will. Woher beziehen verlässliche Quellen ihre Verlässlichkeit? Was macht einen Beweis zum Beweis, ein Indiz zum Anhaltspunkt und eine Wahrscheinlichkeit wahrscheinlich? Gehen wir die Kette der Fragen erbarmungslos bis zur letzten Konsequenz durch, dann landen wir bei der Einsicht, dass es keine Sicherheit gibt, und damit kein Wissen, und damit keine determinierte, für alle Beobachter gleich geartete Realität.

Scheiße.
Eigentlich wollten wir nur über Musik reden, oder?

Nun, so tragisch sind die Konsequenzen nicht. Problematisch werden sie erst, wenn wir über Distanz kommunizieren, an "die eine", wahre Wirklichkeit glauben (nämlich jene, die wir selbst wahrnehmen) und dabei noch über abstrakte Konzepte wie Moral, Realität, Arbeit, Gerechtigkeit sprechen, während das Überleben in den uns umgebenden Gesellschaften bewusste Verhaltensweisen wie Lügen, Betrug, Informationsverdrehung und -unterdrückung fordert und fördert, bzw. unbewusste neurotische und psychotische Selbstschutzmechanismen auslöst, die zu Wahrnehmungsverzerrungen führen.

Ich kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass das Problem in einer menschengerechten Gesellschaft und mit einer gesunden Einstellung zum Leben nicht einmal im Ansatz besteht. Eine artgerechte Gesellschaft wäre nicht auf Wettbewerb aufgebaut. Sie würde die Bedürfnisse aller ihrer Mitglieder in vollem Umfang befriedigen. Weder gäbe es den Wunsch, sein Glück auf dem Missbrauch anderer zu errichten, noch die Notwendigkeit, eben jenen Missbrauch unter den Teppich zu kehren. Der Einzelne sähe auch keine Veranlassung, sich an der künstlichen Persönlichkeit weit entfernt lebender Menschen aufzugeilen, während er die eigenen Nachbarn nicht kennt. Gesunde Gesellschaften besäßen überschaubare Dimensionen, in denen die Kommunikationspartner einander und die Situation kennen. Individuen würden sich zwar mit dem gesamten Universum verbunden sehen, ihr Interesse wäre jedoch auf örtliche Angelegenheiten fokussiert, statt auf die Stars von Tokyo oder die Sterne der Großen Magellanschen Wolke. Diese haben nämlich eines gemein: Sie sind zu weit weg, als dass sie in unserem Leben eine Rolle spielen, oder wir in ihrem.

2010-11-07

AUTHOR: Is there any way out of this mess?

GOD: “Yes. Shall I say it again? A shift of consciousness. You cannot solve the problems which plague humankind through governmental action or political means. You have been trying that for thousands of years. The change must be made, can be made only in the hearts of man.”
(Neale Donald Walsch: Conversations With God)

In an interview with Larry King, Walsch described the inception of the books as follows: at a low period in his life, Walsch wrote an angry letter to God asking questions about why his life wasn't working. After writing down all of his questions, he heard a voice over his right shoulder say: "Do you really want an answer to all these questions or are you just venting?" (Wikipedia on "Conversations with God")

Both quotes kind of sum it up, what I am thinking of the situation we are in. The latter also gives a hint to sane use of thought; philosophy, if you will. Philosophy can equal verbal masturbation if you do it just for the thrill of shuffling words and dealing with puzzles. If it tells you something about the life you are living, and if you use that insight for improving on things, that's when God is answering your questions. Sometimes, it even might work the other way round, philosophy being an expression of wisdom gained through living. Then God is you.

2010-11-05

Determinism

I must admit that I once was a guy who couldn't believe in anything that was out of reach of science. If you couldn't touch it, define it, extract it, manipulate it, categorize it, prove it, it couldn't have been real. What a miserable existence that was, denuded of all the beauty and freedom of emergence.

Well... having had a lazy day I recently stumbled into someone else's blog who discussed the subject of determinism, and people being unwilling to rethink their beliefs. I liked the observations she made. Information per se hardly ever changes anything. People will resist new information, no matter what, unless they feel the new truth in their bones, or unless it already agrees with their world view. So I agreed with my previous responder to that blog, that using a Socratic approach can do magic (although I prefer to just present my personal view as such, rather than manipulating people into finding what I find).

As for determinism, it isn’t all that new. As a matter of fact, it has been the basis of science and technology for over 400 years. If science is right about the determinism of the universe, then people’s behavior cannot be free as well. What’s revolutionary about that idea is that we now begin to apply it on humans, although, in our subconscious, we use to think we were exempt from the laws of nature. And maybe we think so because we feel that determinism might be a wrong concept.

The Cartesian world view in public perception is very hard to kill and people trained in rational thinking and rhetorics can talk you into believing it - if you ever doubted. But since ~1900, Heisenberg, Einstein, Gödel, Turing and many others have demonstrated that we cannot be sure about anything, or even everything. Determinism is dead. We just didn’t notice.

After all it is just another concept, another ideological (or religious, if you prefer) world view. People have come up with others, like eastern religions, buddhism, animism, chaotic organisation, chaotic non-organisation and so on. Both science and religion have their use in a certain area; both determinism and free will work within a certain frame, but then they fail due to applying a rigid method to a living process. That is what the scientists I mentioned proved with their methods, and what e.g. Buddhists agree with for 2500 years now after having applied their own methods, and why I say that determinism is yesterday’s jam.
Of course that is only my view, no more valid than anyone else’s view. I see no objective reality “out there”, truth being the same for everyone when in "fact" it isn’t.

Sorry if I didn’t make myself clear here. I didn’t intend to say that Heisenberg alone declared that we cannot know anything for sure, but that he, the persons I mentioned, and others like Schrödinger *together* paint the picture of a science different from the deterministic ideology of pre-20th century science. Taken as a whole their work unintendedly shows that science as such fails with explaining reality, especially in complex systems, and therefore will never be able to make true precise longterm predictions.

Why is it that the laws which science finds don’t fit reality and have to get redefined over and over again? Besides the complicated one (represented by Gödel &co.) there’s two easy parts:

a) The nature of a law (especially a scientific law) is generalization. You have to reduce individual things with infinite properties each to categories of similar things with a finite set of properties to which the law applies. There are two problems with that:
- The set of properties is of arbitrary choice. Look at the definition of “planet”. Look at any map.
- The rest which we discard as irrelevant but which represents an infinitely higher number of properties has a significance. Think of it when you listen to the weather forecast or when you drink a vitamins shake instead of eating an apple.
The categories we make up along with the limited-properties things create a picture that may follow the laws of science within a given frame set, but only if you don’t look too close. Taking that picture for real hence trying to apply the laws universally results in chaotic, unexpected response. Always.

b) Even if we do not look for rules and do not gain our knowledge from books, we can rely on our senses and say, “I see that thing. I measured some of its properties.” Still people disagree for a vast amount of reasons, one of which is that we cannot handle infinite amounts of properties. What then, following from that, is reality if not that what we choose? Isn’t it different for each person? What can we actually know for sure if we cannot completely know at least one single thing?

You do believe in determinism, but you do not believe your life is unalterably fixed, past, present, and future, do you? For, no matter if we are able to predict what’s to come, that is what "determined" means. Otherwise I didn’t get your reason for acting as responsible individuals. If I’d ask a person in a deterministic world why s/he is doing something, the answer I’d expect would be, “Because I cannot help but to follow the laws of the universe. There is no choice”; like a planet cannot willingly resist the gravity of its star. Without choice you could not act responsibly. You were just a puppet on a string, a programmed robot.
But, as a matter of fact, you are free to choose whatever option you prefer; even in a situation of being "forced" you are free to say: "Pull the trigger!"

Personally, I have given up on determinism as soon as I found out that it doesn't work on me when I decide so; it also doesn't hold for natural processes, if you take a closer look.
Instead, I (in short) think of an interdependent system of self-organizing complex subsystems, in which each element has options within a given frame, but each action changes the context by causing feedback, so we evolve while, and by, adapting to the constantly changing world we created and that created us. We are both free and bound. That’s pretty much what I see around me and inside myself – which results in active participation in the world's affairs without desperately clinging to my ideas and wishes.

2010-11-01

Der Anblick von Krawatten macht mich krank

Gewaltfreie, auf Vertrauen und Zusammenarbeit basierende Verhaltensweisen sind - aus meiner Sicht - vernünftigerweise wie intuitiv richtig und auch notwendig für eine Zukunft jenseits unserer gegenwärtigen Lebensweise. Ihr Problem ist, dass sie in einem System, das auf Kampf und Wettbewerb basiert, nicht nur nicht funktionieren, sondern sogar ihre Vertreter zerstören. Das dürfte der tiefere Grund sein, weshalb es so gut wie nie gelingt, ein System von innen heraus zu reformieren. Was hierzulande als Reform postuliert wird, ist ein Witz, denn es handelt sich um Verbesserung für Minderheiten zulasten von Mehrheiten, also im Grunde die Vertiefung eines bereits bestehenden Problems.

Zu ihrem eigenen Schutz, und damit neue Ideen eine Chance haben sich zu beweisen, ist es nötig, dass sich Menschen, die im Geiste pazifistischer Werte denken und handeln, zusammenschließen, um eine eigene Wohlstandssphäre zu schaffen, die der Außenwelt nicht feindselig, aber doch mit Reserviertheit gegenübersteht. Es ist, zumindest heute, nicht ratsam, Wildfremden Vertrauen entgegenzubringen, wenn schon die Familie keinen sicheren Hafen mehr bietet. Auch in der Familie hat die Ideologie vom Überleben des Stärkeren großen Schaden angerichtet. Isolation, Depression, Schizophrenie und viele andere Störungen von Verhalten und Psyche, vor allem aber Paranoia, sind völlig gesunde (wenn auch nicht erstrebenswerte) Reaktionen auf eine fundamental kranke, feindselige Gesellschaft.

Wo sich jedoch Loyalität sowie eine grundsätzliche Friedfertigkeit zwischen zwei Menschen entwickelt hat, entsteht ein möglicher Kondensationskern für eine neue Gemeinschaft mit vom Mainstream abweichenden Werten. Diese Gemeinschaft kann und soll wachsen; nicht jedoch im Sinne marktwirtschaftlicher, uneingeschränkter Krebswucherung, sondern langsam, vorsichtig, basierend auf realen Beziehungen zwischen Lebewesen. Das Ziel einer solchen Gemeinschaft ist nicht triumphaler Erfolg über ihre Widersacher, nicht Dominanz über weniger erfolgreiche Gemeinschaften, nicht die Übernahme der Welt, sondern die selbstgenügsame Stabilität einer Gesellschaft von überschaubaren Dimensionen.
Und für diese Dimensionen gibt es effektiv Grenzen. Neueren Untersuchungen zufolge kann ein einzelner Mensch Beziehungen zu maximal 150 Personen aufrecht erhalten. Das ist auch die oberste Grenze, bei der wachsende Stämme anfangen neue Siedlungen zu gründen. Meist geschieht das schon früher, ab ca. 60 Personen. Erst jenseits jener Größenordnung sprechen wir von Dörfern, den kleinsten zivilisatorischen Siedlungseinheiten. Viele Kommunen bewegen sich in diesem Rahmen; nur wenige überschreiten ihn, und wenn, so sind 250-300 Mitglieder das absolute Limit. Auroville mit seinen 2200 Einwohnern ist ein Gigant unter ihnen, mit Wachstumsraten von 5% in den letzten Jahren und Mutters Masterplan im Hintergrund - eines Tages sollen 50.000 Personen dort leben - aber auch eindeutig ein zivilisatorisches Projekt. Das heißt, ein Ort mit potentiell allen zivilisatorischen Problemen: Gewalt, Habgier, Angst, soziale Schichtung, Verschmutzung usw. Um die Bewältigung eben jener geht es in Auroville, und diese Stadt wird entweder beweisen, dass Zivilisation mit dem Überleben vereinbar ist - oder sie wird das Gegenteil zeigen.

Wer mein Blog über die letzten Monate verfolgt hat, kennt meine in neuerer Zeit gewachsene Einstellung zur Zivilisation und dass ich dieser wenig Chancen einräume, die nächsten zwanzig, dreißig Jahre zu überstehen. Ich mache mir aber auch nicht vor, die städtischen Bevölkerungen, welche absolut keinen Bezug mehr zu den Grundlagen des Lebens haben und die im Falle eines Zusammenbruchs zu Milliarden verenden werden, hätten heute das geringste Interesse an einer Rückkehr zu den erprobten Lebensweisen, die uns unzweifelhaft über die Jahrmillionen gut gedient haben. Primitivismus ist auch leider nicht geeignet, mehr als zwei Milliarden hungriger Mäuler zu stopfen. Die Menschheit benötigt aus sozialen und ökologischen Gründen Zeit zu schrumpfen, einen Zwischenschritt, der vielleicht aussieht wie Auroville - oder irgendwie anders; nur dass für "irgendwie anders" kaum noch Zeit bleibt. Mutters Schuss sitzt im Schwarzen oder andere Kräfte werden schon bald Zahlen diktieren, die der tatsächlichen Tragkapazität der Erde eher entsprechen.

Darum, und weil ich dort erfahren durfte, wie eine auf Partizipation, Kooperation, Vertrauen, Austausch, Offenheit und Nachhaltigkeit basierte Gesellschaft in mir und um mich herum die Dinge deutlich verbessert - immerhin ist es dort gelungen, in gewissem Maß ökologische Restauration zu erreichen - hat Auroville für mich nach wie vor seine Berechtigung und möchte ich es nicht gegen eine kleinere Gemeinschaft wie Tamera oder Twin Oaks eintauschen; obwohl ich das als zukünftigen Schritt keinesfalls ausschließen will. Für mich gilt allemal, was auch auf die Zivilisation zutrifft, aus der ich stamme.

Neben der Übersetzungsarbeit an "The Ascent of Humanity" stelle ich momentan auch ein Buch über potentielle Wege aus unserer Situation zusammen. Natürlich werden Auroville und Sri Aurobindos Vision eine Rolle spielen. Ich konnte mit Jack Reed (Community Planet Foundation) und Charles Eisenstein außerdem bereits zwei großartige Ideenschöpfer für das Projekt gewinnen und habe Genehmigungen zum Reprint von Werken weiterer Originalautoren erhalten. Mein Lesestoff der Jahre 2009/2010 enthielt mehr alternative, ja geradezu revolutionäre Gesellschaftsentwürfe, als irgendwer sich vorstellen kann, teilweise unter Einbeziehung historisch erprobter Elemente, alle nach 1945 entstanden, und der werte Herr Marx hat dazu nicht das geringste beigetragen. Sozialismus des 21. Jahrhunderts? Pfff.